Fliegende Wildgänse
Fliegende Wildgänse
  • Wildgänse im Flug
  • Foto: IMAGO/Maximilian Koch

Albtraum Silvester: So schlimm leiden diese Tiere unter Knallern und Feuerwerk

Es zischt, knallt, es donnert und blitzt, es ist laut, es ist grell – für Menschen wird mit Feuerwerk das neue Jahr eingeläutet. Oder eher: geböllert. Für Tiere ist diese Tradition nicht nur seltsam, sondern schrecklich. Sie reagieren völlig verängstigt und gestresst. Wie nachhaltig schockierend so eine Silvesternacht wirkt, haben jetzt Wissenschaftler untersucht – am Beispiel von Wildgänsen.

Forschende des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie in Konstanz und des Niederländischen Instituts für Ökologie haben sich acht Jahre in Folge angeschaut, wie sich Silvester auf Wildgänse auswirkt. Dafür wurden Vögel mit GPS-Sendern ausgestattet. Die Ergebnisse zeigen: Das Feuerwerk beeinflusst die Tiere länger als nur eine Nacht.

Die Bewegungsdaten von 347 Gänsen in Norddeutschland, Dänemark und den Niederlanden wurden ausgewertet – jeweils im Zeitraum vom 19. Dezember bis zum 12. Januar. Die Gänse flatterten in der Silvesternacht bei Böller-Beginn um Mitternacht panisch von ihren Schlafgewässern auf.

Wildgänse sind nach der Silvesternacht völlig erschöpft

Die verängstigten Tiere flogen den Forschern zufolge bis zu 16 Kilometer weiter und bis zu 150 Meter höher als üblich. In Einzelfällen wurden auch extreme Distanzen von mehr als 500 Kilometer zurückgelegt. Purer Stress also!

„Es ist schockierend zu sehen, wie viel weiter die Vögel in der Silvesternacht flogen“, so Studienautorin Andrea Kölzsch vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. „Einige Tiere legten Hunderte von Kilometer in einer einzigen Winternacht zurück, Distanzen, die sie normalerweise nur während des Zuges absolvieren.“

Die Flucht in der Silvesternacht kostet die Gänse viel Kraft – danach sind sie völlig erschöpft. Laut Studie fraßen sie in den Tagen danach zehn Prozent mehr und bewegten sich tagsüber deutlich weniger. „In strengen Wintern, wo nicht genug zusätzliches Futter gefunden werden kann oder dieses nicht schnell genug an den kurzen Tagen aufgenommen werden kann, kann das zu Problemen führen“, erklärte Kölzsch.

Auch andere wilde Tiere leiden an Silvester

Auch andere Tiere leiden in der Silvesternacht. Und das total unterschiedlich: Ein Singvogel im Nistkasten werde sich dort in eine Ecke drücken und den Schock mit erhöhten Herzschlag oder viel Hin-und-Her-Hüpfen kompensieren, ein Wildschwein versteckt sich verängstigt Unterholz und wilde Gänse, die von Natur aus vor Gefahr in die Luft flüchten, würden eben wegfliegen, so Wissenschaftlerin Kölzsch.

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Auch kleinere Explosionen an Silvester reichen übrigens, um Tiere enorm zu verschrecken. Das hätten die Auswertungen aus den Corona-Jahren gezeigt, wo das Böllern in vielen Ländern nur eingeschränkt möglich war. Und wer selbst Tiere hat, weiß, dass auch fellige und gefiederte Hausgenossen angstvoll auf Knaller reagieren Also am besten einfach lassen. Das freut alle Tiere – und auch viele Menschen.

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