Malerische Kulisse und Corona-Hotspot: Die österreichische Stadt St. Wolfgang ist bei Touristen sehr beliebt. 
  • Malerische Kulisse und Corona-Hotspot: Die österreichische Stadt St. Wolfgang ist bei Touristen sehr beliebt. 
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Es wird wieder ernst mit dem Coronavirus: Europa macht die Rolle rückwärts

Nachdem das Coronavirus in Deutschland gefühlt schon fast überwunden war, droht in Europa nun die zweite Welle. Das hat auch Konsequenzen für Deutschland. Wo jetzt Regeln verschärft werden, welche Risikogebiete es gibt und was es mit der Testpflicht auf sich hat.

Insgesamt ist die Lage in Deutschland trotz wieder steigender Fallzahlen noch relativ ruhig. Nur ein Landkreis hat innerhalb der letzten sieben Tage die kritische Marke von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner überschritten: Der bayerische Landkreis Dingolfing-Landau. Nach dem Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof in Mamming lag diese Zahl bei 191. Urlauber aus der Region dürfen inzwischen nur noch mit Einschränkungen an weite Teile der deutschen Küste, nach Rheinland-Pfalz, Brandenburg und ins Saarland.

Das sind die Corona-Hotspots in Deutschland und Europa

Innerhalb Europas gibt es bereits einige Länder, die wieder oder erstmals mit rasant steigenden Fallzahlen kämpfen. Besonders betroffen sind mittlerweile auch die Balkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Hier kann nicht von einer zweiten Welle gesprochen werden – das Virus kommt in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien jetzt erst richtig an. 

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Österreich hat bereits eine Reisewarnung für die Balkan-Region ausgesprochen. Auch das Auswärtige Amt gibt inzwischen Warnhinweise wegen der steigenden Fallzahlen heraus. Daneben kämpfen Österreich, Belgien und Luxemburg gegen eine zweite Welle und leiten dafür bereits abgeschaffte Regeln wieder ein.

Hier werden die Corona-Regeln jetzt verschärft

Als Reaktion auf steigende Corona-Infektionszahlen weitet Österreich die Maskenpflicht wieder aus. In Supermärkten, Bank- und Postfilialen müsse von Freitag an wieder ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag in Wien. Zuletzt galt die Maskenpflicht nur in Bussen und Bahnen, im medizinischen Bereich sowie in einigen Regionen. Seit Anfang Juli hatten sich in Österreich teils wieder mehr als 100 Menschen täglich angesteckt.

Alles zum Coronavirus in Hamburg und im Norden

Auch Belgien muss wieder zurückrudern: Wegen stark steigender Neuinfektionen führt die belgische Provinz Antwerpen eine nächtliche Ausgangssperre ein. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist an allen öffentlichen Plätzen und dort, wo der Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann, Pflicht. In einigen Städten der Region gelten noch strengere Regeln. Und da die Fallzahlen im gesamten Land steigen, hat Belgien auch seine Kontaktbeschränkungen wieder verschärft.

Video: Mehr Passagiere zum Ferienbeginn am Hamburg Airport

„Wir sind ganz klar in der zweiten Welle“, sagt Ulf Nehrbass, Direktor des Luxemburger Gesundheitsinstituts. Vor zwei Wochen war Luxemburg vom Robert Koch-Institut (RKI) zum Corona-Risikogebiet erklärt worden, nachdem es die Schwelle von 50 Neuinfizierten pro 100 000 Einwohnern deutlich überschritten hatte. Auch Luxemburg hat seine Corona-Maßnahmen erneut verschärft.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) zeigt sich besorgt

Doch zurück nach Deutschland: Hier sind die Corona-Infektionen in den vergangenen Tagen auch nach oben gegangen. „Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert-Koch-Institut große Sorgen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen – aber es könne sein. Es gelte nun zu verhindern, dass sich das Virus wieder rasant und unkontrolliert ausbreitet.

Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Spanien ab

Die Schulferien in Hamburg gehen in der kommenden Woche zu Ende, viele Urlauber sind schon in die Hansestadt zurückgekehrt. In der Stadt werden derzeit etwa 2000 Fluggäste pro Tag erwartet. Darunter auch aus Spanien, wo die Reisewarnung erst vor fünf Wochen aufgehoben wurde.

Nun rudert das Auswärtige Amt zurück: Wegen des starken Anstiegs der Corona-Infektionen in Spanien rät das Ministerium von touristischen Reisen in die betroffenen Regionen ab. Dazu zählen Katalonien einschließlich der Touristenmetropole Barcelona sowie die westlich davon liegenden Regionen Aragón und Navarra. Die Balearen mit der beliebten Ferieninsel Mallorca und die Kanaren bleiben vorerst verschont.  

Den Schritt begründete das Auswärtige Amt am Dienstag in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen mit den „hohen Infektionszahlen und örtlichen Absperrungen“. Eine formelle Reisewarnung sprach das Ministerium zunächst nicht aus – damit zählen die betroffenen Regionen nach wie vor nicht zu den Risikogebieten. Die Lage kann sich jedoch jederzeit ändern.

Für Reise-Rückkehrer: Test-Stationen in Deutschland kommen

Die Einstufung eines Landes als Risikogebiet hat schon bald Folgen für Reiserückkehrer aus den betroffenen Regionen: Die Bundesregierung bereitet sich darauf vor, die bereits angekündigte Testpflicht in Deutschland konkret umzusetzen. Hintergrund ist, die Ausbreitung des Virus auch in der Hauptreisezeit einzudämmen. So soll verhindert werden, dass sich infizierte Urlauber aus Regionen mit größeren Corona-Ausbrüchen in Deutschland verteilen.

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Dafür wollen die Bundesländer an den Landesgrenzen spezielle Teststationen einführen, darunter an den Grenzübergängen zu Österreich und der Schweiz. An den Flughäfen wird es allerdings eine Testpflicht geben – am Hamburg Airport soll sie schon Donnerstag oder Freitag kommen, wie Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag mitteilte.

Eine entsprechende Regelung für alle größeren deutschen Flughäfen hatten die Gesundheitsminister der Länder und des Bundes in der vergangenen Woche beschlossen. Die Kosten für den Corona-Test teilen sich Bund und Länder.

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