Polizisten ermitteln im Zentrum von Kongsberg nach der Gewalttat mit mehreren Toten.
  • Polizisten im Zentrum von Kongsberg nach der Gewalttat mit mehreren Toten.
  • Foto: dpa/NTB | Håkon Mosvold Larsen

Attentat in Norwegen: Offenbar Hamburgerin unter den Opfern

Unter den fünf Todesopfern der Bluttat im norwegischen Kongsberg war auch eine Deutsche. Das bestätigte das Auswärtige Amt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Zuvor hatten unter anderem „T-Online“ und „Bild“ darüber berichtet, Berichten zufolge wurde die Frau in Hamburg geboren. Die norwegische Polizei hat am Samstag die Namen der Opfer veröffentlicht.

„Wir müssen leider bestätigen, dass unter den Opfern eine seit längerem in Norwegen lebende deutsche Staatsangehörige ist“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Weitere Details zu Alter oder Lebensumständen der Frau nannte er nicht. Wie „Bild“ unter Berufung auf die norwegische Zeitung „VG“ berichtet, handelt es sich bei der Toten um eine 52-jährige Musikerin, die in Hamburg geboren wurde.

Kongsberg: Eine Deutsche unter den Todesopfern

Ein 37-jähriger Däne hat eingeräumt, am Mittwochabend in der Innenstadt von Kongsberg fünf Menschen getötet zu haben. Der Mann hatte unter anderem mit Pfeil und Bogen auf zahlreiche Menschen geschossen. Die norwegische Polizei veröffentlichte am Samstag die Namen der vier Frauen und eines Mannes.

Unterdessen äußerten die Ermittler zunehmend Zweifel an einer terroristisch motivierten Tat. Es gebe Hinweise, dass der Verdächtige nicht wirklich zum Islam konvertiert sei, sagte Polizeiinspektor Thomas Omholt bei einer Pressekonferenz am Samstag. Stattdessen erhärte sich der Verdacht auf eine psychische Erkrankung. Zwischenzeitlich waren die Ermittler von einer terroristisch motivierten Tat ausgegangen.

Jonas Gahr Støre (r.), Ministerpräsident von Norwegen, und Emilie Enger Mehl, Justizministerin, legen bei ihrem Besuch in Kongsberg Blumen für die Opfer eines Attentats nieder und zünden Kerzen an.

Wie sich herausstellte, hat der Mann schon seit Jahren im Fokus der Behörden gestanden. Im Jahr 2017 veröffentlichte er ein Video, in dem er sich als Muslim und Bote bezeichnete und eine Aktion ankündigte. Die Ermittlungen hätten nun aber gezeigt, dass es der Mann mit seiner angeblichen Konversion zum Islam nicht ernst genommen habe, sagte Omholt.

Kongsberg-Angreifer: Offenbar doch kein Terror-Hintergrund

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann alleine gehandelt hat. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass er mit weiteren Personen im Kontakt gestanden habe, so Omholt weiter. Der Anwalt des mutmaßlichen Täters sagte dem norwegischen Sender TV2, er stimme den vorläufigen Ermittlungsergebnissen der Polizei zu.

Nach Angaben der Polizei stand der Däne im Verlauf mehrerer Jahre immer wieder im Kontakt mit dem Gesundheitsdienst. Zu Details über die psychische Gesundheit des Mannes wollte sich Omholt nicht äußern, um Zeugenaussagen nicht zu beeinflussen, wie er betonte.

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Trotzdem wirft der Fall die Frage auf, warum der Mann von den Behörden nicht stärker ins Visier genommen wurde. Ein Sprecher des Sicherheitsdiensts der Polizei PST sagte dazu, das Video sei nicht als ernsthafte Drohung angesehen worden, weil es sich bei dem Inhalt um unspezifische Bedrohungen gehandelt habe.

Doch der PST hatte bereits im Jahr 2015 Hinweise darauf erhalten, dass der Mann gefährlich sein könnte. Arne Christian Haugstøyl, Leiter der Terrorismusbekämpfung beim PST, sagte der Zeitung „Verdens Gang“, dass man es jedoch für unwahrscheinlich gehalten habe, dass er eine politisch motivierte Gewalttat begehen würde.

Mutmaßlicher Täter sitzt in isolierter U-Haft

Für Zweifel an der Kompetenz der Sicherheitsbehörden sorgte auch, dass die Opfer wohl alle getötet wurden, nachdem die Polizei den Angreifer am Mittwoch erstmals gestellt hatte. Er konnte den Beamten zunächst entkommen und wurde erst rund eine halbe Stunde später festgenommen.

Ein Gericht ordnete am Freitag für den Dänen vier Wochen Untersuchungshaft an. Die ersten zwei Wochen muss er isoliert verbringen. Außerdem verhängte das Gericht ein Besuchs-, Medien- und Briefverbot. Aufgrund seines Gesundheitszustandes sei er aber noch nicht vernehmungsfähig. Er wurde nicht in einem Gefängnis, sondern in einer geschlossen medizinischen Einrichtung untergebracht, wie die Polizei mitteilte. (dpa/tdo)

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