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Wegen Corona-Depression: Mann soll versucht haben, Sohn (14 Monate) totzuschlagen

Ratekau/Sereetz –

Vor dem Landgericht Lübeck muss sich ab Dienstag ein Mann verantworten, der versucht haben soll, seinen 14 Monate alten Sohn zu töten. Bei dem 36-Jährigen soll sich zuvor mit Beginn der Corona-Pandemie eine Anpassungsstörung mit Angst und Depressionen entwickelt haben.

Die Staatsanwaltschaft Lübeck wirft dem Mann versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Demnach habe er am Morgen des 29. April dieses Jahres in der Dorfschaft Sereetz (Gemeinde Ratekau) mit „erheblicher Gewalt“ auf das im Kinderbett liegende und schreiende Kind eingewirkt. Der Junge erlitt Brüche und Einblutungen im Gesicht und verlor das Bewusstsein, überlebte den Angriff jedoch.

Ratekau: Mann attackiert Sohn und verursacht Unfall

Anschließend setzte sich der Vater ins Auto und verursachte auf der A1 in Fahrtrichtung Fehmarn einen Unfall ­– mutmaßlich um sich das Leben zu nehmen, wie es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft heißt. Zunächst war er bei Neustadt im Kreis Ostholstein gegen eine Leitplanke gerast. Dabei hatte sich der Wagen mehrfach überschlagen, der Mann wurde aus dem Auto geschleudert. Einem Ersthelfer soll er gesagt haben, er habe sein Kind umgebracht.

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Danach sprang er über die Leitplanke auf die Gegenfahrbahn und wurde dort angefahren. Auch diesen Unfall überlebte er verletzt. Die Staatsanwaltschaft Lübeck erwirkte im Anschluss an die Tat einen Untersuchungshaftbefehl gegen den Kindsvater, der während seines Aufenthaltes im Krankenhaus durch Beamte der Justizvollzugsanstalt bewacht wurde.

Landgericht Lübeck lädt 18 Zeugen zum Prozess

Nach Informationen der „Lübecker Nachrichten” soll es kurz vor der Tat in der Familie einen Rollentausch gegeben haben. Die Mutter sei wieder zur Arbeit gegangen, der Vater stattdessen zu Hause geblieben. Laut Anklage soll sich bei ihm mit Beginn der Corona-Pandemie eine Anpassungsstörung mit Angst und Depressionen entwickelt haben.

Das Landgericht Lübeck hat fünf Hauptverhandlungstage anberaumt und insgesamt 18 Zeugen geladen, darunter auch eine Sachverständige des Instituts für Rechtsmedizin und eine forensisch psychiatrische Sachverständige. (jek)

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