• Foto: Rebecca S.

Vier Tage Schule und schon in Quarantäne: Eine Schülerin aus Ludwigslust erzählt

Ludwigslust –

Vier Tage Unterricht und schon ist die Schule wieder zu: Schlimmste Befürchtungen von Schülern, Lehrern und Eltern innerhalb der Corona-Pandemie sind nun am Goethe-Gymnasium in Ludwigslust Wirklichkeit geworden. Am vergangenen Freitag musste die Schule dichtmachen, über 200 Schüler wurden in häusliche Quarantäne geschickt. Was bedeutet das für die Betroffenen und welche Sorgen treiben sie um?

Genau vier Tage und eineinhalb Stunden durften sie die Schule besuchen, dann wurden Schüler und Lehrer am Freitag in der ersten Pause durch Schulleiter Ekkehard Detenhoff informiert: „Eine Person an unser Schule hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Alle Schüler verlassen bitte umgehend das Schulgebäude, die Lehrer finden sich im Lehrerzimmer ein.“

Detenhoff habe bereits damit gerechnet, dass es zu einer Schulschließung kommen könnte, auch wenn Ludwigslust von dem Virus bisher weitestgehend verschont geblieben sei. Dennoch sei er schockiert gewesen, wie schnell alles nun gegangen sei.

Schülerin: „Wir machen uns große Sorgen um unser Abitur im nächsten Jahr“

Schließlich wurde am Goethe-Gymnasium bisher strikt auf die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln geachtet. So mussten zum Beispiel überall außerhalb des Unterrichts Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden, die Pausenzeiten wurden leicht gestaffelt und jeder Klassenstufe wurde ein eigener Bereich auf dem Schulhof zugewiesen.

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„Diese Regeln sind natürlich lästig, aber ich war einfach froh, nach so langer Zeit wieder normal  zur Schule gehen zu können“, sagt Rebecca S., die die zwölfte Klasse des Gymnasiums besucht. „Wir haben bisher schon so viel Unterrichtsstoff verpasst beziehungsweise mussten ihn uns selbst erarbeiten, was nicht immer einfach war. Das bereitet uns natürlich vor allem im Hinblick auf das Abitur im nächsten Jahr Sorge und wir fühlen uns nicht entsprechend vorbereitet. Deshalb war es mir so wichtig, jetzt wieder zur Schule gehen zu können.“

Zwei weitere Lehrer infiziert, Kontaktpersonen müssen in Quarantäne

Doch die Freude über den Präsenzunterricht hielt nicht lange an, dann wurden die Schüler wieder nach Hause geschickt. Wenige Stunden nach der Schulschließung versuchte Landrat Stefan Sternberg die Eltern in einem Facebook-Video zu beruhigen. Sie müssten sich „keine Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder machen“ – der Coronafall betreffe eine Lehrerin, die in dieser Woche gar nicht zur Schule gekommen sei und somit keinen Kontakt zu den Schülern hatte.

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Im Rahmen einer schulinternen Fortbildung habe die betroffene Lehrerin allerdings Kontakt zu ihren Kollegen gehabt, die somit als Erstkontakt gelten. Und genau das wurde dem Landrat und der Schule jetzt zum Verhängnis. Denn nachdem am Freitag alle Lehrer auf das Virus getestet worden waren, kam schon einen Tag später die beunruhigende Nachricht, die Sternberg ebenfalls über Facebook mitteilte: „Leider sind zwei weitere Lehrer positiv getestet worden, ihre Kontaktpersonen müssen sich nun in Quarantäne begeben.“

Rebecca: „Das war ein Schock für mich“

Zu besagten Kontaktpersonen gehört neben knapp über 200 anderen Schülern auch Rebecca, denn ihre Englischlehrerin ist infiziert. „Das war natürlich ein Schock, vor allem weil sich diese Lehrerin immer besonders bemüht hat, uns und sich zu schützen. Sie hat sogar im Unterricht die Maske getragen, obwohl sie das gar nicht musste.“

Anschließend hieß es warten, auf den Anruf des Gesundheitsministeriums. „Der kam dann am späten Nachmittag. Mir wurde mitgeteilt, dass ich bis zum 21.August in häuslicher Quarantäne bleiben und mich am Montag auf das Coronavirus testen lassen muss.“

Rebecca befürchtet Nachteile gegenüber ihren Mitschülern

Die Ungewissheit über das Testergebnis sei nun besonders zermürbend für Rebecca. Darüber hinaus sind da immer noch Sorgen, was das Abitur betrifft. So befürchtet die Siebzehnjährige auch Nachteile gegenüber Mitschülern, die nicht in die Quarantäne müssen und weiterhin zur Schule gehen dürfen.

Schulleiter Detenhoff ist jedoch noch zuversichtlich. „Die Lehrer werden die Schüler digital mit Aufgaben versorgen und wenn es bei den zwei Wochen Quarantäne für einige Schüler und Lehrer bleibt, können wir das problemlos abfedern.“ Noch sei er nicht nervös.

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Rebecca hofft vor allem auf einheitliche und faire Lösungen sowie klare Vorabhinweise für das Abitur 2021. Dafür will auch der Direktor sich einsetzen. „Wir brauchen Konkretisierungen und Schwerpunkte, was die Inhalte des Abiturs betrifft. Das haben wir der Bildungsministerin auch so mitgeteilt.“

Auch wenn die Ungewissheit sie sehr beschäftigt, möchte Rebecca die Quarantäne-Zeit so gut es geht nutzen. „Natürlich werde ich die Aufgaben erledigen, die ich von den Lehrern bekomme und weiterhin Selbststudium betreiben. Und ab und zu werde ich sicher auch in den Pool in unserem Garten springen – den darf ich nämlich noch nutzen!“

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