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Schnaufende Bisons: Vor den Toren Hamburgs sieht es aus wie in der Prärie

Essel –

Es ist ein bisschen wie in der nordamerikanischen Prärie: Schnaufend und grunzend fressen sich 50 Bisons durch das Gras. Ab und zu heben sie ihren mächtigen Schädel, dann versenken sie ihre Schnauze wieder zwischen den Halmen. Aber nein, wir befinden uns hier nicht in Nordamerika – sondern in der Lüneburger Heide! Hier, im Aller-Leine-Tal, gibt es einen der größten Bison-Züchter des Landes.

Eigentlich hat die Familie von Jürgen Oltrogge (54) immer Milchkühe gehalten. Doch als sich das immer weniger lohnte, musste der Landwirt aus Essel (Heidekreis) umdenken. „Ein Bekannter erzählte mir von einem Bison-Züchter in Süddeutschland. Ich guckte mir den Betrieb an, arbeitete zwei Tage mit und stellte fest: Ja, das könnte man machen“, sagt er.

Bison

Streicheln kann man die Tiere nicht, dafür sind sie zu scheu. Aber man kann sie angucken. Und manchmal gucken sie auch zurück.

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Florian Quandt

„Bisonfarm Essel“: In der Lüneburger Heide leben 50 Bisons

Zusammen mit einem Tierarzt hat Jürgen Oltrogge im Jahr 2003 die Bison-Zucht gestartet. Aus den anfangs 30 Nordamerikanischen Bisons sind mittlerweile 50 geworden, darunter 7 Kälber. „Sie sind sehr umgänglich und können ganzjährig draußen gehalten werden“, sagt Jürgen Oltrogge. Dass die Bisons nicht zwei Mal im Jahr umziehen müssen, erspart Mensch und Tier jede Menge Stress.

Video: Bio-Metzger fordert Umdenken

Die mächtigen Tiere werden als Zuchttiere verkauft, aber auch ihr Fleisch. Sie sterben auf der Weide beim Fressen – per Kopfschuss. Bison schmeckt wie eine Mischung aus Rind und Wild, das Fleisch ist cholesterin- und fettarm und gut für Allergiker geeignet. Das Kilo Filet kostet 120 Euro. „Bisons brauchen länger als ein Hausrind, um schlachtreif zu werden. Gleichzeitig haben sie nur halb so viel Fleisch“, sagt Jürgen Oltrogge. Besonders beliebt ist die Bison-Salami, auch die Bison-Leberwurst wird gern gekauft.

Fleisch, Schulterblatt, Schädel: Der ganze Bison wird verwertet

Und auch der Rest des Tiers kann verwertet werden: Indianer-Fans sind häufige Kunden der „Bisonfarm Essel“. „Aus dem Hodensack machen sie zum Beispiel Tabakbeutel“, sagt der Züchter. Aus dem Schulterblatt werden Schaufeln, aus dem Leder Trommeln. Auch Felle oder ein Schädel sind erhältlich.

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Jeden Tag fährt Jürgen Oltrogge zu seinen Weiden und guckt, wie es seinen Tieren geht. Ist genügend Wasser in der Tränke? Hat sich ein Tier abgesondert? Das wäre ein Zeichen dafür, dass es ihm nicht gut geht. Auf der Weide sind einige tiefe Kuhlen. „Da wälzen sich die Bisons drin, das ist Fellpflege“, sagt der Züchter.

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Streicheln kann man die Tiere nicht, dafür sind sie zu scheu. Aber man kann sie angucken. Die Bisonfarm bietet Fahrten mit dem Planwagen auf die Weiden an. Mindestumsatz 100 Euro. Infos unter www.bisonfarm-essel.de.

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