Foto von einem Mann
  • Der Tourismuschef Moritz Luft ist seit 16 Jahren der Insel Sylt treu geblieben.
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Tourismus-Chef: Die Sylter sollen weniger meckern!

Moritz Luft (46) ist nun seit 16 Jahren Tourismus-Chef der Insel Sylt. In einem Interview mit der Sylter Rundschau spricht der Zugezogene über das schräge Selbstverständnis einiger Sylter, den neuartigen rauen Ton auf der Insel sowie die mangelnde Veränderungsbereitschaft.

Seit der Pandemie-Zeit hat sich einiges auf der Insel verändert. Nicht nur die Ungewissheit seitens der Tourismusbranche stieg, auch die Organisation vom Urlaub unter Pandemie-Bedingungen stieß auf zeitintensive Herausforderungen, gefolgt von einer großen Nachfragewelle, erzählt Moritz Luft.

Was sich auch geändert hat, ist der Blickwinkel der Insulaner:innen auf ihre eigene Heimat, Sylt. Während der Corona-Pandemie hatten sie die Insel nur für sich, ganz exklusiv. Diese Exklusivität scheint ein schönes Heimatgefühl zu sein, allerdings bemerkt Moritz Luft, dass der Wunsch nach dauerhaft weniger Gästen seitens der Insulaner:innen gewachsen ist. Dabei sei die Insel weiterhin von ihren Gästen abhängig.

Strand mit Strandkörben
Sylt wird nun auch in der Nebensaison immer attraktiver für Urlauber:innen.

Auf Sylt: „Der Ton ist rauer geworden“

Der Tourismuschef spürt ein anderes Miteinander auf der Insel. „Der Ton ist rauer geworden. Ich glaube, dass wir Insulaner uns wieder stärker auf Toleranz, Einsicht und eine angemessene Kommunikation besinnen sollten“, so Moritz Luft. Die gedrückte Stimmung sei der Corona-Pandemie verschuldet. Neben den dauerhaft negativen Nachrichten, litt die Tourismusbranche auch finanziell unter den Folgen der Pandemie.

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Moritz Luft erwähnt auch Veränderungen im Reiseverhalten der Tourist:innen. Diese reisen zwar häufiger, jedoch verkürzt sich ihre Aufenthaltsdauer. Eine negative Folge bezüglich dessen bemerkt Moritz Luft noch nicht auf der Insel. Allerdings habe sich die bevorzugte Unterkunftsmöglichkeit verändert. Tourist:innen bevorzugen demnach weniger private Unterkünfte, sondern ziehen Hotels vor. Dies hat zum einen die Folge, dass durch die Beherbergung von Wellness-Hotels Sylt für die Nebensaison interessant wird, zum anderen führe es zwangsläufig zur Verschärfung der Mitarbeiter:innensuche und einem Wohnraumproblem, betont Moritz Luft.

Schräges Selbstverständnis der Insulaner:innen

Die Frage danach, wem die Insel eigentlich gehört und wer das Recht hat hier zu wohnen, verwundert Moritz Luft: „Ich persönlich finde es manchmal ganz schön schräg, mit welchem Selbstverständnis beispielsweise manch Sylter für sich andere Rechte einfordert.” Vielmehr führe das Kastendenken zu kontroversen Diskussionen, welche den Tourismuschef zum Schmunzeln bringen: „Es gibt dann ‚die Naturschützer‘, ‚die Touristiker‘, ‚die Einheimischen‘, ‚die Gäste‘ – je nachdem, wie es gerade passt. Dabei sind wir eigentlich alle alles – zumindest empfinde ich mich so.“

Imagewechsel der Insel der „Schönen und Reichen“

Ob nun Sylt zur „Öko-Insel” wird, schließt Moritz Luft nicht aus: „Das heißt, sie kann solch radikalen Imagewechsel nur dann mit herbeiführen, wenn auch alle Gastgeber entsprechende Vorarbeit leisten. Nichtsdestotrotz werden wir uns im Bereich Klimaschutz weitaus mehr ausrichten müssen.” Moritz Luft appelliert hier an die Veränderungsbereitschaft der Inselbesucher:innen sowie -bewohner:innen.

Sylts Image als die Insel der „Schönen und Reichen” hat Moritz Luft schon immer genervt: „Sylt hat ein derart vielfältiges und tolles Angebot, dass die unterschiedlichsten Aufenthaltsmotive und damit Gäste angesprochen werden. Insgesamt lebt die Insel eher von der bürgerlichen Mitte und weniger von den vermeintlich Schönen und Reichen.“

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