Zur Produktion von grünem Wasserstoff auf hoher See planen die Insel Helgoland und ein Firmenkonsortium in der Nordsee bis 2035 zehn Gigawatt Offshore-Windanlagen. 
  • Zur Produktion von grünem Wasserstoff auf hoher See planen die Insel Helgoland und ein Firmenkonsortium in der Nordsee bis 2035 zehn Gigawatt Offshore-Windanlagen. 
  • Foto: picture alliance/dpa/AquaVentus Förderverein 12/2020

Gigantisches Wasserstoff-Projekt: Diese Nordsee-Insel wird zu einem Kraftwerk!

Helgoland –

In den letzten Tagen war es, wie so oft, stürmisch im Norden – auch auf den Nordseeinseln peitschten die Wellen ans Ufer. Genau dieses Wetter ist ideal für das gigantische Wasserstoffprojekt „Aquaventus“, das der Helgoländer Bürgermeister Jörg Singer zusammen mit mehreren Unternehmen auf die Beine stellen will. Der Plan: die Produktion von bis zu einer Millionen Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr. Im Gespräch mit der MOPO erklärt er, wie die Umsetzung des Projekts aussehen kann.

Konkret geht es bei dem Projekt darum, langfristig von den „alten“ Energiequellen wegzukommen, wie Öl zum Beispiel – mit Wasserstoff, der auf hoher See mit Hightech-Turbinen hergestellt werden soll.

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Der Bürgermeister der Insel Helgoland, Jörg Singer

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Laut Plan sollen die ersten beiden Pilotanlagen im Jahre 2025 nördlich vor der Insel Helgoland entstehen. Dabei produzieren diese dann keinen „klassischen“ Strom, sondern 3500 Tonnen „grünen Wasserstoff“. Ende 2035 sollen viele weitere dazukommen und am Ende bis zu einer Million Tonnen produzieren.

Im Norden: „Haben die Probleme der Energiewende benannt“

„Ich bin jetzt schon mehrere Jahre Bürgermeister auf der Insel Helgoland. Schon lange versuchen wir, Grün zu werden. Letztendlich haben wir die großen Probleme der Energiewende benannt: die Speicherung und der Transport“, sagt Singer. Strom komme eben nicht leicht in den Süden Deutschlands und zu den jeweiligen Endkunden.

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Neben den zwei Pilotanlagen, sollen in den nächsten Jahren viele weitere an das Netz angeschlossen werden. Das Ziel: Die Produktion von bis zu einer Million Tonnen grünem Wasserstoff.

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„Deshalb ist er teuer. Wir haben daher das Grundproblem mal groß gedacht: Wenn wir es hinbekommen, die Energie transportfähig zu machen, sind wir auch gegenüber der traditionellen ‚braunen Energie‘ wettbewerbsfähig.“

Die Idee dahinter: eine 50 Kilometer lange Pipeline ans Festland an ein bestehendes Netz anzuschließen. „Wir haben ja schon viele Pipelines zwischen NRW und dem Norden. Wir müssen eigentlich nur eine Verbindung schaffen.“

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Im Hafen soll der Wasserstoff aus den Pipelines in einem Trägeröl namens LOHC gespeichert und anschließend verschifft werden. 

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picture alliance/dpa/AquaVentus Förderverein 12/2020

Doch zuvor sollen die Pipelines unter den Anlagen das Gas erst einmal nur nach Helgoland bringen. Von da aus soll es im Hafen in ein Trägeröl namens LOHC gespeichert und anschließend verschifft werden.

Die Wärme, die bei dem Prozess frei wird, könnten die Insulaner nutzen, um ihre Häuser zu heizen – und noch mehr soll mit den großen Wärmemengen möglich sein.

Im Norden: „Aquaventus-Projekt“ hat viele große Partner

Das gute sei laut Singer, dass niemand das Produkt „Wasserstoff“ in Frage stelle. Warum auch? Laut des Bürgermeisters gebe es rund um die Insel genug Energie, um unter anderem den Hamburger Hafen zu versorgen. „Warum soll man also Wasserstoff aus anderen Länder importieren, wenn wir ihn auch hier haben?“

Dieser Gedanke hat auch viele große Player aus der Energiebranche angezogen, die auf den Zug aufgesprungen sind, wie RWE Renewables, Shell, Gascade oder Siemens. „Die Unternehmen stellen Mitarbeiter, die sich dem Projekt annehmen. Etwa 250 sind dort involviert.“

Helgoland: Der Bürgermeister hat ein klares Ziel

Die Vision wird schnell klar: Weg von der schädlichen Co2-Erzeugung – hin zur sauberen Energie. „Es gibt noch viele offene Fragen, auch im Hinblick auf Genehmigungen, oder Anpassungen beim Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG). Die Bundesregierung muss das natürlich auch wollen und sich im besten Falle klar positionieren und es bis zur Marktreife unterstützen.“ Es gehe eben auch um Fördergelder. 

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Der Wunsch des Bürgermeisters ist jedenfalls, dass diese Anlagen irgendwann auch an anderen Häfen eingesetzt werden. Doch zunächst denkt er an die nächste Etappe: „Unser erstes Ziel ist es, dass aus unserer Vision im nächsten Jahr ein klarer Plan wird, der zeigt, wo es hingeht. Dann kann nach der Utopie im letzten Jahr und der diesjährigen Vision im nächsten Jahr die Umsetzung beginnen.

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