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Trümmerteile liegen an einer Absturzstelle auf dem Luftwaffenstützpunkt Hohn. Beim Absturz eines zivilen Learjets starben zwei Menschen. (Archivbild)
  • Trümmerteile liegen an einer Absturzstelle auf dem Luftwaffenstützpunkt Hohn. Beim Absturz eines zivilen Learjets starben zwei Menschen. (Archivbild)
  • Foto: dpa | Markus Scholz

Flugzeugabsturz bei Rendsburg: Sie riefen noch „Fuck“ – und hatten keine Chance

Zwei erfahrene Piloten sind im Mai in Hohn (Kreis Rendsburg-Eckernförde) beim Absturz eines Learjets ums Leben gekommen. Das Flugzeug stürzte in der Startphase des Trainingsflugs ab und explodierte auf einem Stützpunkt der Luftwaffe. Nun, drei Monate nach dem Unglück, liegen neue Erkenntnisse zum Unfallhergang vor.

Nach dem Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) zum Unfallhergang dauerte es am 15. Mai weniger als eine halbe Minute vom Start bis zum tödlichen Ende des Fluges.

Nach dem Einleiten eines simulierten Triebwerkausfalls im Anfangssteigflug drehte sich das Flugzeug unter anderem um die Längsachse, verlor Flughöhe und Geschwindigkeit und prallte mit hoher Energie neben dem Ende der Piste auf.

Flugzeugabsturz in Hohn: Behörde veröffentlicht Bericht

Für ihren Bericht haben die Ermittler von der BFU (Sitz in Braunschweig) unter anderem die Aufzeichnungen des Flugdatenschreibers und des Cockpit Voice Recorders (CVR) ausgewertet und Zeugen befragt. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten“ berichtet. Warum es zu dem Unglück kam, wird weiter untersucht.

Zeugen sahen den Angaben zufolge, wie das Flugzeug im Anfangssteigflug eine Art gerissene Rolle machte und dann am Ende der Piste steil herunterfiel. Beim Aufprall sei es zu einem explosionsartigen Feuerball gekommen. Beide Piloten starben.

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„Laut Obduktionsergebnis verstarben beide Piloten an einem Polytrauma mit massiver stumpfer Gewalteinwirkung“, wie die Bundesstelle in dem Zwischenbericht schreibt. Hinweise auf körperliche Einschränkungen, die das Führen eines Luftfahrzeugs hätten beeinträchtigen können, gebe es nicht. Beide Piloten waren erfahren.

Der zweistrahlige Learjet sollte von Hohn aus zu einem Trainingseinsatz mit Fluglotsen der deutschen Luftwaffe in Norddeutschland starten. Gegen 12.47 Uhr erhielt das Flugzeug die Startfreigabe, um 12.47 Uhr und 34 Sekunden hob der Learjet ab und ging in einen Steigflug über. Um 12.47 Uhr und 39 Sekunden wurde der Ausfall des rechten Triebwerks simuliert, wie aus den CVR-Aufzeichnungen hervorgeht. Das linke Triebwerk lief demnach konstant weiter.

Absturz bei Rendsburg: Piloten konnten Crash nicht überleben

Fünf Sekunden später kam die Anweisung des 62-jährigen Piloten an den anderen Piloten (58), das Triebwerk wieder anzuschalten. Dieser reagierte mit „Jawohl“, nahezu zeitgleich sagte der 62-Jährige den Aufzeichungen zufolge leise „Oh shit“, wie die Bundesstelle weiter mitteilte. Weitere Aussprüche wie „Fuck“ und „Shit“ folgen. Die letzte CVR-Aufzeichnung war um 12.47 Uhr und 55 Sekunden zu hören: Die vom Flugzeug generierte Fahrwerkswarnung „Too low“.

Obwohl erste Einsatzkräfte mit zwei Löschfahrzeugen wenige Minuten nach dem Absturz an der Unglücksstelle waren, hatten die beiden Piloten laut Zwischenbericht keine Chance: „Aufgrund der hohen Aufschlagsenergie, der Zerstörung der Rumpfzellenstruktur sowie des unmittelbar einsetzenden Brandes ist der Flugunfall nicht überlebbar gewesen.“ (dpa/mp)

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