Die 15-jährige Carla beginnt als erste Patientin in Deutschland eine Therapie gegen die Erdnuss-Allergie.
  • Die 15-jährige Carla beginnt als erste Patientin in Deutschland eine Therapie gegen die Erdnuss-Allergie.
  • Foto: Klinikum Itzehoe

Dieses Mädchen ist die Hoffnung tausender Menschen

Ohne Nachdenken zur angebotenen Schokolade greifen oder in der Bäckerei spontan einen Kuchen aussuchen: Für Menschen mit Erdnuss-Allergie undenkbar; diese kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Doch Hoffnung ist in Sicht: Das Klinikum Itzehoe startet jetzt die erste Behandlung deutschlandweit mit einem neuen Medikament – allerdings nur für eine bestimmte Gruppe.

Es trägt den Namen „Palforzia“ und ist für Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren zugelassen. Als erste Patientin bundesweit beginnt die 15-jährige Carla ihre Therapie damit jetzt im Klinikum Itzehoe. Sie leidet, wie etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Kinder in Deutschland, unter einer Erdnuss-Allergie.

Itzehoe: Erste Behandlung mit neuem Erdnuss–Allergie-Medikament

„Wenn ich etwas kaufe, muss ich immer genau draufsehen“, erklärt Carla. Denn schon kleinste Mengen des Erdnussproteins können für die 15-Jährige fatale Folgen haben: „Mein Mund fängt an zu jucken, aber es ist nicht so ein normales Jucken, sondern brennend und drückend“, sagt sie. „Dann merke ich, dass das Gesicht und die Haut rot werden. Das Gesicht schwillt an, ich bekomme Ausschlag am Rücken und an den Armen.“ Greift sie dann nicht zur Notfallmedizin, folgt Atemnot. Schlimmstenfalls kann ein sogenannter „anaphylaktischer Schock“ tödlich enden.

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Die Gefahr lauert überall: Selbst wenn keine Erdnüsse enthalten sind, kommt das Erdnussprotein in vielen Süßigkeiten, Backwaren oder Fertiggerichten vor, weil es durch Produktions- und Verpackungsanlagen übertragen wird. „Ich habe Angst, auch nur in die Nähe von Erdnüssen zu kommen“, beschreibt Carla ihre Situation.

Klinik Itzehoe: So wirkt das Medikament gegen Erdnüsse

Das Medikament, das über drei Jahre lang genommen werden muss, soll den Betroffenen helfen, kleine Mengen von Erdnussprotein aufzunehmen. „Geheilt ist man dann nicht, aber es können ohne Sorge Lebensmittel verspeist werden, die Spuren von Erdnüssen enthalten“, sagt die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Nicola Orlowski. Sie beaufsichtigt die erste Test-Patientin in Itzehoe.

"Kann Spuren von Erdnüssen enthalten…" – die meisten Menschen lesen auf Lebensmittel-Verpackungen über diesen Hinweis…

Posted by Klinikum Itzehoe on Tuesday, November 2, 2021

„Das Medikament ist nur für reine Erdnuss-Allergiker geeignet. Die Diagnose muss ein Allergologe oder ein allergologisch versierter Arzt gestellt haben“, so Orlowski. Außerdem kommt hinzu: „Der Patient muss Disziplin aufbringen“, denn die Therapie sei in den ersten Monaten sehr aufwendig.

Erdnuss-Allergie: Klinik Itzehoe sucht weitere Patienten

Das Klinikum sucht jetzt weitere Freiwillige: „Wenn der behandelnde Arzt oder die Eltern Kontakt mit mir aufgenommen haben, schauen wir, ob es von allen Seiten passt“, sagt die Ärztin. Wenn ja, wird der Patient zunächst zum Eindosieren für einen Tag stationär aufgenommen. Danach muss er im ersten halben Jahr alle 14 Tage ins Klinikum kommen. Das Pulver wird abends eingenommen.


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„Die Patienten kommen nachmittags nach der Schule und bleiben, bis sie am nächsten Morgen wieder zur Schule gehen“, sagt Orlowski. Die Beaufsichtigung sei wichtig, „schließlich geben wir mit dem Medikament ja das, worauf der Patient hoch allergisch reagiert.“ Es könne auch passieren, dass die Therapie abgebrochen werden müsse. (aba)

Ärzte oder Patienten-Eltern, die sich über die Therapie informieren wollen, wenden sich an die Kinderklinik unter Tel. 04821 772-1016.

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