Ostern an der Ostsee? Die Gemeinden ziehen einen allgemeinen Tourismuskodex in Betracht. Viele kleinere Orte, die vom Tagestourismus leben, wollen sich dem nicht unterordnen. (Symbolbild)
  • Ostern an der Ostsee? Die Gemeinden ziehen einen allgemeinen Tourismuskodex in Betracht. Viele kleinere Orte, die vom Tagestourismus leben, wollen sich dem nicht unterordnen. (Symbolbild)
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Ostsee-Plan für den Sommer: Kommt ein Strandverbot für Hamburger Tagesgäste?

Während der Lockdown andauert, planen viele Menschen ihren Urlaub. Ostern ist nicht mehr weit und es dürfte zum ersten Mal in diesem Jahr voll werden an der Küste zwischen Travemünde und Fehmarn. Viele Tourismus-Experten fordern für die Saison 2021 ein Konzept, um Besucherströme besser zu lenken und Menschenansammlungen in Corona-Zeiten zu vermeiden.

Die Orte an der Ostsee in Ostholstein wollen 2021 mit einer Stimme sprechen. Urlauber sollen möglichst nicht verunsichert werden. Diskussionen gibt es über den Tagestourismus für den kommenden Corona Sommer. 

Nur noch mit Ostholsteiner Kennzeichen?

Die Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) hat sich in einem Gespräch mit den „Lübecker Nachrichten“ für einheitliche Regeln ausgesprochen und angeregt, an Wochenenden nur Personen mit einer gebuchten Unterkunft sowie Ostholsteiner in die Küstenorte zu lassen. Tagesgäste wären demnach ausschließlich unter der Woche willkommen.

Sierksdorfer Bürgermeister Udo Gosch (SPD) stimmt Bettina Schäfer zu. Er findet die Idee sinnvoll, um Abstandsregeln konsequent einhalten zu können. „Jedoch stellt sich die Frage, wer ein mögliches Einreiseverbot kontrolliert und wie es durchgesetzt werden soll. Dies ist meines Erachtens von einer so kleinen Gemeinde wie Sierksdorf nicht zu leisten“, meint er.

Einheitliche Kommunikation unter den Gemeinden

Der Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT) ist derweil zu der Erkenntnis gekommen: Die Orte an der Küste müssen mit gemeinsamer Stimme sprechen, um eine Verunsicherung der Gäste zu vermeiden. Sie sind dabei einen Tourismuskodex zu entwickeln, mit dem der Urlaub an der Ostsee möglich ist. Ziel ist es, dass sich die Gemeinden und Tourismusakteure regelmäßig untereinander austauschen.

„Ein begleitendes Kommunikationskonzept stellt sicher, dass die Gäste und Einheimischen möglichst zeitnah und widerspruchsfrei informiert werden“, erläuterte die Geschäftsführerin Katja Lauritzen den Lübecker Nachrichten. „Hierbei handelt es sich um ein freiwilliges Angebot. Gleichwohl hoffen wir, dass dadurch Alleingänge einzelner Akteure vermieden werden. Diese führen eher zur Verunsicherung aller Beteiligten und bieten unseren Gästen keinen echten Mehrwert.“

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Das wünscht sich auch Fehmarns Tourismuschef Oliver Behncke – „damit unsere Gäste klare Entscheidungskriterien für die verschiedenen Urlaubsziele an der deutschen Ostsee haben“. Auch politische Entscheidungsträger wie die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind gefragt.

2020 hatten die beiden Bundesländer immer wieder unterschiedliche Regeln aufgestellt. In Mecklenburg-Vorpommern war es nicht nur im Sommer verboten, als Tagestourist einzureisen, sondern ist es auch aktuell wieder.

Kein Tagestourismus? Keine Chance!

Einzelne Orte, so wie Dahme, möchten sich jedoch nicht immer dem einheitlichen Tourismuskodex unterstellen. Das liege unter anderem an der unterschiedlichen Erreichbarkeit der Orte: „Bei allen Bedenken, die mittlerweile über Tagesgäste geäußert werden, ist es wichtig zu berücksichtigen, dass die einzelnen Destinationen unterschiedlichen Zulauf haben. Seit einiger Zeit stellt sich Dahme Stück für Stück neu auf, und wir freuen uns über einen wachsenden Tagesgasttourismus“, sagt Ulrike Dallmann, Werkleiterin vom Tourismus-Service.

Auch Ubbo Voss, der Geschäftsführer von Großenbrode Tourismus, und Oliver Behncke, Tourismusdirektor von Fehmarn sprechen sich dagegen aus: „Unabhängig davon, wie man dieses mit dem vorhandenen Personal wie so viele andere Reglementierungen kontrollieren soll, tragen Tagesgäste wie auch Zweitwohnungsbesitzer maßgeblich zu touristischen Umsätzen bei, die unser Einzelhandel und die Gastronomie sehr dringend benötigen.“, so Behncke.

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Vom Kreis Ostholstein heißt es erstmal: „Es sind auch die jeweiligen örtlichen Begebenheiten zu berücksichtigen und auf Gemeindeebene entsprechende Regelungen zu treffen“, so Sprecherin Carina Leonhardt.

Sie betont, dass eine Einschränkung des Tagestourismus vonseiten des Kreises nicht angedacht sei und das Land 2020 Wert darauf gelegt habe, den Zugang zu den Orten nicht nach Autokennzeichen oder Bundeslandzugehörigkeiten einzugrenzen. Dabei werde es voraussichtlich auch 2021 bleiben. (ln/mp)

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