Ein Eisbär schüttelt im Zoo Hannover Wasser aus seinem Fell. (Archivbild)
  • Ein Eisbär schüttelt im Zoo Hannover Wasser aus seinem Fell. (Archivbild)
  • Foto: Julian Stratenschulte/dpa

So hart trifft die Energiekrise die Zoos im Norden

Beheizte Gehege, energieintensive Wasserfilter – die Tiere in den Zoos müssen artgerecht gehalten werden. Das kostet viel Strom. Und damit auch viel Geld bei steigenden Energiepreisen. An vielen Stellen wird gespart, dennoch blicken die meisten Zoos in Niedersachsen und Bremen mit großer Sorge in die Zukunft, wie eine Umfrage ergab.

Seit Jahren setze der Erlebnis-Zoo Hannover auf nachhaltiges Arbeiten, das sei in den Leitsätzen verankert, sagte Sprecherin Simone Hagenmeyer. Dazu zähle: Energie sparen, nach immer neuen Wegen suchen, den Verbrauch von Ressourcen zu verringern, und die Energieeffizienz mittels automatisierter Steuerung zu steigern. Lüftungsanlagen werden demnach temperaturabhängig automatisiert ein- und ausgeschaltet, die Pumpleistung bei der Wasserfiltration der Tierbecken wird reduziert – bei gleichbleibend hoher Wasserqualität. Beleuchtet wird der Zoo von stromsparenden LED-Leuchten.

Zoo Hannover: „Tierwohl steht an oberster Stelle“

Für das Gemeinschaftshaus der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellt der Zoo 21 Prozent seines Strombedarfs über eine Photovoltaikanlage selbst her. Die Temperatur in den Tierhäusern wiederum könne nicht weiter reduziert werden, sagte Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff: „Das Tierwohl steht an oberster Stelle.“ Viele Tiere stammten aus warmen Klimazonen und benötigten ihre Wohlfühltemperatur. Tiere abzugeben komme für den Zoo nicht in Frage.

Doch mit Blick auf die Entwicklung der Strompreise werde alles noch einmal auf mögliche Sparmaßnahmen überprüft. So solle es temporäre Einschränkungen geben – beispielsweise werde überlegt, die Wellenanlage der Kanada-Themenlandschaft Yukon Bay nur noch gelegentlich zur Beschäftigung etwa der Eisbären laufen zu lassen.

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Auch der Zoo am Meer in Bremerhaven benötigt für seine Anlagen viel Energie. „Um Tiere wie Eisbären, drei Robbenarten und Pinguine artgerecht halten zu können, haben wir große Wasseranlagen mit Salzwasser, das permanent gefiltert werden muss“, erklärte Direktorin Heike Kück. Dies sei erforderlich, um die notwendige hohe Wasserqualität aufrecht zu erhalten. „Die Wasseraufbereitungsanlage hat einen sehr hohen Strombedarf, was uns in Anbetracht der sehr deutlichen Strompreiserhöhungen natürlich sorgenvoll in die Zukunft schauen lässt“, betonte Kück. Hier stehe der Zoo in engem Kontakt mit der Stadt Bremerhaven.

Humboldtpinguin-Küken im Zoo am Meer in Bremerhaven. (Archivbild)
Humboldtpinguin-Küken im Zoo am Meer in Bremerhaven. (Archivbild)

Der Strombedarf werde reduziert, wo immer es gehe. So sei schon im August die Zoo-Außenbeleuchtung komplett abgeschaltet worden, alle Lampen würden derzeit auf LED umgestellt. Tiere abgeben, um Energiekosten zu sparen, will der Zoo aber nicht. Zootiere ließen sich zudem nicht so einfach abgeben, schließlich müssten ganze Gruppen an andere Zoos vermittelt und dann die Wasseranlage stillgelegt werden. Das alles würde Wochen und Monate dauern und letztendlich den Fortbestand des Zoos am Meer in Frage stellen, meinte Kück.

Zoo Osnabrück: Finanzlage von Besuchenden abhängig

Der Zoo Osnabrück hat schon eine Reihe von Energiesparmaßnahmen umgesetzt – und sucht derzeit nach weiteren Einsparoptionen. „Nur, wenn die Besucher weiter so zahlreich kommen und unsere Sponsoren uns die Treue halten, können wir diese Situation überstehen“, sagte Sprecherin Hanna Räckers. Die größte Sorge sei die Ungewissheit, wie sich die Lage langfristig weiter entwickeln werde. „Wir erhalten im Gegensatz zu den meisten anderen Zoos kaum kommunale Zuschüsse, weshalb wir stark von diesen Einnahmen abhängig sind“, erklärte Räckers. In diesem Jahr habe der Zoo einen Besucherrekord verzeichnet, die Einnahmen stiegen um rund 25 Prozent.

Der Tierpark Bad Pyrmont sieht derzeit keine existenziellen Schwierigkeiten. „Wir können die höheren Energiepreise gut auffangen“, sagte Tierpark-Leiter Linus Kampe. Er denke nicht darüber nach, Tiere abzugeben, das habe nie zur Diskussion gestanden. Momentan sehe er die Zukunft positiv. (dpa/mp)

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