Christian Lindner (FDP, l-r), Bundesfinanzminister, Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Siemtje Möller, SPD besuchen das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven.
Christian Lindner (FDP, l-r), Bundesfinanzminister, Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Siemtje Möller, SPD besuchen das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven.
  • Christian Lindner (FDP, l-r), Bundesfinanzminister, Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Siemtje Möller, SPD besuchen das Spezialschiff „Höegh Esperanza“ während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven.
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Scholz eröffnet erstes LNG-Terminal – und wird pathetisch

Nach nur knapp zehn Monaten Planungs- und Bauzeit ist das erste deutsche Terminal für den Import von Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven eröffnet worden. Mehrere Politiker nahmen an der Einweihungsfeier teil – darunter auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

„Das ist jetzt das neue Deutschland-Tempo, mit dem wir Infrastruktur voranbringen und es soll Vorbild sein, nicht nur für diese Anlage, sondern noch für viele, viele andere“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am Samstag bei der Einweihungsfeier. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nahmen ebenfalls teil.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) spricht während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven. picture alliance/dpa/AFP POOL | Focke Strangmann
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) spricht während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven.
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) spricht während der Eröffnung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven.

Das schwimmende Terminal vor der niedersächsischen Nordseeküste soll dazu beitragen, die durch ausbleibende Lieferungen aus Russland entstandene Lücke bei der Gasversorgung Deutschlands zu schließen. Herzstück ist das fast 300 Meter lange Spezialschiff „Höegh Esperanza“, das künftig das von Tankschiffen angelieferte verflüssigte Erdgas in den gasförmigen Zustand umwandeln und in das deutsche Gasnetz einspeisen soll.

Es machte bereits am Donnerstag beladen mit LNG am Anleger fest. Eröffnet wurde das Terminal vom Ausflugsschiff „Helgoland“ aus. Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung nahmen an dem Festakt auf dem Schiff teil. Die Inbetriebnahme ist laut Betreiber, dem Gasimporteur Uniper, für kommenden Donnerstag (22. Dezember) geplant.

Terminal sei wichtiger Beitrag für unsere Sicherheit

Für die schnelle Realisierung der Industrieanlage dankte der Bundeskanzler Arbeitern, Ingenieuren, Unternehmen und Behörden. Das Terminal sei ein „ganz, ganz wichtiger Beitrag für unsere Sicherheit“. Die Bundesregierung habe nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine schnell entschieden, eine LNG-Terminal-Infrastruktur aufzubauen, um die Energieversorgung unabhängig von dem Pipeline-Gas aus Russland zu machen, erinnerte Scholz an seine „Zeitenwende“-Rede nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Deutschland übernehme mit dem Aufbau einer Infrastruktur für LNG-Terminals auch Verantwortung für europäische Nachbarn ohne Küsten, sagte Scholz. „Dieses Flüssiggas-Terminal ist somit auch ein Symbol europäischer Solidarität.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Christian Lindner (FDP, hinten). picture alliance/dpa/Sina Schuldt
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Christian Lindner (FDP, hinten).
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit Christian Lindner (FDP, hinten).

Insgesamt wurden im Auftrag der Bundesregierung fünf solcher schwimmenden Terminals gechartert. Neben Wilhelmshaven sollen sie in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein), Stade (Niedersachsen) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) zum Einsatz kommen – zusätzlich ist noch ein weiteres, privates Terminal in Lubmin geplant. Die Terminals können nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums zusammen ein Drittel der für die Versorgung Deutschlands benötigten Erdgasmenge aufnehmen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, die Eröffnung des Terminals sei ein „ermutigendes Zeichen“ zum Ende eines schwierigen Jahres. Wer vor einem Jahr gesagt hätte, Deutschland werde „ruckzuck unabhängig von russischem Erdgas“, wäre ausgelacht worden, sagte der SPD-Politiker.

Unabhängigkeit soll vorangebracht werden

„Tatsächlich gehört es zu den großen politischen Leistungen, dass genau das gelungen ist. Dass die leeren Speicher gefüllt worden sind und dass wir heute mit der Eröffnung des ersten LNG-Terminals hier in Deutschland zeigen, wie wir auch weiter Unabhängigkeit voranbringen“.

Noch wird die Anlandung von verflüssigtem Erdgas in Wilhelmshaven kaum benötigt, auch wenn das Winterwetter in den deutschen Gasspeichern weiter für sinkende Füllstände sorgt. Am Freitagmorgen waren sie laut europäischem Gasspeicherverband GIE zu 89,2 Prozent gefüllt. Das war rund ein Prozentpunkt weniger als am Vortag.

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Bei Umwelt- und Klimaschützern sorgt das Terminal für viel Kritik. „Es reden jetzt alle von einer neuen Deutschlandgeschwindigkeit, was solche fossilen Infrastrukturprojekte angeht. Diese Deutschlandgeschwindigkeit hätten wir sehr gerne für den Ausstieg aus fossilen Energien genutzt“, sagte Imke Zwoch, Mitglied im BUND-Landesvorstand in Niedersachsen.

Gegenwind von Aktivisten und Organisationen

„Es ist eigentlich nichts zu feiern.“ Vor der Veranstaltung demonstrierten etwa ein Dutzend Aktivisten der Gruppe Ende Gelände für eine grundsätzliche Abkehr von den fossilen Energien. Die Deutsche Umwelthilfe will weitere rechtliche Schritte einleiten, um eine Befristung des Betriebs zu erreichen. Eine erste Klage läuft bereits.

Menschen demonstrieren auf der Zufahrt zum Flüssiggas-Terminal. picture alliance/dpa/Sina Schuldt
Menschen demonstrieren auf der Zufahrt zum Flüssiggas-Terminal.
Menschen demonstrieren auf der Zufahrt zum Flüssiggas-Terminal.

Vor allem an der Einleitung von mit Bioziden behandelten Abwässern an dem Spezialschiff „Höegh Esperanza“ entzündet sich bei Fischern, Anwohnern und Umweltschützern in Wilhelmshaven Kritik. Zwoch sagte, alle anderen Spezialschiffe, die für den Umschlag von LNG in Deutschland zum Einsatz kommen sollen, kämen ohne den Einsatz von Bioziden wie Chlor aus. „Wir können nicht verstehen, warum man dieses halbe Jahr nicht genutzt hat, um das Schiff entsprechend umzurüsten.“

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Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) entgegnete bei der Eröffnungsfeier, dass alle Grenzwerte eingehalten worden seien. „Wir haben keinen Umweltrabatt gegeben.“ (dpa)

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