Wilken Grube (19) in God's Own Junkyard, in London. Wegen der Corona-Pandemie musste er eine Stoffmaske tragen.
  • Wilken Grube (19) in God's Own Junkyard, in London. Wegen der Corona-Pandemie musste er eine Stoffmaske tragen.
  • Foto: Wilken Grube

Kostenlos durch Europa: Die Politik entdeckt Interrail für sich

Mit einem kostenlosen Zugticket Europa entdecken? Klingt nicht verkehrt. Zwei Parteien, nämlich die CDU und die Grünen, sehen das genauso. Wilken Grube (19) aus Niedersachsen schildert seine Erfahrungen und erzählt, warum sich ein Ticket lohnt.

Eine Woche lang verbrachte Wilken Grube in Rom. Tagsüber bewunderte er unter anderem das Kolosseum, den Petersdom und das Pantheon. Abends traf er seine Freunde, die ihm die nicht-touristische Seite der Stadt zeigten. „Wir saßen im Circus Maximus und tranken Bier“, erinnert sich der 19-Jährige aus Verden und zieht das Fazit „es ist einfach schön, Europa zu sehen“.


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Interrail ist ein Zugticket, mit dem Reisende innerhalb eines Monats sieben Tage lang 33 Europäische Länder entdecken können. „Fahre an jedem deiner sieben Reisetage von Mitternacht bis Mitternacht mit so vielen Zügen, wie du möchtest“, ist auf der Webseite Interrail.eu zu lesen.  

Obwohl das Ticket für alle Altersgruppen gedacht ist und diverse Angebote online zu finden sind, gibt es seit 2018 die Initiative der Europäischen Union „DiscoverEU“, bei der 18-Jährige ein kostenloses Ticket gewinnen können. Allein zwischen 2018 und 2019 wurden 70.000 Pässe verteilt. Laut einer Grafik von „DiscoverEU“ gab es insgesamt schon 10.000 Gewinner aus Deutschland. Darunter auch Wilken Grube.

„Die beste Erfahrung habe ich in Rom gemacht“, erzählt Wilken Grube (19), der ein kostenloses Interrail-Ticket durch die Initiative „DiscoverEU“ gewonnen hat.
Wilken Grube (19) fuhr mit Interrail-Ticket nach Rom.

Interrail während der Corona-Pandemie: Geht das?  

Sein Zug ist von der kleinen Stadt Verden (Aller) in Niedersachen losgefahren. Am Anfang war alles entspannt. Doch als der damals 18-jährige Wilken Grube in München ausstieg und den Zug wechselte, dachte er sich: „Will ich die Reise jetzt wirklich alleine durchziehen? Und zwar im Corona-Jahr?“

Diese Unsicherheit allerdings verließ ihn in Rom, als er dort seine Freunde traf und merkte, dass es letztendlich doch nicht so schlimm sei. Seine Reise brachte ihn nach Italien, Frankreich und schließlich Großbritannien. Ursprünglich wollte er nach Spanien fahren, dann hätte er allerdings nach seiner Rückreise zwei Wochen in Quarantäne verbringen müssen. Also ging es doch in Richtung London. „Es war ganz schön, alleine zu fahren. Man entscheidet alleine, was man macht und muss sich mit keinem abstimmen“, so Grube.

Wilken Grube (19) ist mit dem Zug von Bremen bis Rom gefahren. Dieses Foto machte er vom Zug in der Nähe vom Brennerpass.
Wilken Grube (19) ist mit dem Zug von Bremen bis Rom gefahren. Dieses Foto machte er vom Zug in der Nähe vom Brennerpass.

Interrail soll Europa für die Jugend erlebbar machen

Auch die Politik hat die positiven Vorzüge dieses Angebots erkannt – und die CDU hat es sogar ins Wahlprogramm aufgenommen. Mit einem Ziel: „Das Interrail-Ticket im Rahmen des ‚DiscoverEU‘-Programms soll es künftig für jeden 18-Jährigen kostenlos geben“ steht im Programm unter dem Punkt „Europa für die Jugend erlebbar machen“.

Die CDU wolle Europa so weiter stärken, teilte Christoph Ploß, Hamburgs Landesvorsitzender und Mitglied des Bundestages der MOPO mit. „Dazu gehört auch, dass man damit insbesondere jungen Menschen die Möglichkeit gibt, die Vorteile der Europäischen Union unmittelbar zu erfahren“, erzählt Ploß.

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Dieses Vorhaben ist in der Parteienlandschaft nicht neu. „Irgendwie kommt mir diese Idee bekannt vor“, erklärte Maryam Blumenthal, die Landesvorsitzenden der Grünen in Hamburg, auf MOPO-Nachfrage. Ihre Partei erwähnte nämlich schon in ihrem Wahlprogramm von 2017 ein kostenloses Interrail-Ticket für 18-Jährige als Beispiel zur Förderung des kulturellen Austausches. „In jedem Fall ist es schön, dass sich im Wahlprogramm der Union jetzt doch noch ein konkreter Punkt finden ließ“, meinte Blumenthal.

Ihre Parteikollegin Katrin Göring-Eckhardt hatte dazu schon vor einigen Wochen dem „RND“ mitgeteilt, dass kostenlose Interrail-Tickets an Menschen, die während der Corona-Pandemie 18 geworden sind, verteilt werden sollten. Die Fahrkarte soll als Abmilderung für die Folgen der Pandemie gelten.

Was das alles kosten würde, rechnet das ZDF in einem Beitrag zusammen. Hierzulande soll es pro Jahr 840.000 18-Jährige geben – was bei 251 Euro für einen 7-Tage-im-Monat-Reisepass eine jährliche Summe von 210 Millionen Euro bedeuten würde.

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Ob das Ticket letztendlich jährlich verteilt wird oder eben nur an 18-Jährige, die ihre erste Erwachsenenjahre im Lockdown verbracht haben, wird sich noch zeigen. Wilken Grube glaubt auf jeden Fall, dass ein kostenloses Ticket nicht nur das europäische und internationale Gedankengut unterstützen, sondern auch einen nachhaltigen Weg zum Reisen zeigen würde. Man erfahre, wie einfach es ist in Europa zu reisen, so seine Bilanz.

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