Unterunft
  • In dieser Asylbewerberunterkunft in Harsefeld kam es Sonntagnacht zum tödlichen Polizeieinsatz.
  • Foto: JOTO

Polizei erschießt Asylbewerber – Kritik und Ermittlungen

Nach den tödlichen Schüssen von Polizisten auf einen Flüchtling bei einem Einsatz in Harsefeld (Landkreis Stade) laufen die Ermittlungen weiter. Die Grüne Jugend fordert nun eine schnelle Aufklärung. Auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen meldete sich zu Wort.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade am Mittwoch sagte, habe die Polizei mittlerweile die Spuren in der Asylbewerberunterkunft gesichert. Auch Zeugen würden befragt. Am Sonntagabend war ein 40-jähriger Mann aus dem Sudan, der psychische Probleme hatte, von Polizisten erschossen worden. Er soll sie mit einem Messer bedroht haben.

Tödlicher Polizeieinsatz in Harsefeld macht „fassungslos“

Die Grüne Jugend Niedersachsen forderte eine Aufklärung des Vorfalls. „Weshalb die Situation nicht anders deeskaliert werden konnte und wie genau es zum Tod des 40-jährigen kam, muss schnell geklärt werden“, sagte Sprecherin Pippa Schneider. „Dass zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ein Geflüchteter in einer Unterkunft im Landkreis Stade erschossen wurde, macht fassungslos.“ Damals war ein 19-Jähriger aus Afghanistan im Stader Ortsteil Bützfleth bei einem Einsatz von der Polizei erschossen worden.


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Polizisten müssten im Umgang mit psychisch erkrankten Geflüchteten geschult werden, forderte das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN e.V.). Zu solchen Einsätzen sollten auch Fachärzte, mindestens aber Psychologen hinzugezogen werden. „Ganz offenbar mangelt es an guten und tragfähigen Konzepten in den Einsätzen bei Menschen mit psychischen Erkrankungen“, sagte Sigmar Walbrecht vom Flüchtlingsrat Niedersachsen e. V. Der Verein fordere, dass die Polizei auch Psycholog:innen an solchen Einsätzen beteilige.

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Die Polizei habe am Sonntag dreimal wegen des Mannes aus dem Sudan zum Flüchtlingsheim fahren müssen, sagte der Staatsanwalt. Der Mann soll andere bedroht haben. Nach den ersten zwei Einsätzen um die Mittagszeit habe die Polizei mit einer Richterin beraten, ob der 40-Jährige in psychiatrischen Gewahrsam kommen sollte. Er sei aber wieder ruhig gewesen, sodass man habe sich einvernehmlich dagegen entschieden habe.

Der Mann habe nachmittags mehrere Stunden freiwillig auf der Polizeiwache verbracht. Er sei dann in das Heim gegangen, zu dem die Polizei spätabends zum dritten Mal ausrücken musste. Die Ermittlungen führt die Polizei aus dem Nachbarkreis Cuxhaven.

Harsefeld: Unterkunft nach Einsatz noch unbewohnbar

Die neun anderen Bewohner des Heims seien vorerst bei Freunden untergekommen, sagte die Samtgemeindebürgermeisterin von Harsefeld, Ute Kück. Die Gemeinde rechne damit, dass die Polizei die Einrichtung für Donnerstag wieder freigeben werde. Kück sagte, sie selbst, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Lokalpolitik seien betroffen von dem Vorfall. „Man kennt die Unterkunft gut.“ In der Samtgemeinde leben etwa 200 Asylbewerber. (dpa/fbo)

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