Surfer Laschet
  • Die Video-Installation zeigt Laschet surfend auf AfD-Plakaten
  • Foto: Rocco&Seine Brüder

Kurz vor der Wahl: Kiel verbietet Laschet-Kunstwerk

Wie frei darf politische Kunst kurz vor einer Bundestagswahl sein? Das Berliner Kunstkollektiv „Rocco und seine Brüder“ wollte mit der Installation „Wipe Out“ in der Stadtgalerie im Kieler Rathaus auf die Gefahr durch rechte Politik aufmerksam machen. Doch die Stadt ließ die Ausstellung kurzerhand absagen – weil sie gegen die Neutralitätspflicht verstoße.

Die Botschaft, die die Künstler von „Rocco und seine Brüder“ verbreiten wollen, wird schnell klar. Politiker wie Hans-Georg Maaßen, Wolfgang Bosbach oder Armin Laschet (alle CDU) sind in einer Videomontage als Surfer zu sehen. Die Welle, auf der sie reiten, besteht aus lauter Wahlplakaten der AfD – ein Symbol für die mangelnde Abgrenzung nach rechtsaußen, die den Unionsparteien immer wieder vorgeworfen wird.

Kiel: Muss Kunst im Rathaus vor einer Wahl neutral sein?

Das Neue Rathaus in Kiel – hier befindet sich auch die Stadtgalerie. (Archivbild)
Das Neue Rathaus in Kiel – hier befindet sich auch die Stadtgalerie. (Archivbild)

Den Titel „Wipe Out“ wählte das Kollektiv nicht ohne Grund: Surfer nennen so einen besonders schweren Sturz als Folge eines kompletten Kontrollverlusts. Vom 18. September bis zum 28. November wäre „Wipe Out“ im Foyer der Kieler Stadtgalerie zu sehen gewesen. Eigentlich.


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Denn kurz vor dem Start zog die Galerie der Ausstellung den Stecker. „Die geplante Ausstellung war nicht mit der politischen Neutralität zu vereinbaren, die zu Zeiten eines Wahlkampfes in städtischen Räumen unerlässlich ist“, teilte die Stadt Kiel am Dienstag bei Twitter mit.

„Rocco und seine Brüder“ fanden bei Instagram deutliche Worte zum Ausstellungs-Aus. „Wipe Out wurde wegen des politischen Inhalts von der Stadt Kiel verboten. Sie wird NICHT in der Stadtgalerie ausgestellt werden. Kunstfreiheit interessiert weder die hiesige Politik noch die Stadtgalerie Kiel. Selbst für uns ein Novum“, hieß es dort. Auch von möglicher „Zensur“ war die Rede.

Das sagt Kiel zum „verbotenen“ Laschet-Kunstwerk

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung“, heißt es im fünften Artikel des Grundgesetzes. Dass die Kunstfreiheit missachtet werde, wies eine Sprecherin der Stadt Kiel gegenüber der MOPO klar zurück: „Kommunale Organe“ dürften sich im Wahlkampf nicht engagieren und seien ab „mindestens sechs Wochen vor dem Wahltermin“ zur Neutralität verpflichtet.

Das sei die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgericht, daran müsse sich auch die Kunst halten. Selbst dann, wenn es nur um Räumlichkeiten geht. Erst am vergangenen Mittwoch habe der Galeriedirektor erstmals Teile der Ausstellung während des Aufbaus gesehen, sagte die Sprecherin weiter. Mit dem Verein „Prima Kunst“, in dessen „Container“ in der Stadtgalerie die Ausstellung Platz finden sollte, seien Gespräche für einen Termin nach der Wahl vereinbart worden.

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Ziel sei es, dass „Wipe Out“ noch in Kiel gezeigt werde – nur eben später. Auf MOPO-Nachfrage ließen „Rocco und seine Brüder“ allerdings durchblicken, dass das nicht unbedingt ihrem Interesse entspricht, es widerspräche den Grundsätzen des Kollektivs. Auch seien bislang weder ein anderer Ort noch ein anderer Termin nach der Wahl fest zugesichert worden.

Ganz verborgen bleibt die politische Kunst des Kollektivs der Öffentlichkeit allerdings nicht. Über ihren eigenen Instagram-Kanal präsentierten „Rocco und seine Brüder“ mit Bildern und einem Videos zumindest einen kleinen Einblick in ihre Ausstellung.

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