Ukrainische Flüchtlinge stehen mit ihren Angehörigen vor der Zentralen Ausländerbehörde mit der neuen Registrierungsstelle im Amt für Migration an der Hammer Straße.
  • Viele ukrainische Geflüchtete kommen im Norden unter – das stellt die Städte vor Probleme. (Symbolbild)
  • Foto: dpa

Unterbringung Geflüchteter stellt Städte im Norden vor Probleme

Mehr als 32.000 Flüchtlinge aus der Ukraine sind seit dem Krieg in Schleswig-Holstein registriert worden. Das stellt nun norddeutsche Städte vor Probleme bei der Unterbringung der Menschen. Das liegt auch daran, weil die Bereitschaft von Privatpersonen, Geflüchtete bei sich aufzunehmen, nachgelassen hat.

Die Unterbringung geflüchteter Menschen aus der Ukraine bereitet den großen Städten in Schleswig-Holstein teils Probleme. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den vier kreisfreien Städten und Norderstedt. „Die Situation ist angespannt, aber wir haben die Lage gut im Griff“, sagte Flensburgs Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Flensburg habe noch niemanden abweisen müssen und könne im Bedarfsfall die Kapazitäten erweitern.

Norderstedt: „Die Unterbringungssituation ist angespannt“

Seit dem Start des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine sind nach Angaben des Landesamts für Zuwanderung und Flüchtlinge insgesamt 32.500 ukrainische Flüchtlinge in Schleswig-Holstein erfasst worden, allein im Juni waren es 2000.

„Aktuell kann die Stadt Norderstedt alle Personen mit Unterbringungsbedarf in den städtischen Unterkünften beziehungsweise den angemieteten Wohnungen und in einem Hotel unterbringen, jedoch ist die Unterbringungssituation angespannt“, sagte Sprecher Bernd-Olaf Struppek. Der Stadt seien 750 ukrainische Geflüchtete bekannt. Davon seien 468 bei Familie, Freunden oder privat untergebracht und 282 in städtischen Unterkünften. Der Unterbringungsbedarf in kommunalen Einrichtungen werde aber sukzessive zunehmen.

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Kiels Sprecherin Kerstin Graupner sagte: „Unterbringungsmöglichkeiten sind noch ausreichend vorhanden, weitere Plätze sind in konkreter Planung.“ Die Stadt erreichten aber nur noch wenige private Angebote. „Die Hilfsbereitschaft von Privatpersonen lässt nach. Von den Geflüchteten, die im Frühjahr privat untergekommen sind, müssen die ersten wieder ausziehen und bekommen Unterkunft in kommunalen Einrichtungen.“ Seit Ende Februar habe die Stadt 1500 Plätze geschaffen, derzeit habe die Stadt 1300 Ukrainerinnen und Ukrainer sowie 100 aus Drittstaaten in Gemeinschaftsunterkünften oder Stadtwohnungen untergebracht.

Das Landesamt für Zuwanderung und Flüchtlinge verteilt Geflüchtete aus der Ukraine nach eigenen Angaben konsequent an Kreise und Kommunen. Aus Sicht des Landesamtes sei die Lage derzeit nicht angespannt, sagte Sprecher Wolfgang Kossert. „Uns ist aber durchaus bewusst, dass die Kreise vor erheblichen Anforderungen stehen.“ Zu Beginn der Ukraine-Krise habe die Behörde den Kommunen drei Werktage vorher die Verteilung Geflüchteter angekündigt, mittlerweile geschehe das fünf Werktage früher.

Lübeck will Gemeinschaftsunterkünfte aufstocken

Lübeck sind seit März 401 Menschen aus der Ukraine zugewiesen worden. In der Hansestadt wohnten 2698 registrierte Menschen mit Bezug zur Ukraine, davon seien etwa 2120 ukrainische Geflüchtete, sagte Sprecherin Nicole Dorel. „Der genaue Unterbringungsbedarf lässt sich nicht abschätzen, da viele der Geflüchteten derzeit auch noch bei Bekannten, Verwandten oder hilfsbereiten Bürgern untergekommen sind.“ Aktuell seien etwa 550 Geflüchtete in Gemeinschafts- und in gewerblichen Unterkünften untergebracht. Weitere 100 befinden sich in einer Notunterkunft. Bis zum Jahresende will die Stadt die Zahl der Plätze in Gemeinschaftsunterkünften auf 1000 erhöhen.

In Neumünster sei die Lage bei der Unterbringung Geflüchteter sehr entspannt, sagte Stadtsprecher Stephan Beitz. „Wir haben als Reserve zusätzliche Wohnungen für mögliche Aufnahmen von Flüchtlingen aus der Ukraine angemietet.“ Die Stadt hat bislang 311 Geflüchtete in 76 Wohnungen untergebracht. Insgesamt leben in Neumünster gut 500 Menschen aus der Ukraine. „Aktuell haben wir festgestellt, dass bereits auch wieder einige in die Ukraine zurückgefahren sind“, sagte Beitz. (dpa/mp)

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