Großrazzia gegen Geldwäsche
  • Polizeibeamte stehen vor einer Wohnung. Rund 1000 Beamte waren am Mittwoch bei einer Großrazzia gegen eine Geldwäsche-Bande im Einsatz.
  • Foto: Christoph Petersen/dpa

„Dickes Ding“: Großrazzia gegen Geldwäsche-Netzwerk – auch im Norden

Mehr als tausend Einsatzkräfte haben am frühen Mittwochmorgen 81 Wohnungen und Büros in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen durchsucht. Die Razzia richtete sich gegen Mitglieder eines internationalen Hawala-Netzwerks. Es geht um Geldwäsche, Terrorfinanzierung, organisierte Kriminalität und illegale Finanztransfers ins Ausland.

Ziel der Großrazzia war es, Beweismittel und illegale Vermögenswerte zu beschlagnahmen, teilte die Düsseldorfer Polizei mit. Gegen 67 Verdächtige sei ermittelt worden, elf von ihnen wurden am Mittwoch verhaftet. Ein Gericht erließ Vermögensarreste in Höhe von 140 Millionen Euro, den Löwenanteil davon gegen die beiden Hauptbeschuldigten. Rund 1400 Beamte waren im Einsatz, um 81 Häuser, Wohnungen, Büros und Geschäftsobjekte zu durchsuchen. Schwerpunkte waren Düsseldorf und Wuppertal, auch in Bremen und Niedersachsen gab es Razzien.

„Verdammt dickes Ding“: Großrazzia gegen Hawala-Netzwerk

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) sprach von einem „Paukenschlag“ gegen die Organisierte Kriminalität. Laut Innenminister Herbert Reul, ebenfalls CDU, seien Autos, Geld und Gold im Wert von mehr als drei Millionen Euro sichergestellt worden. Auch ein Steuerberater habe unangemeldeten Besuch bekommen. „Wir haben heute einen extrem ergiebigen Geldhahn abgedreht“, sagte Reul. „Das war ein verdammt dickes Ding.“

Ausgangspunkt der Ermittlungen ein Zufallsfund der Polizei. Justizminister Biesenbach bestätigte entsprechende Informationen des WDR. Im Mai 2020 hätten die Beamten bei einer Kontrolle nach einem Unfall auf der A61 300.000 Euro Bargeld versteckt in einem Turnbeutel gefunden, berichtete die öffentlich-rechtliche Anstalt.

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Eine Zollstreife sei zufällig in der Nähe gewesen und wollte helfen – die zwei verunfallten Männer lehnten dies aber ab. Daraufhin hätten sich die Beamten das Auto genauer vorgenommen und seien auf das Geld gestoßen. Beim Überprüfen der Personendaten sei dann aufgefallen, dass mindestens einer der beiden Männer der Polizei bereits einschlägig bekannt war.


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Nach WDR-Informationen gehören beide Männer zu einer Bande, die in Deutschland Bargeld einsammelt und über Mittelsmänner in der Türkei und in Syrien wieder auszahlt. Beim sogenannten Hawala-Banking können Kunden gegen eine Provision große Summen ins Ausland überweisen – vorbei am legalen Bankensystem.

Geld diente offenbar zur Terrorfinanzierung in Syrien

Solche Finanztransfers sind in Deutschland verboten. Das System gilt als sehr vertrauensbasiert und anonym. Wer das Geld einzahlt und wer es abhebt, wird nicht erfasst. Auch Zahlungsbelege gibt es nicht.

Offenbar verschoben die mutmaßlichen Geldschleuser mehr als 140 Millionen Euro über Zahlungsbüros in den Niederlanden in die Türkei und nach Syrien. Das Geld stamme demnach unter anderem aus dem Drogenhandel und soll in Syrien teilweise auch zur Terrorfinanzierung benutzt worden sein.

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Bei einem der Verhafteten, einem 39-jährigen Mann, soll es sich um einen Terroristen der islamistischen Al-Nusra-Front handeln. Zwei weitere Verdächtige seien als islamistische Gefährder bekannt, vier als sogenannte „relevante Personen“ des islamistischen Spektrums.

Den insgesamt 67 Verdächtigen sollen mit illegalen Zahlungsdiensten Gelder aus Straftaten gewaschen und für weitere Straftaten bereitgestellt haben. Zudem wird den Beschuldigten Sozialleistungsbetrug, Sozialversicherungsbetrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Bei der Verschleierung dieser Taten hätten sie sich gegenseitig geholfen. (dpa/fbo)

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