Reisende gehen auf der Nordseeinsel im Bahnhof Westerland an einem Zug der Deutschen Bahn entlang.
  • Bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken muss Schleswig-Holstein aufholen.
  • Foto: (c) dpa

Große Neuerung bei der Bahnstrecke nach Sylt geplant

Mit großer Mehrheit hat sich der Landtag in Kiel für die Elektrifizierung von Bahnstrecken in Schleswig-Holstein stark gemacht. Klare Priorität für die Jamaika-Koalition hat dabei die wichtige Strecke von Itzehoe nach Sylt, die sogenannte Marschbahn. Bei der Elektrifizierung steht der Norden gerade überhaupt nicht gut da.

Denn dort sind derzeit laut Verkehrsministerium 376 Bahnkilometer (29 Prozent des Streckennetzes) elektrifiziert. Die Bundesregierung hat einen Anteil von 70 Prozent bis 2025 als Ziel ausgegeben. Um diese Quote zu erreichen, müssten im Norden Stromleitungen an etwa 500 Kilometer Schiene gebaut werden.

Dauer des Ausbaus kann deutlich verkürzt werden

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht gute Chancen für einen schnelleren Umstieg auf Strom auf der Bahnstrecke von Itzehoe nach Niebüll. Er spreche mit Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) über eine beschleunigte Planung auf dem 120 Kilometer langen Abschnitt der Marschbahn, sagte Buchholz. Das würde die Dauer des Ausbaus auf drei bis vier Jahre verkürzen.

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Möglich macht dies nach Angaben von Buchholz eine Gesetzesänderung, wonach unter bestimmten Voraussetzungen auf lange Planfeststellungsverfahren verzichtet werden kann. Das gilt aber nicht für den letzten Streckenabschnitt auf die Nordseeinsel: „Wir werden nicht über den Hindenburgdamm einfach sagen: Da passiert schon nix mit der Umwelt. Da ist ein wirklich sensibler Bereich“, meinte Buchholz.

Verkehrsminister rechnet mit deutlichen Einsparungen

Die Kosten für den Ausbau betragen schätzungsweise rund 400 Millionen Euro. 90 Prozent davon übernimmt der Bund, das Land 40 Millionen Euro. Langfristig bringe der Ausbau Einsparungen in Höhe von acht Millionen Euro im Jahr, wie Buchholz sagte. Er verwies auf ökologische Vorteile. Schätzungsweise rund 10.000 Liter Diesel würden jährlich eingespart, wenn die Bahn auf Ökostrom umsteige. Alternative Lokomotiven mit Wasserstoff- oder Elektro-Antrieb für das Streckenprofil gebe es nicht.

Die niedrige Elektrifizierungsquote sei ein Armutszeugnis, sagte der Verkehrspolitiker Kai Vogel. In der laufenden Wahlperiode sei bislang nichts passiert. Der Grünen-Abgeordnete Tietze sieht nur Vorteile durch das Fahren mit „Strom vom Deich statt mit Öl vom Scheich“. Ein Erkenntnisdefizit gebe es nicht. „Wir sind schneller, wir sind pünktlicher – auch bei Gegenwind übrigens.“

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Nach Angaben von Buchholz könnte der Bahnverkehr im Norden 2030 komplett dieselfrei laufen.(prei/dpa)

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