Blick in den Gerichtssaal im Landgericht Neubrandenburg, in dem auch die Angeklagten sitzen.
  • Prozess wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem 30-Jährigen in Neubrandenburg ist gestartet. Bisher schweigen die Angeklagten.
  • Foto: picture alliance / dpa/Stefan Sauer

Motiv „Ehrverletzung“: 30-Jähriger zu Tode geprügelt

Ein 30-Jähriger wird in Neubrandenburg so schwer misshandelt, dass er elf Tage später stirbt. Die mutmaßlichen Täter werden gefasst und jetzt hat der Prozess gegen sie begonnen. Einer der jungen Männer war offenbar von Hass getrieben.

In dem Prozess wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem Mann in Neubrandenburg sei nach Angaben von Zeugen persönlicher Hass das Motiv des Hauptangeklagten gewesen. Der 19-Jährige habe bereits bei der Festnahme kurz nach der Tat am 7. Februar geäußert, dass er das 30-jährige Opfer hasse, weil dieser seine Freundin beleidigt habe. Das sagten mehrere Polizisten am Dienstag vor dem Landgericht Neubrandenburg aus.

Neubrandenburg: Mordmotiv war offenbar Hass

Außerdem wurde bekannt, dass der 19-Jährige Iraner das Opfer aus Afghanistan aus dem gleichen Grund schon vier Tage vorher in Altentreptow mit einem Metallgegenstand attackiert und verletzt hatte. Bei einer Vernehmung durch die Polizei habe der Hauptangeklagte danach gesagt, dass er den 30-Jährigen wegen einer „Ehrverletzung“ bestrafen müsse. Anlass für beide Gewaltattacken war laut Staatsanwaltschaft, dass der 30-Jährige eine Freundin des 19-Jährigen als „Schlampe“ und „Hure“ bezeichnet haben soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-Jährigen und seinem 17 Jahre alten Bekannten aus Afghanistan gemeinschaftlichen Mord aus niederen Beweggründen vor. Beide sollen den 30-Jährigen schwer misshandelt und dabei tödlich verletzt haben. Das Opfer starb am 18. Februar an den Folgen der schweren Kopfverletzungen. Das Duo war von Zeugen gesehen worden, dann geflohen und kurz danach von Polizisten im Kulturpark gefasst worden. Beide schweigen im Prozess vor Gericht bisher.

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Die Polizisten erkannten die Angeklagten im Gericht auch als die damals festgenommenen Tatverdächtigen wieder. Außerdem wurden die Papiere des Opfers bei dem Iraner gefunden. Ein Bekannter des Opfers erläuterte, dass der Mann am 7. Februar gezielt an den Oberbach nach Neubrandenburg gelockt worden war. In einer SMS des Hauptangeklagten habe gestanden: „Wenn du ein Mann bist, komm nach Neubrandenburg.“

Außerdem berichtete eine junge Frau aus dem Umfeld der Männer, dass die beleidigte Freundin des Hauptangeklagten diesen zu beiden Gewalttaten angestachelt habe. Ihr habe die leichte Verletzung nach der ersten Attacke nicht gereicht. „Junge Männer in dem Alter sind sehr emotional; wenn ein Mädchen was verlangt, machen die alles“, sagte die Zeugin.

Unklar blieb bisher, ob es eine Tatwaffe gab. Laut Anklage hatten die Angeklagten das Opfer auf einem Spazierweg unter anderem mit einem Holzknüppel geschlagen und noch am Boden liegend getreten und geschlagen. Ein Zeuge hatte die Männer vom Opfer weggezogen und angeschrien. Weitere Passanten kamen hinzu und holten Hilfe.

Der Prozess wird am 8. September mit einer Reihe von Zeugen fortgesetzt. Ein Urteil wird frühestens Ende September erwartet. Der Bruder des Opfers tritt als Nebenkläger vor Gericht auf.

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