Für einen Wahlkampfauftritt besucht Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ihre alte Heimat.
  • Für einen Wahlkampfauftritt besucht Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock ihre alte Heimat.
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Feld, Pferde und Trampoline: Hier wuchs Annalena Baerbock auf

Auf ihrer Wahlkampftour durch die Bundesrepublik macht Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock halt in ihrer alten Heimat Pattensen bei Hannover. Es ist ein Besuch, der ihr sehr am Herzen liegt. Und eine Gelegenheit, alte Weggefährten zu treffen.

Zwischen Maisfeldern, Windkraftanlagen und einer Pferdekoppel liegt südlich von Hannover die Kleinstadt Pattensen. Der niedersächsische Ort mit 15.000 Einwohnern wirkt fast ein wenig verschlafen, als sich am heißen Samstagnachmittag ein quietschgrüner Reisebus nähert: Es ist die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, die ihrer alten Heimat einen Besuch abstattet. Sechs Wochen vor der Bundestagswahl tourt die 40-Jährige durch Deutschland und will nun auch dort überzeugen, wo sie einst im Turnverein war.

Baerbock in der Heimat: Wahlkampf auf dem platten Land

Auf dem Schützenplatz haben sich in der Sonne etwa 300 Menschen versammelt. Viele sind mit dem Fahrrad gekommen. Die Grünen in der Region haben Radtouren zum Wahlkampf-Event mit Baerbock organisiert. Einige halten kleine grüne Windrädchen in der Hand. Dazwischen finden sich aber auch Neugierige ohne parteipolitischen Hintergrund: „Man sieht im Fernsehen immer politische Debatten, aber es ist auch schön, wenn man mal vor Ort zuhören kann“, sagt der 23-jährige Adrian Wenzel, der noch nicht weiß, wen er am 26. September wählen wird.

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Baerbock steht auf der Bühne in der Mitte, neben ihr Grünen-Politikerinnen aus der Region. Unter anderen Frauke Patzke, die bei den niedersächsischen Kommunalwahlen am 12. September als Kandidatin für das Amt der Präsidentin der Region Hannover antritt, und Simone Meier, die für die Grünen im Bundestag kandidiert. Baerbock, geboren 1980 in Hannover, wuchs mit ihrer Familie in Schulenburg, einem Ortsteil von Pattensen auf. Ihr Engagement bei den Grünen begann aber erst nach dem Studium außerhalb von Niedersachsen: 2005 trat sie den Grünen in Brandenburg bei.

Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, bei dem Wahlkampfauftritt in Pattensen in der Region Hannover.
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, bei dem Wahlkampfauftritt in Pattensen in der Region Hannover.

„Hier bin ich geboren, hier lebt meine Familie, hier hab‘ ich gelernt, was wichtig ist im Leben“, sagt Baerbock mit lauter und fester Stimme ins Mikrofon. Das Miteinander im ländlichen Raum habe sie sehr geprägt. Bei den vielen Aktivitäten – etwa beim Schützenfest, im Sportverein oder im Schwimmbad – habe sie als Kind gespürt, dass sie dazugehöre. Und das sei schließlich auch das, was sie in die Politik gebracht habe: „Das zu stärken und groß zu machen, was das Leben eigentlich ausmacht: das Miteinander, das Aufeinanderachten, das Füreinandersorgen und vor allen Dingen die Orte des Miteinanders zu stärken.“

Ehemalige Trampolin-Trainerin: „Sie war eine Team-Playerin“

Auf einem der Kartons vor der Bühne sitzt Dorothee Christlieb. Sie ist 74 Jahre alt und Baerbocks ehemalige Trampolinlehrerin, wie sie erzählt. „Sie kam gerne zum Trampolinturnen, ich habe sehr gern mit ihr trainiert“, erinnert sich Christlieb an die junge Baerbock. „Sie war sehr verlässlich, mutig, fleißig, zielstrebig, trainierte intensiv und war, obwohl Trampolinturnen eine Individualsportart ist, eine Team-Playerin.“ Vom sechsten Lebensjahr bis zum Abitur habe Baerbock bei ihr trainiert, in Spitzenzeiten bis zu drei Mal die Woche.

Annalena Baerbock (2.v.l.) mit jungen Anhängerinnen des Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock (2.v.l.) mit jungen Anhängerinnen des Bündnis 90/Die Grünen.

Ganz in der Nähe sitzt Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD). Auf die Frage, ob Baerbock das Zeug zur Kanzlerin hat, sagt sie: „Mir haben als junge Frau oft die weiblichen Vorbilder gefehlt.“ Schumann sei selbst für so manche zum Vorbild geworden, als sie als Alleinerziehende mit Anfang 30 Bürgermeisterin wurde. Es müsse noch stärker gezeigt werden, dass die jeweilige Lebenssituation nicht entscheidend dafür sei, was man politisch erreichen könne. Baerbock könne ein solches „Rollenmodel“ sein. (dpa/se)

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