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Bevölkerungs-Boom? Von wegen!: Zwei Großstädte in Schleswig-Holstein schrumpfen

Die Bevölkerungszahlen in Deutschlands Großstädten kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil bergauf! Hamburg marschiert beispielsweise stramm auf die Zwei-Millionen-Marke zu, ab 2030 soll es so weit sein. Zwei andere norddeutsche Städte entwickeln sich wiederum gegen den Trend. 

Konkret geht es dabei um Kiel und Lübeck. Wie das Statistikamt Nord am Montag mitteilte, verzeichneten beide Städte im Vergleich zum Vorjahr einen Bevölkerungsrückgang um 0,3 Prozent. Höchst untypisch, oder?

Kiel und Lübeck weichen von Bevölkerungstrend ab

„Tatsächlich ist nahezu im gesamten Bundesgebiet ein langjähriger Trend zur Re-Urbanisierung mit wachsenden Städten zu beobachten“, sagt Referatsleiter Jens Oelgemöller vom Statistikamt Nord zur MOPO. Dies bedeute jedoch nicht, dass es auch gelegentlich Abweichungen von dieser Entwicklung gibt.

Das Holstentor ist eines der Wahrzeichen von Lübeck.

Das Holstentor ist eines der Wahrzeichen von Lübeck.

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In Lübeck sei bereits 2017 ein leichter Bevölkerungsrückgang beobachtet worden. „In der Vergangenheit konnte der stets negative Geburtensaldo durch einen deutlich positiven Wanderungssaldo kompensiert werden“, so Oelgemöller. Im Jahr 2017 und auch 2019 war der Wanderungssaldo geringer und konnte das Geburtendefizit nicht ausgleichen.

Lübeck: Mehr Menschen sterben, weniger Neugeborene

Um es deutlich zu machen: In Lübeck sind im vergangenen Jahr 961 Personen mehr gestorben als geboren worden. Laut Statistikamt Nord lebten zum 31. Dezember 2019 unterm Strich 216.530 Personen in Lübeck, der zweitgrößten Stadt in Schleswig-Holstein. Was sagt man dort zu der Entwicklung?

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Von der Pressestelle der Stadt gibt’s zunächst einmal eine andere Bevölkerungszahl, demnach hätten zum Jahreswechsel 220.238 Personen in der Hansestadt gelebt. „Damit erreicht die Bevölkerungszahl den zweithöchsten Stand seit 1983“, heißt es.

Lübeck: So viele Sterbefälle wie seit mehr als 20 Jahren nicht

„Der Saldo von Geburten und Sterbefällen ist dagegen bereits seit 1969 negativ“, heißt es. Die Zahl der Sterbefälle erreichte im vergangenen Jahr seit 1996 ihren Höchststand mit 2.941 Verstorbenen. Die Zahl der Geburten ist etwa auf Vorjahresniveau bei 1.915 Geborenen.

Jan Lindenau (SPD) ist Lübecks Bürgermeister.

Jan Lindenau (SPD) ist Lübecks Bürgermeister.

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Unterdessen verteidigt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) gegenüber der MOPO das Image seiner Stadt: „Lübeck ist nach wie vor attraktiv für viele Menschen. Die Nachfrage nach neuen Wohnungen ist ungebrochen hoch“.

Die Fläche des Stadtgebietes sei jedoch begrenzt, so dass ein unendliches Wachstum nicht möglich sei. „Die Hansestadt Lübeck hat einen Masterplan aufgelegt, wonach bis 2022 Baurecht für 4.500 neue Wohneinheiten sichergestellt wird, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden“, sagt er.

Kiel: Bevölkerungszahl geht seit mehreren Jahren zurück

Und wie ist die Lage in Kiel, der größten Stadt in Schleswig-Holstein? „Dort ging bereits von 2017 auf 2018 die Bevölkerungszahl leicht zurück“, sagt Jens Oelgemöller. Zugleich sei der Wanderungssaldo seit einigen Jahren rückläufig und 2019 negativ. Konkret: Im vergangenen Jahr sind 720 Personen weniger nach Kiel als aus der Stadt weggezogen. Inzwischen leben (Stand 31.12.2019) 246.794 Personen in der Landeshauptstadt.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD)

Ulf Kämpfer (SPD) ist Oberbürgermeister von Kiel.

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„Seit Ende 2016 bewegt sich die Anzahl der Kieler Bevölkerung zwischen 247.000 und 249.000 Menschen – ohne einen wirklichen Trend“, sagt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) zur MOPO. Um 2015/2016 hätte die Stadt wegen der Flüchtlingskrise und dem Boom an den Hochschulen ein besonders hohes Wachstum gehabt, das zu einer zu hohen Verdichtung im Wohnungsmarkt geführt habe.

Schleswig-Holstein: Statt Kiel & Lübeck! Diese Städte wachsen

„Diese Verdichtung hat sich in den letzten Jahren wieder normalisiert. Der derzeit und in den kommenden Jahren deutlich anziehende Wohnungsbau schafft wieder Potenzial für Bevölkerungswachstum, weshalb wir von einem moderaten Anstieg der Bevölkerung in den kommenden Jahren ausgehen“, sagt er.

Einen solchen Anstieg verzeichnen auch quasi alle nächstgrößeren Städte in Schleswig-Holstein. Die drittgrößte Stadt des Landes – Flensburg – konnte einen Anstieg der Bevölkerungszahl um 0,7 Prozent auf 90.164 Personen verbuchen. Auf Platz vier rangiert Neumünster mit 80.196 Bewohnern (plus 0,9 Prozent). Die kreisfreie Stadt liegt damit weiterhin vor Norderstedt, wo 79.357 Menschen leben (plus 0,3 Prozent).

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