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Winternotprogramm für Obdachlose: Großunterkünfte trotz Corona?

Obdachlose, die in Hotels übernachten. Das hatte eine Spende von Reemtsma während der Corona-Krise möglich gemacht. Im Juni lief die Aktion aus. Doch jetzt steht der Winter vor der Tür. Müssen Hamburgs Wohnungslose trotz Corona und hoher Ansteckungsgefahr wieder in Mehrbettzimmern in Großunterkünften schlafen? Sozialverbände fordern eine dezentrale Unterbringung in kleinen Einheiten.

Die Gefahr einer Ansteckung in den Mehrbettzimmern zeigte sich bereits im vergangenen Winter. So hatten sich Anfang März 2020 in einer Obdachlosen-Unterkunft in Hammerbrook mehrere Personen infiziert und 300 Obdachlose mussten für 14 Tagen rund um die Uhr isoliert werden.

Hamburg: Winternotprogramm startet im November

Anders als normalerweise wurden die beiden großen Obdachlosen-Unterkünfte, die jeweils mehrere hundert Menschen beherbergen können, in diesem Frühling und Sommer nicht geschlossen, sie standen den Wohnungslosen weiterhin zur Verfügung. Allerdings mit einer viel geringeren Belegung, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren: statt sechs Personen nur mit zwei bis drei pro Raum.

Wohnungsnot: Obdachlose in Hamburg chancenlos

Das Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot kritisiert die Wohnungspolitik des Senats. „Für die Wohnungslosen als Schwächste auf dem Wohnungsmarkt wird viel zu wenig getan“, sagt Frauke Meyn von der Beratungsstelle Barmbek. „Es fehlen außerdem akzeptable Unterkünfte für die vorübergehende Unterbringung obdachloser Menschen. Insbesondere in Zeiten von Corona stellen Sammelunterkünfte ein untragbares Infektionsrisiko dar.“

Dezentrale Unterbringung für Obdachlose gefordert

Das Aktionsbündnis fordert als Sofortmaßnahme kurzfristig dezentrale und leicht zugängliche Übernachtungs- und Tagesaufenthaltsstätten bereitzustellen, um die betroffenen Menschen zu versorgen und vor weiterer Ausgrenzung zu schützen.

Obdachlos mit Gepäck

Ein Obdachloser mit seinem Sack und Pack in einer Fußgängerzone (Symbolbild).

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Auf Nachfrage der MOPO sagte ein Sozialbehördensprecher, man könne über das wie üblich am 1. November startende Winternotprogramm noch nichts Genaueres sagen. Offenbar wird bei der Sozialbehörde noch kräftig geplant. Da die beiden zentralen Unterkünfte gar nicht erst geschlossen worden waren, bleiben sie offenbar die erste Anlaufstelle.

CDU Hamburg: Einzelne Unterkunft für Risikogruppen

Die CDU-Fraktion fordert, vor allem Obdachlose aus Hoch-Risikogruppen im Corona-Winter durch Einzelunterbringung zu schützen. Wohnungslose mit akuten und chronischen Erkrankungen sowie obdachlose Familien und Elternteile mit Kindern sollten aus den Gemeinschaftsunterkünften rausgehalten werden.

Obdachloser auf einer Parkbank.

Ein Obdachloser schläft auf einer Parkbank (Symbolbild).

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Die Linke fordert, dass Obdachlose jetzt ausschließlich in Ein- und Zweibettzimmern untergebracht werden. Notfalls müssten zusätzliche Zimmer in Jugendherbergen, Hotels und Pensionen angemietet werden. Außerdem müsse das Winternotprogramm auch tagsüber geöffnet bleiben, statt die Menschen für mehrer Stunden vor die Tür zu setzen.

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In Hamburg leben rund 2000 Obdachlose. Kein Wunder, dass das Winternotprogramm in den vergangenen Jahren immer stark ausgelastet war. Durch die Corona-Auflagen stehen in den beiden Großunterkünften deutlich weniger als die üblichen 800 bis 900 Plätze zur Verfügung –möglicherweise 250 weniger als in den Vorjahren.

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