Fassade der Kirche St. Joseph
  • Sieht alt aus, ist aber von 1955: die Fassade der Kirche St. Joseph auf der Großen Freiheit
  • Foto: / Florian Quandt

St. Joseph: Was hat das Gotteshaus auf der Großen Freiheit zu suchen?

Schon im 19. Jahrhundert hatte St. Pauli keinen guten Ruf. Und ausgerechnet an der allersündigsten Straße dieses „übelst beleumundeten Viertels“ eine Kirche? Eigentlich undenkbar. Doch seit fast 300 Jahren trotzt St. Joseph hier allen Stürmen.

Große Freiheit – dieser Straßenname kommt nicht von irgendwoher, sondern er stammt aus einer Zeit, in der es mit Toleranz und Liberalität in der stolzen Stadt Hamburg nicht weit her war. Um 1600 hatte man in der Hansestadt evangelisch-lutherisch zu sein. Katholiken hatten es nicht leicht und wichen deswegen gern nach Altona aus.

Die Grusel-Gruft mitten auf dem Kiez

Das stand zunächst unter der Herrschaft der Schauenburger Grafen, dann gehörte es zum Königreich Dänemark. Und hier wurde die Religionsausübung deutlich freier gehandhabt. So wurde 1718 der Grundstein für eine Barockkirche an der dänischen Großen Freiheit gelegt. 1723 konnte die Kirche, immerhin das Gotteshaus der ältesten katholischen Gemeinde Norddeutschlands, dem heiligen Joseph geweiht werden.

Hamburg: Kirche auf der Großen Freiheit

Etwa 100 Jahre später aber waren viele Katholiken dann nicht mehr so froh über den Standort an der Großen Freiheit. Der Kirchenvorstand monierte, dass es 25 Vergnügungslokale in unmittelbarer Nachbarschaft gibt. Auf dem Weg zum Gottesdienst kämen den Gläubigen Sonntagmorgen übernächtigte, betrunkene Gestalten entgegen und belästigten diese. Selbst Schutzleute mit Säbel und Pistole könnten oft nur schwer die Ordnung und Sicherheit an diesem „liederlichen Orte“ aufrechterhalten. Pfarrer Heinrich Hartong verschickte 1823 flehentlich Bettelbriefe, damit die Kirche an einem anderen „schicklicheren“ Ort neu gebaut werden könne – ohne Erfolg.

Satz an Kirchenwand
Passender Satz für Christen auf dem Kiez an der Kirchenwand.


Hamburg: Kirche dient sogar als Drehort

So überstand die Kirche die Jahrhunderte, wurde im barocken Stil nach dem Krieg wieder aufgebaut und diente immer wieder als Drehort. Zum Beispiel beim Film „Der Pfarrer von St. Pauli“ (1970) mit Curd Jürgens (1915-1982) oder bei Folgen der TV-Serie „Großstadtrevier“.

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Neben dem „Beinhaus“ in der Krypta gibt es in der Kirche übrigens noch eine Attraktion: Seit 2017 ist dort ein Bilderzyklus der zehn Gebote ausgestellt – geschaffen von Udo Lindenberg.

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