Karl-Heinz Schröder (37)
  • „Ich habe Angst, dass ich irgendwas anklicke, das für Pluspunkte bei einer Partei führt, die ich nicht gut finde“ sagt Karl-Heinz Schröder (37) aus Winterhude.
  • Foto: Patrick Sun

Hamburg macht den Wahl-O-Mat: Was, diese Partei soll zu mir passen?

Bald ist es soweit: Der Bundestag wird neu gewählt. Am 26. September wird abgestimmt, wer Deutschland in den kommenden vier Jahren regieren soll. Wer in seiner Wahlentscheidung noch unentschlossen ist, bekommt seit Donnerstag Unterstützung durch den Wahl-O-Mat. Die MOPO hat einige Hamburger:innen gebeten, ihn mal auszuprobieren.

Seit 2002 gibt es die Online-Wahlentscheidungshilfe. Sie wird von der Bundeszentrale für politische Bildung betrieben. Mit dem mittlerweile traditionellen Online-Tool können die Bürger ihre politischen Haltungen anhand von 38 Thesen mit der Position der einzelnen Parteien vergleichen. Etwa folgende: „Auf allen Autobahnen soll ein generelles Tempolimit eingeführt werden“ – die erste von 38 Thesen. Ihnen kann per Klick zugestimmt oder nicht zugestimmt werden. Auch der Button „neutral“ steht zur Auswahl. Die Ergebnisse sind manchmal überraschend.

„Das hätte ich jetzt nicht gedacht“, sagt Jannes Raasch (32), Filmproduzent aus Eilbek. Als er mit dem Abstimmen fertig ist, steht die Partei Die Linke bei ihm auf Rang eins, die Grünen auf zwei. Eigentlich hätte er gedacht, dass die Grünen die meisten seiner Interessen abdecken. Er ist überrascht.

Jannes Raasch (32)
„Das hätte ich jetzt nicht gedacht“, sagt Jannes Raasch (32) aus Eilbek zu seinem Ergebnis beim Wahl-O-Mat.

Außerdem ist eine Partei, die er nicht gut findet, weit oben in der Ergebnisliste. Welche das ist, will er nicht sagen. „Das habe ich nicht erwartet“, so der Filmproduzent.

Claudia Gerber (42) aus Barmbek-Süd tendiert vor der Durchführung der Wahlentscheidungshilfe ebenfalls zu den Grünen. Ihr Ergebnis ist weniger überraschend: Auch der Wahl-O-Mat wirft die Partei auf Platz eins raus. Diese Entscheidungshilfe hat die Hamburgerin schon oft genutzt. Die Inhaberin einer Theaterschule kritisiert jedoch: „Manchmal fehlen mir ein paar Infos zu den Thesen. Man muss dann teilweise intuitiv antworten.“

Claudia Gerber (42)
„Manchmal fehlen mir ein paar Infos zu den Thesen“, sagt Claudia Gerber (42) aus Barmbek-Süd.

Karl-Heinz Schröder (37) favorisiert Rot-Grün. Bei der Beantwortung der Thesen wirkt er nervös. „Ich habe Angst, dass ich irgendwas anklicke, das für Pluspunkte bei einer Partei sorgt, die ich nicht gut finde“, sagt die 37-jährige Servicekraft. „Einige Thesen finde ich unklar formuliert. Ich weiß nicht, was konkret mit ,Fallpauschale in Krankenhäusern‘ gemeint ist“, sagt er. Er googelt. Am Ende hat er bei den Grünen die meiste Zustimmung.

Karl-Heinz Schröder (37)
„Ich habe Angst, dass ich irgendwas anklicke, das für Pluspunkte bei einer Partei sorgt, die ich nicht gut finde“, sagt Karl-Heinz Schröder (37) aus Winterhude.

Barbara Lüsebrink (57) aus Winterhude hat den Wahl-O-Mat bereits am Vortag ausprobiert. Sie hat eine klare Meinung zu diesem System: „Wer wirklich Hilfe braucht bei der Wahlentscheidung, für den ist der Wahl-O-Mat nichts“, sagt die 57-jährige Bürokraft. „Ich finde die Auswahl der Thesen nicht objektiv genug“, sagt Lüsebrink. Sie lässt sich vom Ergebnis des Wahl-O-Mat nicht beeinflussen.

Barbara Lüsebrink (57) aus Winterhude.
„Wer wirklich Hilfe braucht bei der Wahlentscheidung, für den ist der Wahl-O-Mat nichts“, so Barbara Lüsebrink (57) aus Winterhude.

Das könnte Sie auch interessieren: Umfrage: So wollen die Hamburger wählen

Auch Michael Peters (47) aus Winterhude, selbstständig im Finanzbereich, sieht Nachteile. „Die Thesen sind zu vereinfacht formuliert“, so Peters. „Ich nutze den Wahl-O-Mat tatsächlich mit meiner Frau, um mit ihr über bestimmte Themen zu diskutieren. Dafür finde ich ihn sinnvoll. Aber meine Wahlentscheidung beeinflusst das Ergebnis nicht“, sagt er. Sein Ergebnis: Am meisten stimmte er mit den Thesen der Satire-Partei „Die Partei“ überein – was ihn überraschte.

Michael Peters (47)
„Ich nutze den Wahl-O-Mat tatsächlich mit meiner Frau, um mit ihr über bestimmten Themen zu diskutieren. Dafür finde ich ihn sinnvoll“, sagt Michael Peters (47).

Eines ist erkennbar: Die Meinungen zum Wahl-O-Mat gehen auseinander, die Ergebnisse sind teils überraschend. Auf jeden Fall ist das Programm erfolgreich: Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren wurde es rund 15,7 Millionen Mal genutzt – so oft wie nie zuvor.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp