Visualisierung Villa Viva
  • Neues Hotel von Viva con Agua: So soll die „Villa Viva“ im Münzviertel einmal aussehen
  • Foto: Tim Erdmann

Im Schlaf Gutes tun: Viva con Agua baut ein Hotel in Hamburg

Ein Hotel, zwölfeinhalb Stockwerke hoch, mit einer Dachterrasse im Unterwasser-Ambiente, mit Suiten designed von Chef-Styler Jan Delay und Barbara Schöneberger, mit künstlerisch gestalteten Doppelzimmern und einer „Camping Etage“, die Betten für kleines Geld anbietet – es ist ein spektakuläres Bauprojekt, für das „Viva con Agua“ gestern den Startschuss gab. Der Clou: Die Gäste der „Villa Viva“ fördern mit jeder Übernachtung und jedem Besuch im Hotelrestaurant Wasserprojekte auf der ganzen Welt.

„,Viva con Agua‘, sind das nicht die, die auf Festivals die Pfandbecher als Spenden einsammeln und davon Brunnen bauen?“, mag man sich angesichts des spitzwinkeligen Hochhauses fragen, das in den kommenden zwei Jahren auf einem winzigen, dreieckigen Grundstück im Münzquartier (Hammerbrook) in den Himmel wachsen wird. Was haben die Wasserleute plötzlich mit Hotels zu tun? Tatsächlich soll das „Gasthaus“, wie „Viva con Agua“-Gründer Benjamin Adrion das Projekt liebevoll nennt, die vierte Geldquelle des sozialen Unternehmens werden, neben Mineralwassser („laut&leise“), Klopapier („Goldeimer“) und dem Kunstverkauf über die Millerntor-Gallery quasi ein Hochhaus, das Brunnen baut.

Gruppe auf Baustelle
Auf dem Grundstück im Münzviertel: „Viva con Agua“-Geschäftsführerin Carolin Stüdemann, Gründer Benny Adrion (Mitte) mit Jens Sroka Inhaber von „Heimathafen“-Hotel. Ganz rechts: Finanzsenator Andreas Dressel (SPD).

Das „Gasthaus“ am Schultzweg wird sich hinter einer Fassade aus reycyelten Aluminiumstreben in die Höhe recken, ein Hotel mit 139 Zimmern, mit einer Rezeption, die „Zauberkiosk“ heißt und einer „Roof Drop Bar“ mit Whirlpool auf dem Dach. Die Übernachtungspreise werden zwischen 19,95 Euro (Bett mit Gemeinschaftsbad auf der Campingetage) bis zu 300 Euro für die „Suite Dicke Hose“ liegen. „Wir hoffen, dass wir unsere Gäste inspirieren“, sagt„ Viva con Agua“-Geschäftsführerin Carolin Stüdemann.

„Viva con Agua“ baut Hotel in Hamburg

„Vom Hotelbetrieb haben wir natürlich keine Ahnung“, sagt Sozialunternehmer Adrion, früher Profi beim FC St. Pauli und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Die Ahnung vom Hotelbetrieb steuert Jens Sroka bei, Geschäftsführender Inhaber von „Heimathafen Hotels“ und bisher bekannt für entspannte (und sehr gut gebuchte) Surferhotels im Stil der amerikanischen Ostküste. Es ist die Fortführung einer langen Zusammenarbeit: In den Heimathafen-„Beach Motels“ in St. Peter Ording und Heiligenhafen gibt es schon seit Jahren „Viva con Agua-“-Suiten.

Die „Wahnsinnsidee“ (Jens Sroka) zu dem sozialen Hotelprojekt stammt von Hamburgs bekanntestem Bauunternehmer Dieter Becken, der direkt neben der zukünftigen „Villa Viva“ ein zehngeschossiges Bürogebäude hochzieht, für den letzten Zipfel des dreieckigen Filetgrundstücks in Hauptbahnhofsnähe keine Verwendung hatte – und schon vor fünf Jahren „Viva con Agua“ samt „Heimathafen“ mit ins Boot holte für die städtische Ausschreibung. Die Stadt zeigte sich begeistert.

„Wir sind sehr happy über die tolle Partnerschaft“, sagt Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), der zum Startschuss zur Baustelle gekommen ist und das Hotel-Hochhaus als „Leuchtturm der Gemeinwohlökonomie“ lobt. Den Eindruck, die Stadt hätte teuren Baugrund an die Wasser-Aktivisten verschenkt, will Dressel aber sichtlich vermeiden: „Ein rein kapitalorientiertes Unternehmen hätte dieses Grundstück abgelehnt.“ Zu winzig, zu spitz zulaufend, das Grundwasser zu hoch.

Visualisierung Villa Viva
Neues Hotel: So soll die Villa Viva von „Viva con Agua“ im Münzviertel einmal aussehen.

Trotz des ermäßigten Kaufpreises – für „Viva con Agua“, den gemeinnützigen Verein, ist das Hotelprojekt eine gigantische Investition. Umso stolzer ist Benjamin Adrion, wenn er verkündet: „Wir haben nicht einen Cent aus Spenden dafür verwendet.“

„Viva con Agua“-Hotel: Geld von prominenten Unterstützern

Das Eigenkapital in Höhe von 5,5 Millionen Euro hat die „Shareholder Gang“ aufgebracht. „Investoren“, würden die Geldgeber bei anderen Projekten heißen, Benjamin Adrion spricht von „Freunden“. 16 engagierte Hamburger und Hamburgerinnen aus Kultur und Sport, darunter Promis wie HipHopper Jan Delay, Bela B. (Die Ärzte), die Braun-Zwillinge vom Miniaturwunderland und der frühere Fußball-Nationalspieler Kevin Kuranyi haben das Geld „in den Topf geworfen“.

67 Prozent des Investments gehen direkt an „Viva con Agua“, um das Hotel dauerhaft gemeinnützig zu betreiben: Von den Gewinnen der „Villa Viva“ werden weltweit Trinkwasserbrunnen und Sanitäranlagen gebaut. Den Rest erhalten die Geldgeber frühestens 2039 zurück.

In der „Villa Viva“ werden die Gastgeber selbst vor Ort sein: „Viva con Agua“ und „Heimathafen“-Hotels werden ihre Zentralen in das Hochhaus verlegen. Es ist nicht das erste Hotelprojekt der Brunnen-Aktivsten: Die erste „Villa Viva“ hat vor wenigen Tagen in Kapstadt eröffnet.

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