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Martin Saal (2.v.l), Vorsitzender Richter, und Richard Uhle (r), Rechtsanwalt, stehen im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichts Hamm.
  • Richter Martin Saal (2.v.l), verhandelte am Oberlandesgericht Hamm einen Facebook-Vergleich eines Hamburger Polizisten mit der SS.
  • Foto: dpa | Dieter Menne

„Verbrechen verharmlost“: Hamburger Polizist wehrt sich gegen SS-Vergleich

Unsäglich, verharmlosend, kein Beitrag zur Meinungsbildung: Das Oberlandesgericht Hamm hat klare Worte zu einem Vergleich der Polizei mit der SS, der „Schutzstaffel“ des Nazi-Regimes, gefunden. Ein Beamter aus Hamburg muss sich ein entsprechendes Posting bei Facebook nicht gefallen lassen.

Ein Corona-Leugner aus Paderborn muss zu Recht eine Geldstrafe für das Posten einer Fotomontage auf seiner öffentlichen Facebookseite zahlen. Darauf war im November 2020 jeweils halbseitig ein Foto des Hamburger Pressesprechers der Polizei und SS-Obersturmführer Werner Ostendorff mit SS-Abzeichen und Totenkopf zu sehen. Das Urteil des Oberlandesgerichts im westfälischen Hamm ist rechtskräftig. Möglich wäre aber noch eine Verfassungsklage gegen die Entscheidung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (Az.: 4 ORs 46/23).

OLG Hamm: Vergleich von Hamburger Polizist und SS verboten

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts hat das Landgericht Paderborn in der Vorinstanz zu Unrecht nicht erkannt, dass es sich hier um das verbotene Zeigen von verfassungsfeindlichen Kennzeichen handelt. Laut Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs soll durch das Verbot das Wiederbeleben dieser Zeichen in der Öffentlichkeit verhindern werden. „Und in dem vorliegenden Fall haben wir es nicht mit einem Ausnahmefall zu tun“, sagte der Vorsitzender Richter Martin Saal in der Urteilsbegründung.

Mit dem Vergleich der Polizei mit der SS würden die Verbrechen der SS relativiert und verharmlost, führte das Gericht weiter aus und sprach von einem kommunikativen Tabu. Der Polizeibeamte müsse diese Beleidigung nicht hinnehmen.

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Dem Mann aus Paderborn habe die Montage zwar nicht selbst gefertigt. Aber gerade bei schriftlichen Äußerungen sei mehr Vorsicht geboten, erst Recht bei Postings in den Netzwerken. Die Fotomontage, das den Sprecher der Hamburger Polizei während des G20-Gipfels zeigt, war im Internet vielfach gepostet worden.

Diese anprangernden Fotos würden von vielen Menschen gesehen und „wie wir wissen, können diese auch nicht mehr komplett aus dem Internet gelöscht werden“, sagte Saal. Er sprach von einem unsäglichen Vergleich mit einem SS-Verbrecher, der kein Beitrag zur Meinungsbildung in der Corona-Pandemie gewesen sei. Ein direkter Zusammenhang sei auf der Fotomontage mit den Entscheidungen in der Politik nicht erkennbar gewesen. (dpa/mp)

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