• Ist zum Corona-Sprecher des Tropeninstituts geworden: Professor Jonas Schmidt-Chanasit
  • Foto: Florian Quandt

Trotz aller Anstrengungen: Lockdown wirkt nicht – Hamburger Virologe hat eine Vermutung

Im Interview mit der „Zeit“ hat der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit darüber gesprochen, warum der aktuelle Lockdown nicht so wirkt wie prognostiziert und aller Anstrengungen zum Trotz die dritte Welle anrollt. Auch er selbst steht als möglicher Verantwortlicher oft in der Kritik.

Hamburg und ganz Deutschland sind seit vier Monaten im Lockdown, trotzdem stagnierten die Zahlen, steigen sogar leicht wieder. Schmidt-Chanasit betont, dass sich die Gründe dafür ohne kontrollierte Studien nicht so einfach beantworten ließen. Trotzdem hat er eine Vermutung.

Corona in Hamburg: Das sagt Schmidt-Chanasit zum Lockdown

„Ich glaube, das ist exakt einfach die Grenze, die man mit den Mitteln des Rechtsstaats schlicht im Winter nicht unterschreiten kann. Denn unsere Bürger leben selbstbestimmt, ein gewisser Anteil lässt sich seine Freiheitsrechte nicht so stark einschränken, wie gerade verlangt“, sagte der Virologe der „Zeit“.

Modellrechnungen seien ein wichtiges Instrument, würden von der Politik aber überstrapaziert. Das Leben sei kein Modell, dort lebten echte Menschen. „Sie verhalten sich oft anders, als wir vorher denken oder modellieren“, sagt er.

Als Gegner eingestuft: Schmidt-Chanasit wehrt sich gegen Vorwürfe

Gleichzeitig wehrt sich Schmidt-Chanasit in dem Interview gegen die Vorwürfe, er habe hinter den Kulissen dafür gesorgt, dass der Lockdown im November nur light ausfiel. Die Beschlussvorlage für den Lockdown sei schon Tage vor dem unter anderem von ihm veröffentlichten „Positionspapier von Wissenschaft und Ärzteschaft zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie“ fertig gewesen.

Im Nachhinein sei der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Positionspapiers aber unglücklich gewählt gewesen. Bis heute würde er nun in die Schublade der Maßnahmen-Gegner sortiert. „Dabei war keiner von uns gegen den Lockdown“, stellt er klar. Es sollte nur das allerletzte Mittel sein.

Corona in Hamburg: Masken beim Joggen in keinem Verhältnis

Maskenpflicht beim Joggen, wie sie der Senat an einigen Plätzen eingeführt hatte, beurteilt er als nicht verhältnismäßig. Solche Maßnahmen riskierten, die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen. Stattdessen müsse man die Corona-müden Menschen abholen und ihnen ein Angebot machen. Die Öffnung von Kitas, Schulen und Kultur sei mit einer konsequent geplanten Testoffensive möglich.

Corona-Lockerungen: Das hat der Corona-Gipfel beschlossen

„Wenn man Öffnungen mit überwachten Selbsttest verknüpft, als Eintrittskarte ins Restaurant oder die Kita, dann lernen die Menschen, wie man die Tests anwendet.“ Dann würden sie sie später ganz selbstverständlich auch in ihrem privaten Leben richtig einsetzen.

Am Mittwochabend hatte der Corona-Gipfel der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen, jedem Bürger pro Woche mindestens einen Gratis-Schnelltests zur Verfügung zu stellen. (aba)

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