Helene Froriep vor ihrem Laden
  • Helene Froriep lachend vor ihrer Reinigung. Dieses Foto entstand im Jahr 2007.
  • Foto: Florian Quandt

Jeder kannte sie: Trauer um die Königin des Grindelviertels

Sie hatte eine ziemlich große Klappe. Und ein noch viel größeres Herz. Jeder kannte sie. Und sie kannte jeden – inklusive vieler kleiner Geheimnisse. Nun herrscht im Grindelviertel Trauer: Helene Froriep, langjährige Betreiberin der Reinigung im Grindelhof 66 und von den Anwohnern heiß geliebt, ist tot. Sie starb im Alter von 82 Jahren.

Einige nannten sie die Königin des Grindelviertels, andere die Bürgermeisterin. Sie war ein echtes Original, sie trug ihr Herz auf der Zunge und sorgte damit für beste Unterhaltung. Zum frisch gereinigten Oberhemd gab es bei der Abholung oft einen Spruch dazu, gern auch deftig. Junge Männer hörten schon mal den Ratschlag, bei nächtlichen Abenteuern an Kondome zu denken. Andere bekamen an den Kopf geworfen, dass ihre neue Frisur fürchterlich aussehe. Typisch Helene eben.

Hamburg: Die Königin des Grindelviertels ist tot

In der Reinigung „Kleiderbad Grindelhof“ stand sie seit 1960 hinter dem Tresen, täglich ab 5.30 Uhr war sie da. „Die frühe Zeit macht mir nichts aus. Da kommen die schönsten Männer“, bemerkte sie trocken, als die MOPO sie im Jahr 2007 für ein Porträt besuchte.


Starten Sie bestens informiert in Ihren Tag: Der MOPO-Newswecker liefert Ihnen jeden Morgen um 7 Uhr die wichtigsten Meldungen des Tages aus Hamburg und dem Norden, vom HSV und dem FC St. Pauli direkt per Mail. Hier klicken und kostenlos abonnieren.


Das Geschäft der resoluten Frau, die gern markante Brillen trug, war so etwas wie die Nachrichtenzentrale im Viertel. Helene Froriep wusste, wer bald wegzieht, wer Kummer hatte und auch, wer fremdging. „Da bleib ich dann aber lieber still“, sagte sie der MOPO damals.

Erinnerung an Helene Froriep
Im Schaufenster der Reinigung steht diese Erinnerung an die Chefin.

Die Bewohnerin liebten ihre Königin aber auch dafür, dass sie so ein weiches Herz hatte. Kindern steckte sie oft etwas Süßes zu. Sie sammelte Geld für obdachlose Frauen und Puppen für ein Pflegeheim. Und als einmal jemand aus dem Viertel seine Miete nicht bezahlen konnte, überredete sie ihre Kunden zu Spenden.

Das könnte Sie auch interessieren: Stiftung Bornplatzsynagoge wird gegründet

Nun hat sie ihr Reich verlassen. Helene Froriep starb am 16. Oktober nach schwerer Krankheit in einem Hospiz in Bardowick (Landkreis Lüneburg). Im Schaufenster der Reinigung erinnern ein Strauß Blumen und ein Foto an sie. Die Menschen aus dem Grindelviertel werden ihre Königin nie vergessen.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp