Bornplatzsynagoge in Hamburg
  • Die Bornplatzsynagoge wurde 1906 eingeweiht und 1938 von Nazis geschändet und in Brand gesetzt. Ihre Ruine wurde 1939 abgerissen – auf Kosten der jüdischen Gemeinde.
  • Foto: Staatsarchiv Hamburg

Stiftung Bornplatzsynagoge: Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit

Wann wird im Grindelviertel wieder eine Synagoge stehen? Das scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Jüdische Gemeinde in Hamburg hat am Freitag die Gründung einer Stiftung zum Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge verkündet und gleichzeitig eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Damit ist das Projekt einen bedeutenden Schritt weiter gekommen.

Wie groß wird die Synagoge? Wie viele Plätze wird sie haben? Wie viele Gebäude? Muss der Weltkriegsbunker am Rande des Joseph-Carlebach-Platzes dafür weichen oder nicht? All das sind Fragen, die noch niemand beantworten kann. Mit ihnen wird sich das Architekturbüro Wandel Lorch Götz Wach aus Frankfurt in den kommenden Monaten befassen. Es wurde von der Jüdischen Gemeinde mit der Machbarkeitsstudie beauftragt und hat viel Erfahrung in dem Bereich. Auch die Neue Synagoge in Dresden, die Synagoge in Bayreuth und das Jüdische Zentrum am Jakobsplatz in München wurden nach den Entwürfen der Frankfurter gebaut. In Hamburg stammt unter anderem das Ökumenische Forum in der HafenCity aus der Hand der Architekten.

Bornplatzsynagoge als Begegnungsstätte für Gläubige und Nichtgläubige

„Es sind noch viele Schritte notwendig, bis auf dem Platz wieder ein Haus steht. Ein Haus, dem drei Generationen fehlen“, erklärte Professor Wolfgang Lorch am Freitag in der Aula der Talmud-Tora-Schule, der eigens aus Frankfurt angereist war. Ziel sei es, nicht nur einen Sakralbau zu errichten, sondern ein Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg, das zum einen in Symbiose mit der jüdischen Schule gleich nebenan steht, zum anderen eine offene Begegnungsstätte ist sowohl für weniger gläubige Juden, für liberale Juden wie auch für nichtjüdische Hamburger.

Eli Fel, zweiter Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, erklärte: „Es soll nicht nur ein religiöser Ort sein, sondern auch ein sozialer Ort. Ein offener Ort für Mitglieder und Nichtmitglieder.“ Um die verschiedenen Strömungen innerhalb der Jüdischen Gemeinde unter ein Dach zu bekommen, wolle man auch eine räumlich getrennte Möglichkeit für die Liberale Jüdische Gemeinde schaffen, die bisher keinen sakralen Raum in der Stadt hat.

Hamburg: Neue Bornplatzsynagoge wird kleiner als das Original

Klar ist nur: So groß wie die 1906 eingeweihte und von den Nazis zerstörte Bornplatzsynagoge mit ihren 1200 Sitzplätzen wird der Neubau nicht werden. Angesichts der rund 2500 Gemeindemitglieder wäre das überdimensioniert. Viel wird davon abhängen, welche Grundstücksfläche für das Gebäude zur Verfügung stehen wird. Der Abriss des Bunkers ist noch nicht vom Tisch.

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„Wir wollen Feste feiern und einfach glücklich sein in unserer Stadt“, betonte auch Daniel Sheffer, Initiator der Kampagne für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge. Ziel sei es, jüdisches Leben in Hamburg sichtbar zu machen, um so den immer wieder aufflammenden Antisemitismus zu bekämpfen.

Und Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD), die neben Vertretern der Jüdischen Gemeinde, des Zentralrats der Juden und Vertretern von Bund und Ländern Teil der neugegründeten Stiftung ist, ergänzte: „Es ist unser Selbstverständnis als freie und offene Stadtgesellschaft zu zeigen, dass hier kein Platz für Rassismus und Intoleranz ist. Die neue Bornplatzsynagoge steht dafür als Symbol.“


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Hamburg habe es 76 Jahre lang versäumt, die zerstörte Synagoge durch einen repräsentativen Bau zu ersetzen. Jetzt sei die Zeit gekommen. Veit: „Die Bornplatzsynagoge soll wieder ein Wahrzeichen im Herzen unserer Stadt sein.“

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