Dieser Entwurf für die Neue Bornplatzsynagoge vereint Neubau und Mahnmal.
  • Dieser Entwurf für die Neue Bornplatzsynagoge vereint Neubau und Mahnmal.
  • Foto: Axel Spellenberg/hfr

„Tragödie wird untergraben“: Heftiger Protest aus Israel gegen Synagogen-Neubau

Rotherbaum –

Die Pläne zum Neubau der Synagoge am Joseph-Carlebach-Platz in Rotherbaum ziehen immer mehr Kritik auf sich. Bereits im Dezember wurde eine Stellungnahme veröffentlicht, in der acht Experten Argumente gegen den historisierenden Neubau und für eine breite Diskussion vorbrachten. Jetzt regt sich auch in Israel Widerstand – 45 Historiker, Künstler und Bürger mit Wurzeln in der Hansestadt unterschrieben neuerlich eine Stellungnahme: Ein Neubau würde „die Tragödie, die von den Nazis verübt wurde, untergraben“.

Initiator ist der Antisemitismusforscher Moshe Zimmermann aus Jerusalem, der einst selbst in Hamburg lebte und die Stellungnahme im Dezember ebenfalls unterschrieb. Er suchte in Israel nach weiteren Unterstützern für seinen Vorstoß. In dem Schreiben, welches der MOPO vorliegt, heißt es: „Wir möchten unseren Widerspruch bekunden, auf dem Joseph-Carlebach-Platz, dem einstigen Bornplatz, eine Synagoge zu errichten, die der großen und gewaltigen, von den Nazis zerstörten Synagoge nachempfunden ist – an dem Ort, an dem derzeit eine beeindruckende Gedenkstätte existiert.“

Grindelviertel: Protest aus Israel gegen Synagogen-Neubau

Unter den Unterzeichnern befinden sich mehrere renommierte Historiker sowie der langjährige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, oder der bekannte Künstler Micha Ullmann, der unter anderem das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte schuf.

Die Bornplatzsynagoge in Hamburg, erbaut 1906

Die Bornplatzsynagoge wurde 1906 eingeweiht und 1938 von Nazis geschändet und in Brand gesetzt. Ihre Ruine wurde 1939 abgerissen – auf Kosten der jüdischen Gemeinde.

Foto:

Staatsarchiv Hamburg

Bereits der Slogan „Gegen Antisemitismus – Für die Bornplatzsynagoge“ sei falsch und missverständlich heißt es im Schreiben, das an die israelische Botschaft in Berlin, die jüdische Gemeinde in Hamburg und den Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gerichtet ist. Ein Gebäude habe nichts mit einer antisemitischen Haltung zu tun, heißt es im Schreiben. Ebenso seien Gegner des Wiederaufbaus nicht gleichzusetzen mit Antisemiten.

Forderung: Synagogen-Neubau am Bornplatz muss gestoppt werden

Die Tatsache, dass die derzeitige Gedenkstätte am Bornplatz für den Wiederaufbau der Synagoge weichen müsste, sehen die Unterzeichner kritisch. Ein Neubau würde „die Tragödie, die von den Nazis verübt wurde, untergraben“, heißt es im Schreiben. Die Kritiker stellen das Ziel der Sichtbarmachung jüdischen Lebens in Frage und geben zu bedenken, ob es nicht sinnvoller sei, die Gelder in zweckdienlichere Projekte für die jüdische Gemeinschaft zu stecken – denn eine Synagoge, die an der Hohen Weide, würde es für die religiösen Bedürfnisse in Hamburg bereits geben.

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Sollte dennoch der Wunsch nach einer weiteren Synagoge bestehen, solle ein anderer Standort ermittelt werden. Das Denkmal der Künstlerin Margrit Kahl soll erhalten bleiben. Sie hatte 1988 am Bornplatz ein Bodenmosaik erschaffen, der dem Umriss der Synagoge nachempfunden ist. Die Leere dieses Ortes soll den Verlust der Synagoge symbolisieren. Der Appell der Unterzeichner an die Politik ist eindeutig: Die derzeitige Initiative muss gestoppt und geeignetere Mittel gefunden werden, um die Bedürfnisse der Gemeinde zu erfüllen. (sr)

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