Die Susannenstraße aus dem Hamburger Schanzenviertel: 17,3 Prozent der Hamburger Straßennamen sind weiblich.
  • Die Susannenstraße aus dem Hamburger Schanzenviertel: 17,3 Prozent der Hamburger Straßennamen sind weiblich.
  • Foto: dpa, Axel Heimken

Straßen nach Frauen benannt: Hamburg hat dabei nicht immer ein glückliches Händchen

Hamburg will die Frauenquote erhöhen – und bei den Straßennamen kommt der rot-grüne Senat da voran: Der Anteil weiblicher Straßennamen ist in den vergangenen fünf Jahren von 14,3 auf 17,3 Prozent gewachsen. Im Jahr 2020 seien 2540 Straßen und Plätze nach Männern und 440 nach Frauen benannt gewesen, teilte der Senat auf eine Kleine Anfrage der Grünen mit. Nicht immer hatte die Stadt dabei ein glückliches Händchen.

2015 trugen in Hamburg 2500 Verkehrsflächen männliche Namen, 357 weibliche. Es sei das grundsätzliche Ziel, mehr Straßen, Plätze und Brücken nach Frauen zu benennen, erklärte der rot-grüne Senat. Etwa ein Drittel aller benannten Verkehrsflächen sind Personen gewidmet.

Hamburg: Benennung einer Straße führte zu Problem

Zwischen 2015 und 2020 bekamen in Hamburg 302 neue Straßen einen Namen, 27 Straßen wurden umbenannt. Das Ziel, verdiente Frauen zu ehren, steht dabei in Konkurrenz zu anderen Kriterien. Die Namensgeber sollen nach Angaben des Senats nicht NS-belastet sein und auch in der Kolonialzeit nach heutigem Verständnis moralisch korrekt gehandelt haben.

Im Bezirk Bergedorf führte das 2016 zu einem Problem. Auf Vorschlag des Bezirks wurde eine Straße nach der örtlichen Landwirtin Irmgard Pietsch (1913-1992) benannt. Wenig später stellte sich heraus, dass die Namensgeberin 1937 in die NSDAP eingetreten war. Dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg den Deutschen Landfrauenverband mitbegründet und 1990 noch einen Bundesverdienstorden bekommen hatte, fiel nicht ins Gewicht.

Hamburg: In diesem Jahr noch keine Straßentaufe

Noch im selben Jahr wurde die Straße in Fritz-Bringmann-Ring umbenannt. Bringmann (1918-2011) war Klempner, Kommunist und als Widerstandskämpfer im KZ-Neuengamme inhaftiert. Nach dem Krieg engagierte er sich in der später verbotenen KPD.

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In diesem Jahr gab es noch keine Straßentaufe. Allerdings soll demnächst die Elbpromenade am Hafen nach dem Schauspieler Jan Fedder (1955-2019) benannt werden. Damit stiege  die Zahl der männlichen Namensgeber – allerdings auf ausdrücklichen Wunsch einer Frau, nämlich den von Fedders Witwe Marion, wie der Sprecher der Kulturbehörde Enno Isermann sagte. (dpa) 

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