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Leon Alam erhielt fast 85 Prozent der Delegiertenstimmen – seine Co-Vorsitzende Maryam Blumenthal bekam sehr viel mehr Gegenwind.
  • Leon Alam erhielt fast 85 Prozent der Delegiertenstimmen – seine Co-Vorsitzende Maryam Blumenthal bekam sehr viel mehr Gegenwind.
  • Foto: picture alliance/dpa | Jonas Walzberg

Wahl-Klatsche für Hamburgs Grünen-Chefin

Seit über 20 Jahren haben ausschließlich Frauen an der Spitze der Hamburger Grünen gestanden. Jetzt gibt es wieder ein gleichberechtigtes Führungsduo. Doch es gibt ein Problem: Maryam Blumenthal scheint in der eigenen Partei nicht besonders beliebt zu sein.

Erstmals seit 2001 haben die Hamburger Grünen wieder eine offizielle Doppelspitze. Eine Landesmitgliederversammlung bestätigte am Samstag die Landesvorsitzende Maryam Blumenthal und wählte ihren bisherigen Stellvertreter Leon Alam zum gleichberechtigten Parteichef. Das Duo wird die Hamburger Grünen in die Bezirks- und Europawahlen im Juni nächsten Jahres führen. 2025 steht die nächste Bürgerschaftswahl an.

Hamburg: Nach 22 Jahren wieder Doppelspitze

Die Grünen regieren Hamburg seit 2015 in einer Koalition mit der SPD. Die letzte Doppelspitze der Partei bildeten bis Oktober 2001 Kurt Edler und Antje Radcke. Dann folgten Kristin Heyne, Anja Hajduk, Katharina Fegebank und Anna Gallina als alleinige Vorsitzende.

Blumenthal bekam auf dem Parteitag im Bürgerhaus Wilhelmsburg 150 von 255 abgegebenen Stimmen, was 58,8 Prozent Zustimmung bedeutet. 76 Mitglieder votierten gegen die 37-jährige Lehrerin und Bürgerschaftsabgeordnete, 28 enthielten sich und eine Stimme war ungültig.

Die 37-jährige Lehrerin und Bürgerschaftsabgeordnete nahm die Wahl an. Alam erhielt 224 von 265 abgegebenen Stimmen, was 84,5 Prozent entspricht. Damit schnitt er deutlich besser ab als Blumenthal. Es gab keine Gegenkandidaten.

Wahl: 26-Jähriger war Sprecher der Grünen Jugend

Blumenthal wurde in Teheran geboren und kam mit ihrer Familie als Kind nach Deutschland. Sie studierte nach eigenen Angaben Erziehungswissenschaft, Ethnologie und Psychologie. Die 37-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2020 sitzt sie in der Bürgerschaft und führt den Landesverband der Grünen. Im vergangenen Oktober hatte sie in einer sehr emotionalen Rede in der Bürgerschaft zur Solidarität mit dem „mutigen Widerstand“ im Iran aufgerufen.

Alam wuchs nach eigenen Angaben in Hamburg auf. Der Politikstudent war 2017 in die Partei eingetreten. „Der Kampf gegen Rechts im Zuge des Einzugs der AfD in den Bundestag hat ihn dazu bewogen“, heißt es auf der Website des 26-Jährigen. Zwischen 2019 und 2021 war Alam Landessprecher der Grünen Jugend Hamburg.

Auf eine Frage nach seiner Haltung zu den polizeilichen Maßnahmen gegen Aktivisten der „Letzten Generation“ bekundete er am Samstag sein Verständnis für Kritik an den Protestaktionen. Er fügte aber hinzu: „Wo wir nicht drüber streiten können, ist darüber, dass Aktivisten, Aktivistinnen ihre Arbeit machen dürfen und müssen, ohne dafür in der Art und Weise verfolgt zu werden.“ Die Vorwürfe von wegen einer terroristischen Vereinigung seien absolut haltlos.

Eine Milliarde Euro für ökologischen Umbau der Wirtschaft

Vor der Vorstandswahl hatte die Mitgliederversammlung über das Thema Wirtschaft debattiert. Die Anwesenden beschlossen einen Antrag, nach dem in den nächsten Jahren der ökologische Umbau der Hamburger Wirtschaft mit einer Milliarde Euro gefördert werden soll. Die Grünen würden Deutschlands Wirtschaft in die Zukunft führen wollen, sagte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. „Wir wissen auch, wie es geht“, fügte sie hinzu.

Klimaneutralität, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit gehörten zusammen. Klimaforscher sagten voraus, dass ohne ein Umsteuern im Jahr 2100 wegen Überschwemmungen kein Leben mehr an den norddeutschen Küsten möglich sein werde. „Klima und Wohlstand sind kein Gegensatz, sie bedingen einander“, betonte Fegebank, die auch Wissenschaftssenatorin ist.

Nach den Worten von Umweltsenator Jens Kerstan führt die Energiewende zu einem neuen Wirtschaftssystem. Seine Behörde betreibe zusammen mit der Wirtschaft Klimaschutz ohne Wenn und Aber. „Als Klima- und Energieminister/Senator in dieser Stadt bin ich eigentlich der wahre Wirtschaftssenator“, sagte Kerstan unter Applaus. Wo immer die Industrie Probleme mit Energie, Anlagen oder Genehmigungsverfahren habe, wende sie sich an seine Umweltbehörde. „In der Krise saßen die alle bei uns, und nicht bei unserem Koalitionspartner“, sagte Kerstan unter Anspielung auf Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD).

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„Die Forderung nach mehr städtischen Investitionen für den klimaneutralen Umbau unserer Industrie ist richtig und dringend notwendig“, erklärte der Vorsitzende des Industrieverbands Hamburg, Matthias Boxberger. Er freue sich, dass die Grünen eine neue Nachdenklichkeit und Dialogbereitschaft in Sachen wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit zeigten. (dpa/mp)

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