• Detlef und Gritta Bremecker (beide 68) fürchten um ihre Existenz.
  • Foto: Patrick Sun

Steht Jan Fedders Lieblingskneipe vor dem Aus?

Sie gehört zur Neustadt wie der Michel oder das Hummel-Denkmal: die Traditionsgaststätte „Dreyer“ in der Martin-Luther-Straße. In zwei Jahren könnte sie ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Doch das Jubiläum ist in Gefahr: Der Drehort des „Großstadtreviers“ und Stammkneipe von Jan Fedder steht vor dem Aus.

Schräge Werbefiguren, Uralt-Radios, Schiffsmodelle und sage und schreibe 376 Uhren befinden sich in dem urigen Ecklokal im Schatten des Michels. Auf einem Schild steht: „Hier findet betreutes Trinken statt.“

Die Gaststätte „Dreyer“ befindet sich an der Ecke Martin-Luther-Straße/Teilfeld.
Die Gaststätte „Dreyer“ befindet sich an der Ecke Martin-Luther-Straße/Teilfeld.

Jan Fedder stand hier von 2006 bis 2018 als Polizist Dirk Matthies für die TV-Serie „Großstadtrevier“ vor der Kamera. Mehr noch, er kam auch regelmäßig privat auf ein Bierchen vorbei und freundete sich mit den Wirtsleuten an. Beim „Großstadtrevier“ stand Kultfigur „Big Harry“ alias Harry Schmidt (60) hinterm Tresen. Im wirklichen Leben aber schmeißt das Ehepaar Bremecker seit 20 Jahren den Laden, der nicht nur Kneipe, sondern irgendwie auch Sozialstation ist.

Historische Einrichtung der Gaststätte „Dreyer“ soll verkauft werden

Wirtin Gritta Bremeckers Stimme wird weich, wenn die 68-Jährige sich an den 2019 verstorbenen Jan Fedder erinnert: „Jan war ein toller Typ, ein echter Freund.“ Auch für die „Tatort“-Folge „Die Feigheit des Löwen“ mit Wotan Wilke Möhring wurde im Lokal 2014 gedreht. Die Atmosphäre bei „Dreyer“ hat die Filmleute fasziniert. Doch genau die ist jetzt akut in Gefahr.

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Der MOPO schilderte Wirt Detlef Bremecker das Problem: „Wir sind hier nicht Hauptmieter. Das ist eine Firma für Gaststätteneinrichtungen und die hat vor gut 30 Jahren die historische Einrichtung für 10.000 Mark erworben.“ Jetzt soll der Wirt Hauptmieter werden, doch der Besitzer der Einrichtung droht damit, so der Wirt, die Einrichtung herauszureißen, um sie in einem anderen Lokal einzubauen.

Die Gaststätte ist 1923 von einer Frau Hauschild (geb. Dreyer) eröffnet worden.
Die Gaststätte ist 1923 von einer Frau Hauschild (geb. Dreyer) eröffnet worden.

„Aus Geldgier soll ein Stück Hamburger Stadtteilgeschichte zerschlagen werden“

Dann habe der Vertreter des Unternehmens den Wirtsleuten die Einrichtung angeboten – für 30.000 Euro. Doch das ist viel zu viel für die von Corona gebeutelten Neustadt-Gastronomen. Detlef Bremecker wiederum hat 5000 Euro angeboten. Wie er findet, ein sehr faires Angebot für eine Kneipen-Einrichtung, die vermutlich nur ins Lokal „Dreyer“ passt und nirgendwo anders hin.

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Die Gastätteneinrichtungsfirma Eichdorf bestreitet die von Bremecker genannten Summen, bestätigt aber, dass man überlege, die Einrichtung in einer anderen Lokalität einzubauen. Detlef Bremecker klagt: „Aus Geldgier soll hier ein Stück Hamburger Kneipen- und Stadtteilgeschichte zerschlagen werden.“

Im Lokal befindet sich eine kleine Gedenktafel für Schauspiel-Legende Jan Fedder.
Im Lokal befindet sich eine kleine Gedenktafel für Schauspiel-Legende Jan Fedder.

Unterstützung bekommt er von Andreas Fraatz, dem Hauseigentümer. Der Immobilien-Unternehmer ist ein Enkel von Kiez-Legende und „König von St. Pauli“ Willi Bartels (1914-2007). Fraatz sagte der MOPO: „Das Lokal Dreyer ist ein ganz wichtiger Teil der Neustadt, eine Institution. Sie muss in ihrer urigen Form unbedingt erhalten bleiben.“

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