Food-Startup Plakate Hamburg
  • Mit solchen und weiteren Motiven macht „the nu company“ auf Missstände in der Schoko-Produktion aufmerksam.
  • Foto: the nu company

Start-up schockt mit Plakaten in Hamburg – das steckt dahinter

Ein Stückchen Schokolade passt immer noch irgendwie in den Bauch. Bei der Produktion geht es oft jedoch weniger süß zu – sogar Kinderarbeit oder Umweltverschmutzung gehören dazu. Ein Food-Start-up macht in Hamburg jetzt mit deutlichen Plakaten darauf aufmerksam.

„Schokolade sollte Kinder zum Strahlen bringen. Nicht zur Arbeit“, lautet eines der Motive. „Man verkauft nicht die Milch anderer Mütter“ ein anderes. An rund 60 Plätzen in und um Hamburg sind die Plakate aktuell zu sehen. Verantwortlich dafür ist das Start-up „the nu company“ aus Leipzig, das unter anderem vegane und zuckerreduzierte Schokoriegel herstellt.

Food-Start-up fordert Reinheitsgebot für Schokolade

Ziel der Kampagne sei es, ein Bewusstsein für ein „Schokoladenreinheitsgebot“ schaffen. Was sich dahinter verbirgt? Hersteller:innen, fordert das Start-up, sollen sich mehr gegen Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen einsetzen, den Zuckergehalt reduzieren, auf Klimaneutralität achten, Alternativen für tierische Produkte finden, Plastikverpackungen durch recyclebares Material wie Papier ersetzen und vor allem auf natürliche Zutaten setzen.


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Das will „the nu company“ gemeinsam mit Konzernen wie Nestlé, Hachez, Ferrero oder Bahlsen schaffen. „Letztes Jahr haben wir lautstark auf die verheerenden Folgen aufmerksam gemacht, die die Lebensmittelindustrie verursacht. Getan hat sich seitdem viel zu wenig. Deshalb gehen wir dieses Jahr einen Schritt auf große Hersteller zu, um gemeinsam einen neuen Weg einzuschlagen“, sagte Co-Gründer Christian Fenner.

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Allein die Fakten zur Kinderarbeit machen klar, dass Gesprächsbedarf besteht. Allein in Ghana und der Elfenbeinküste arbeiten rund 1,6 Millionen Kinder im Kakaosektor – mit steigender Tendenz. Seit 2008 nahm die Kinderarbeit um 14 Prozent zu. Das zeigt eine Untersuchung der Universität Chicago, die im Herbst 2020 erschienen ist.

Das Harkin-Engel-Protokoll sollte schon vor 20 Jahren ein Zeichen gegen Kinderarbeit setzen. Acht große Produzent:innen, darunter Nestlé oder Mars, verpflichteten sich darin zu konkreten Maßnahmen. Bis 2020 sollte die Kinderarbeit zumindest in ihren „schlimmsten Formen“ um 70 Prozent zurückgehen – eigentlich. Stattdessen würde die Frist immer wieder verlängert und Konsequenzen blieben aus, kritisiert die Kampagne „Aktiv gegen Kinderarbeit“.

Protokoll sollte Kinderarbeit schon 2001 eindämmen

„The nu company“ will nun zumindest einen kleinen Denkanstoß setzen. Als Vorbild könnte dafür Bier dienen, dessen Reinheitsgebot schon seit 1516 gilt. „Wir haben uns gefragt, ob ein solches Manifest nicht auch für andere Produkte funktionieren könnte, damit sie gesundheitliche und nachhaltige Standards erfüllen“, sagte Fenner.

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