Das Café „Bootwagen“
Das Café „Bootwagen“
  • Bisher musste das „Café Bootswagen“, Herzstück des Projektes, oft umziehen.
  • Foto: Stefan Malzkorn

Stadt stimmt zu: Ein Ankerplatz für „Das Boot“ vom Osterbrook

Schluss mit dem „Wanderzirkus“: Das Kulturprojekt „Das Boot“ bekommt ab Mai 2023 einen festen Ankerplatz. Die Stadt verpachtet den Initiatoren eine Fläche direkt an der Bille – zunächst nur für drei Jahre, aber die Begeisterung ist groß. Damit hat auch das beliebte Stadtteilfestival „Osterbrooklyn“ eine feste Heimstatt gefunden.

Eine fast 2000 Quadratmeter große Brachfläche an der Brücke Süderstraße, so verwildert, dass man die dichte Bebauung rundum gar nicht sieht, das soll das neue Zuhause für „Das Boot“ werden – das ja eigentlich kein Boot ist, sondern ein mit Kunstrasen beklebter Camper („der einzige Wohnwagen zum Streicheln“). Als „Café Bootswagen“ steht der bisher im Sommer auf dem Löschplatz am Hammer Deich und bietet an den Wochenenden Kaffee, Kuchen und „Bootswagenkonzerte“ für die Bewohner des kleinen Quartiers zwischen Eiffestraße und Billebecken. Höhepunkt der Konzertsaison ist seit 2017 immer im September das „Osterbrooklyn“, ein kleines, feines Festival mit örtlichen Bands.

Die Indierockband Ballymoon auf dem „Osterbrooklyn“ Festival 2022 am Hammer Deich Stefan Malzkorn
Osterbrooklyn Festival
Die Indierockband Ballymoon spielt auf dem „Osterbrooklyn“ Festival 2022 am Hammer Deich.

Das Problem: Es gab bisher keinen festen Standort für den „Bootswagen“. Der Trägerverein „Boot e.V.“, gegründet von 30 Menschen aus dem Osterbrook, musste immer neue „Sondernutzungsgenehmigungen“ beim Bezirk Mitte beantragen. Und wenn es kalt wurde, kam der „Bootswagen“ ins Winterquartier.

„Damit ist jetzt Schluss“, verkündet Festivalinitiator und „Boots“-Erfinder Stefan Malzkorn hocherfreut: „Ab Februar pachten wir von der Stadt das Wassergrundstück Osterbrookplatz 18. Wir freuen uns riesig.“ Der Traum von einem eigenen Ponton für „Das Boot“ auf der Bille ist zwar ausgeträumt, aber trotzdem: Die Zusage der Zwischenmiete für drei Jahre ist das Ergebnis jahrelanger Beharrlichkeit in den Verhandlungen mit Politik und Verwaltung.

Ab Mai 2023 bekommt das Kulturprojekt „Das Boot“ hier an der Bille einen Ankerplatz. Florian Quandt
Blick auf eine Fläche mit Bäumen, die zukünftig Ankerplatz für „Das Boot“ in Hamburg wird
Ab Mai 2023 bekommt das Kulturprojekt „Das Boot“ hier an der Bille einen Ankerplatz.

Hamburg: Neuer Ort für das Festival „Osterbrooklyn“

Die Fläche, schwärmt Malzkorn, sei „zauberhaft“: „Direkt am Wasser ist Platz für ein wetterfestes, 75 Quadratmeter großes Zelt, das rund ums Jahr stehen bleiben soll, im Sommer fünf Tage die Woche geöffnet, im Winter nur an den Wochenenden.“ Die verwunschene Atmosphäre soll erhalten bleiben: „Die Verwilderung soll nur behutsam ein bisschen gelichtet werden“, so der Initiator. „Wir wollen diesen ruhigen Ort erhalten.“ Das Kulturprogramm soll im Mai starten, zusammen mit dem „Hamburger Architektursommer“.

Stefan Malzkorn, Initiator des „Osterbrooklyn“-Festivals, freut sich über die Zusage der Stadt Patrick Sun
Stefan Malzkorn
Stefan Malzkorn, Initiator des „Osterbrooklyn“-Festivals, freut sich über die Zusage der Stadt

Zunächst will der Verein allen Anwohnern einen sicheren Zugang zu den riesigen Wasserflächen der Bille anbieten: „Wir wollen einen Steg beantragen, an dem gleichzeitig drei Kanus an- und und ablegen können. Nicht Riesiges, aber etwas, was uns allen den Gang aufs Wasser sehr erleichtern wird“, sagt Malzkorn. Der ungefähr zwölf Meter lange Steg soll nicht in die Bille ragen, sondern parallel zum sandigen Bille-Ufer verlaufen: „Da könnte eine Art natürliches Planschbecken für Kinder entstehen.“ Malzkorn, selbst begeisterter Kanute, bietet für den Verein geführte Kanutouren auf der Bille an, durchgeführt mit den 10-Personen-Kanus der Schule Mümmelmannsberg.

Ankerplatz für „Das Boot“: Neubaugebiet direkt nebenan

Die Stadt unterstützt das Projekt auch, weil gleich nebenan, hinter den wilden Büschen, das größte Neubauprojekt des Bezirks Mitte entsteht, die „Osterbrookhöfe“. Eine gigantische Nachverdichtung mit 800 zusätzlichen Wohnungen – da ist ein Angebot von Open-Air-Kultur und Wassersport durch engagierte Anwohner der Stadt sehr willkommen.

Das könnte Sie auch interessieren: Drohende Verschrottung: Wird der Mercedes-Stern doch noch gerettet?

Nach Ablauf der drei Jahre plant die Stadt, dort ein richtiges Wassersportzentrum zu errichten. Möglicherweise. Malzkorn: „Aber auch dort könnten wir mit einziehen.“ Die Bewohner vom Osterbrook haben offenbar einen dauerhaften Ankerplatz gefunden.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp