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Schräger Vorschlag von Wolfgang Schäuble: Kürzere Sommerferien wegen Homeschooling?

Kürzere Sommerferien, um den wegen des Corona-Homeschoolings versäumten Lernstoff nachzuholen: Für diese Idee hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) mächtigen Gegenwind bekommen. Auch in Hamburg hält man nichts von dem Vorschlag.

„Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen“, hatte Schäuble der Zeitung „Augsburger Allgemeine“ gesagt. Sein Argument: Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.

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Für diesen Vorstoß gibt es nun massiven Widerspruch aus allen Richtungen. Lehrergewerkschaften, Kultusminister der Länder, Tourismusverbände: Überall schüttelt man über den Vorschlag aus Berlin den Kopf.

Hamburg setzt statt Ferienverkürzung auf freiwillige Lernangebote

„Ich finde es nicht vernünftig gegenüber Eltern, die wochenlang Homeoffice und für die eigenen Kinder Homeschooling organisiert haben, nun auch noch die Sommerferien einzuschränken“, antwortet Hamburgs Schulsenator Ties Rabe der MOPO auf Nachfrage. „Sinnvoller wäre es, in den Ferien auf freiwilliger Basis Lernangebote für Schülerinnen und Schüler, die das nötig haben, zu organisieren.“

Für Heinz-Peter Meidinger, den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, geht diese Diskussion „zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich fehl“. Michael Rabe, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, hält die Debatte für „unnötig und unverantwortlich“.

Sommerferien verkürzen? Länder gegen Schäubles Vorschlag 

Sogar Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe, ebenfalls ein CDU-Mann wie Schäuble, hält nichts davon: „Damit würde eine Erholung von der Corona-Krise nochmals erschwert.“ Auch von Kultusministern aus Ländern wie Schleswig-Holstein, NRW, Berlin und Bayern wird Schäubles Idee dankend abgelehnt oder auch entschieden kritisiert.

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Zumindest ein Parteifreund Schäubles ist auf der Seite des Bundestagspräsidenten: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigt sich offen für eine Verkürzung der Sommerferien. „Es gibt gute Argumente, die dafür sprechen“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“.

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