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Schlechte Luft trotz Corona-Pause?: Update: Kreuzfahrtschiff nutzt jetzt Landstrom

Die Kreuzfahrt-Branche steht durch Corona still, das ist auch im Hamburger Hafen zu spüren, wo einige der riesigen Schiffe liegen und auf Besserung warten. Was schlecht für die Branche ist, ist nach Ansicht der Hamburger Fraktion „die Linke“ aber auch schlecht für die Umwelt, weil die Abgase der Schiffsmotoren die Luft verpesten würden – trotz eingestellten Betriebs.

Das liege laut eines Sprechers der Partei an den Motoren, die trotz Stillstands weiter liefen, um die großen Schiffe mit Strom zu versorgen. „Die Dieselmaschinen, die da Tag und Nacht im Hafen laufen, sind sehr viel dreckiger als der gegenwärtige Auto- oder LKW-Verkehr“, sagt Norbert Hackbusch, hafenpolitischer Sprecher der Fraktion „die Linke“. 

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„Sie stellen eine besondere Belastung an Stickoxiden und Feinstaub für die Stadt dar. Das ist umso dramatischer, als nach neueren Studien gerade diese Belastung den Corona-Krankeitsverlauf kräftig verschlechtert.“

Ärger um Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen

Doch ist die Stickoxid-Belastung wirklich so hoch? Fakt ist, dass die Stickstoff-Dioxid-Belastung im Hafen in den Corona-Monaten März und April „signifikant niedriger“ war als im Januar und Februar, wie die Hamburger Umweltbehörde in einem Schreiben erklärte. Das geht aus den Messungen am Hamburger Hafen hervor. 

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Die Werte der Luftmesssationen „Hafen/ Kleiner Grasbrook“ und „Altona Elbhang“. 

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Behörde für Umwelt und Energie

Laut AIDA-Pressestelle liege das auch an dem niedrigeren Energieverbrauch. Da sich aktuell keine Passagiere an Bord befänden, sei der Hotelbetrieb und somit auch der Energieverbrauch der wartenden Riesen-Schiffe deutlich reduziert. 

Schiffe von Hapag-Lloyd pausieren in Hamburg bis Mitte Juni

Auch Schiffe der Kreuzfahrt-Gesellschaft Hapag-Lloyd liegen aktuell im Hamburger Hafen. Nach Informationen der Pressestelle von Hapag-Lloyd pausieren alle Reisen der eigenen Flotte bis Mitte Juni.  „Aktuell hat Hapag-Lloyd Cruises entschieden, den Großteil der Flotte, die aus kleinen und wendigen Schiffen im Luxus- und Expeditionssegment besteht, nach Hause zu bringen und im Heimathafen in Hamburg zu positionieren, bis sie wieder ihren Fahrplan aufnehmen kann“, erklärte eine Pressesprecherin des Unternehmens auf MOPO-Nachfrage. Doch laut des Unternehmens seien die neueren Schiffe mit Katalysatoren ausgestattet, die den Ausstoß von Stickoxid um fast 95 Prozent reduzieren. Zudem seien sie grundsätzlich für die Nutzung von Landstrom ausgerüstet. 

Schiff „Europa 2“ bezieht ab sofort Landstrom am Cruise Center Altona

So auch die „Europa 2“, die derzeit am Hamburg Cruise Center in Altona liegt. Wie die Presseabteilung von Hapag-Lloyd am Freitag erklärte, werde das Schiff ab sofort Landstrom beziehen. „In der bisherigen Testphase wurden die störungsfreie Nutzung und Kompatibilität geprüft und vorbereitet. Die aktuelle Liegezeit – bedingt durch die derzeitigen Reisebeschränkungen – bietet den Rahmen, um die Testphase nun erfolgreich zu beenden“, erklärte das Unternehmen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Viele andere Schiffe werden jedoch weiterhin die eigenen Motoren laufen lassen. 

Hapag-Lloyd: „Schiffe im Hafen verbleiben betriebsbereit“

„Die Schiffe, inklusive der „Europa 2“, verbleiben betriebsbereit, an Bord wird eine Mindestbesatzung, abhängig von der Schiffsgröße, verbleiben. Sie werden während der nun anstehenden Liegezeit in Hamburg auf einen minimalen Energiebedarf eingerichtet, da sie sich nicht im regulär laufenden Betrieb befinden“, erklärte das Unternehmen. Doch trotz eingeschränkten Betriebs laufen viele Motoren weiter und sorgen für den Ausstoß von Stickstoffdioxid. Das weiß auch die Umweltbehörde. 

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Ihr ist bekannt, wie sehr die Schiffe zur schlechten Luft beitragen. „Der Schiffsverkehr stellt in Hamburg eine relevante Emissionsquelle für Stickoxide dar und trägt insbesondere in den hafennahen Bereichen zur Stickstoffdioxid-Konzentration bei“, so ein Sprecher auf MOPO-Nachfrage.

Kreuzfahrtschiffe: Luftverpester trotz Corona-Pause?

Die Behörde gehe aber nicht davon aus, dass durch die laufenden Motoren die Stickstoffdioxid-Konzentration signifikant ansteige. Als Gründe nennt die Behörde dafür die im Vergleich geringe Energie, die aufgrund der fehlenden Gäste benötigt werde, und die ausbleibenden An- und Abfahrten der Kreuzfahrt-Riesen. Zu einer erhöhten Luftverpestung komme es daher nicht. (maw)

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