In Schlauchbooten und von den Pontons aus suchten die Retter nach dem Opfer.
  • In Schlauchbooten und von den Pontons aus suchten die Retter nach dem Opfer.
  • Foto: RUEGA

Rettungsaktion in Hamburg: Feuerwehrmann spricht erstmals über dramatischen Einsatz

Hamburg –

Der Einsatz liegt fast sechs Jahre zurück. Im April 2015 war ein Mädchen an den Landungsbrücken in die Elbe gestürzt. Fast 30 Minuten suchten die Retter fieberhaft, dann die Rettung. Das Bild, als das Mädchen aus dem Wasser gezogen wurde, hat sich in das Gedächtnis eines der Retter gebrannt. Er braucht Hilfe, das Erlebte zu verarbeiten.

Es ist der 28. April 2015. „Es war ein außergewöhnlich warmer Frühlingstag“, erinnert sich Torben F. (32). Der Name wurde geändert, er möchte anonym bleiben. F. macht Dienst an der Feuerwache 11 Innenstadt, als gegen 15.30 Uhr die Alarmglocken schrillen. „Person an Landungsbrücken in Wasser“ lautet der Einsatz.

Hamburg: Kind in Elbe gestürzt – Rettung nach 30 Minuten

Die Feuerwehrwehrmänner, darunter auch Torben F., eilen zu den Einsatzfahrzeugen und rückten aus. Nach wenigen Minuten sind sie am Einsatzort. Erst dort wird das ganze Ausmaß des Dramas klar: Die verunglückte Person ist ein Kind, erst fünf Jahre alt. Zusammen mit Großeltern und Eltern war das Mädchen aus Rheinland-Pfalz für eine Städtetour nach Hamburg gereist. Ein Besuch des Hafens gehörte dazu.

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„Während sich einige meiner Kollegen um die Eltern und Großeltern kümmerten, suchten wir in Schlauchbooten den Bereich um die Pontons ab. Ich wusste, dass jede Minute zählt. Doch die verrannen. Erst nach 30 Minuten fanden wir sie in einem Freiraum zwischen zwei Pontons und zogen sie heraus.“

Bild der Rettung hatte sich in das Gehirn gebrannt

Das Mädchen konnte reanimiert werden. Wie durch ein Wunder ist sie heute wieder wohlauf, hat keine Folgeschäden. „Ich habe selbst eine Tochter und musste in diesem Moment daran denken, dass es das eigene Kind hätte sein können. Ich konnte fühlen, was in den Eltern vorging. Dann kamen die Tränen.“

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Der Moment der Rettung. Die kleine Emilie wurde nach 30 Minuten aus dem Wasser gezogen und überlebte.

Foto:

Rüga

Kollegen erkannten, wie es um F. bestellt war. Die, die dieser Einsatz nicht so angefasst hatte, nahmen ihn beiseite, trösteten ihn. Die harten Hunde der Feuerwehr waren plötzlich wachsweich und fingen ihren Kollegen auf.

Ein Notfallseelsorger wurde organisiert. „Der saß über zwei Stunden mit mir zusammen und hörte mir einfach nur zu. Das tat so unendlich gut. Als ich nach der Schicht nach Hause kam, hab ich meine Tochter in den Arm genommen und gedrückt. Dann war das Bild der Rettung plötzlich wieder da.“

Hamburger Feuerwehr unterstützt traumatisierten Kollegen

Fast ein Jahr lang holte sich F. mit Unterstützung der Feuerwehr professionelle Hilfe. „Mir war wichtig, dass die Gespräche nicht in dienstlicher Atmosphäre zum Beispiel an der Wache stattfinden. So konnte ich mehr und mehr verarbeiten. Das in meinen Kopf gebrannte Bild von Emilies Rettung war aber sofort immer wieder da, wenn es zu Einsätzen mit Kindern ging. Am Einsatzort funktionierte man und handelte routiniert. Spätestens zurück an der Wache waren die Gedanken wieder präsent.“

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„Mein Dienstherr tat alles, was nötig war – dafür bin ich dankbar. Nachdem ich turnusmäßig die Wache gewechselt hatte, wurde es nach und nach besser. Auch, weil ich nicht mehr zu den Landungsbrücken ausrücken musste.“ 

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