Blick auf die Villa
  • Die Villa der Erck Rickmers Gruppe am Alsterufer.
  • Foto: Patrick Sun

Razzia in Alstervilla! Ermittlungen gegen Rickmers Holding

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen mehrere Unternehmen wegen des Verdachts des illegalen Abwrackens dreier alter Schiffe: Insgesamt sieben Geschäftshäuser haben Ermittler am Mittwoch durchsucht und schriftliche Unterlagen und elektronische Daten sichergestellt. Zu den durchsuchten Objekten gehört auch eine Alstervilla der Erck Rickmers Gruppe. Der Reeder weist die Vorwürfe gegenüber der MOPO zurück.

Die Ermittlungen wurden wegen des Verdachts aufgenommen, die Unternehmer hätten die Schiffe nicht ordnungsgemäß abwracken lassen, sondern sie in den Jahren 2016 und 2017 verkauft – im Wissen darum, dass die Käufer die Schiffe nach Pakistan schaffen, „wo sie auf einen ungesicherten Strand gefahren und dort unter umweltgefährdenden Umständen abgewrackt wurden“, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um die Schiffe „MS Florida I“, „MS Alexandra Rickmers“ sowie „MS E. R. Hamburg“.

Razzia in Hamburg wegen Schiffswracks

Für Erck Rickmers, Unternehmer und früherer SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, geht es bei den Anschuldigungen auch um seinen Ruf als Philantroph und Wohltäter. 2020 gründete er die Denkfabrik „The New Institute“, die sich mit gesellschaftlichem Wandel befasst, da passen die katastrophalen Arbeits- und Umweltbedingungen bei den Verschrottungen im fernen Pakistan nicht ins Bild. Gegenüber der MOPO weist Rickmers die Vorwürfe zurück: „Das Unternehmen meint, alle Vorschriften eingehalten und nicht gegen das Abfallverbringungsgesetz verstoßen zu haben.“

Tanker am Strand
Razzia bei der Rickmers Holding: Hamburger Schiffe sollen als „illegaler Abfall“ an pakistanischen Stränden gelandet sein (Symbolbild).

Nach europäischem Recht gelten Schiffswracks als gefährlicher Abfall, der fachgerecht auf Werften entsorgt werden muss. Stattdessen sollen die Wracks jedoch an pakistanischen Stränden zerlegt worden sein, die Käufer sollen den Schrott anschließend weiterverkauft haben. In der Schifffahrtsbranche wird diese billige Entsorgung nach dem englischen Wort für Strand „Beaching“ genannt.

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Tatsächlich war die Erck Rickmers Gruppe Miteigentümerin eines der betroffenen Schiffe: Die „E.R. Hamburg“ war ein Frachter für 2.200 Container. 350 Anleger hatten das Schiff Ende der 90er Jahre erworben, ließen es 19 Jahre lang mehr oder weniger lukrativ über die Meere fahren und entschieden sich 2017, es meistbietend zu verkaufen. Die Erck Rickmers Gruppe hielt nur 0,6 Prozent an der „E.R. Hamburg“, organisierte aber für die Investorengruppe den Verkauf.

Der Zeitpunkt war ungünstig: Der Schifffahrtsmarkt lag danieder, nur Schrotthändler gaben noch Geld für alte Frachter. Und das Abwracken in Europa ist umweltfreundlicher, kostet aber ein Vielfaches. Also bekam ein nicht-europäischer Käufer den Zuschlag.

Hamburg: Bekannter Reeder wehrt sich gegen Verdacht

2017 wurde das Schiff im ägyptischen Port Said an die neuen Eigentümer übergeben, landete später in Pakistan am Strand, womit die Verkäufer aber nichts zu tun haben wollen: „Der weitere Betrieb des Schiffes lag nach dem Verkauf ausschließlich in der Verantwortung der Käufergesellschaft“, heißt es in einer Erklärung der Erck Rickmers Gruppe. Man kooperiere mit den Ermittlern.

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Ein zweites betroffenes Schiff, die „Alexandra Rickmers“, gehörte damals zur Reederei Rickmers, die im Jahr 2017 in die Insolvenz ging. An der Spitze: Reeder Bertram Rickmers, der Bruder von Erck Rickmers.

Ob der Verkauf von ausgedienten Frachtern außerhalb von Europa eine „illegale Verbringung von Abfällen ins Ausland“ im Sinne des europäischen Abfallverbringungsgesetzes ist, muss nun juristisch geklärt werden. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Die Ermittlungen dauern an.

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