Knut Martensen (51) aus St. Georg ist Langstrecken-Purser bei der Lufthansa und nebenbei Imker. Er testet das Angebot Probierstand in Billstedt als erster.
  • Knut Martensen (51) aus St. Georg ist Langstrecken-Purser bei der Lufthansa und nebenbei Imker. Er testete den Probierstand am Freitag in Billstedt als erster und zeigte sich begeistert: „Ich komme mit so vielen Leuten ins Gespräch, das ist toll."
  • Foto: Florian Quandt

Neue Idee: Diese Stände sollen Hamburgs Wochenmärkte retten

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Weil Hamburgs Wochenmärkte teilweise um ihre Existenz kämpfen, setzt der Bezirk Hamburg-Mitte jetzt auf Probierstände. Hier können sich Händler auch ohne Markterfahrung darin versuchen, ihre Produkte an die Leute zu bringen. Den Auftakt machte am Freitag auf dem Wochenmarkt in Billstedt ein Imker mit handgeschleudertem Honig aus dem Öjendorfer und dem Hammer Park.

„Wir hatten bis vor einigen Jahren immer genug Anbieter auf den Märkten. Doch es ist ein bundesweiter Trend, dass die Zahl der Händler abnimmt. Mit dieser Aktion wollen wir die Märkte wieder beleben“, erklärt Markus Jordan (60), Fachamtsleiter für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt der MOPO. „Wir lassen den Stand über verschiedene Märkte in Mitte rotieren und gucken dann am Ende der Testphase, ob er sich bewährt hat.“

Probierstände sollen Hamburgs Wochenmärkte retten

Knut Martensen (51) aus St. Georg testete den neuen Probierstand als erster. Er ist eigentlich Langstrecken-Purser bei der Lufthansa und nebenbei Imker. Ab 7 Uhr war er auf dem belebten Markt mit seinem Honig am Start: „Ich komme mit so vielen Leuten ins Gespräch, das ist toll. Es kommen viele zu mir, die Wert auf hochwertige Produkte legen. Einer wollte sogar zwölf Gläser kaufen“, sagt Martensen, der seit sechs Jahren zusammen mit seinem Imkerkollegen Afrasiab Youssef (32) Honigbienen im Hammer und Öjendorfer Park hält.

Honig von Knut Martensen aus St. Georg
Knuts Blütenhonig aus Deutschland: Knut Martensen hält seit sechs Jahren zusammen mit seinem Imkerkollegen Afrasiab Youssef Honigbienen im Hammer und Öjendorfer Park.

Der Probierstand, der mit 5000 Euro von der Bezirksversammlung gefördert wurde, ist nur eine von mehreren Maßnahmen, um das Marktleben in Hamburg-Mitte wiederzubeleben. Schon in den Geschäftsjahren 2017 und 2018 wurde die haushaltsrechtlich vorgeschriebene Kostendeckung der Wochenmärkte des Bezirksamtes Hamburg-Mitte nicht mehr erreicht. Den Wochenmärkten St. Georg, Hamm, Rothenburgsort und Finkenwerder drohte daher das Aus. Die Wirtschaftsbehörde forderte das Bezirksamt zum Handeln auf. Nennenswertes Potenzial bot unter anderem das Wegfallen einiger Wochenmarkttage an weniger besuchten Standorten.

Probierstand: Willkommen sind fast alle Produkte – Hauptsache, der Standort ist Hamburg

So standen die Wochenmärkte am Dienstag in Finkenwerder und Hamm, am Sonnabend in Rothenburgsort sowie der Donnerstag in St. Georg zur Diskussion. Um das abzuwenden hat die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte den Ausschuss für Wochenmärkte eingesetzt: „Wochenmärkte dienen nicht nur zur Versorgung mit Artikeln des täglichen Bedarfs sondern erfüllen längst auch eine soziokulturelle Komponente. Sie sind Orte der Begegnung, des gegenseitigen Austausches“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. „Wir haben uns deshalb Gedanken darüber gemacht, wie man das Marktgeschehen anders gestalten kann. Es gab entsprechende Umfragen dazu auf den Märkten und auch online“, erklärt Pressesprecherin Sorina Weiland der MOPO. Ein Abschlussbericht dazu soll im Herbst folgen.

Das könnte Sie auch interessieren: Deutsche sind scharf wie nie auf Ingwer

Neben einer eingehenden Analyse durch Umfragen auf den Wochenmärkten, sollen auch neue Formate getestet werden wie zum Beispiel eben Hamburgs erster Probierstand. „Hier sollen auch auch Leute ohne Markterfahrung die Chance bekommen, ihre Produkte vorzustellen“, so Weiland. Willkommen sind fast alle Produkte – Hauptsache, der Standort ist Hamburg. Die Händler müssen nur ihr Produkt mitbringen – ein Stand wird gestellt. Das Mitmachen ist kostenlos. Wer sich ausprobieren möchte, schickt einfach eine e-Mail an Jessica Feldmann unter bezirksamt@hamburg-mitte.hamburg.de.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp