Corona-Demo in Hamburg
  • Die Polizei zählte bei der Demonstration 11.500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen.
  • Foto: Markus Scholz/dpa

11.500 Teilnehmer: So lief Hamburgs bislang größte Corona-Demo

In Hamburg sind am Samstag erneut Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Politik der Bundesregierung zu demonstrieren: 8000 Menschen waren von der Veranstalterin angekündigt worden. Zum Start gegen 16 Uhr waren es 1500, gegen 18 Uhr dann rund 11.500. Für die Polizei, die mit 800 Einsatzkräften vor Ort war und die Demo begleitete, ging es auch um die Umsetzung einer neuen Regel.

So mussten die Demonstranten für die gesamte Zeit eine Maske tragen. Das hatte der Senat in dieser Woche beschlossen. Die Polizei hatte ihr Einschreiten angekündigt, sollte sich nicht an die Regel gehalten werden. Es drohte ein Bußgeld von 150 Euro.

Corona-Demo in Hamburg: 11.500 Menschen auf der Straße

Der erste Eindruck zu Beginn von MOPO-Reportern vor Ort: Der Großteil der Anwesenden hielt sich an die Maskenpflicht, die Organisatorin wies wiederholt via Lautsprecher-Durchsagen auf diese hin. Der Demo-Zug verlief von der Ernst-Merck-Straße vor der Hamburger Kunsthalle weiter in Richtung Stephansplatz, Alster, Lombardsbrücke und Jungfernstieg.

Überwiegend hielten sich die Teilnehmer an die Auflagen, so ein Polizeisprecher, als die Demonstration noch lief. „Bei einzelnen Personen stellen wir jedoch fest, dass sie keinen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen, obwohl sie dazu rechtlich verpflichtet sind.“ Einige hätten Atteste vorweisen können, andere wiederum nicht. „Diese wurden von der Demo ausgeschlossen.“ Vorher soll man betroffenen Personen aber noch die Möglichkeit gegeben haben, eine Maske aufzusetzen. „Das wollten einige aber nicht“, so der Sprecher. Gegen sie wurden Ordnungswidrigkeitverfahren eingeleitet.


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Das Motto der Demo lautete „Das Maß ist voll – Hände weg von unseren Kindern“. Die Demonstrierenden wollten ein Zeichen setzen, dass sie sich trotz geltender Corona-Regeln „nicht spalten lassen werden“. Auch eine Impfpflicht, speziell für Kinder, lehnten sie ab. Man wolle aber auch seine Verbundenheit zu Geimpften zum Ausdruck bringen. Die Veranstalterin: „Wir sind eine Gesellschaft. Wir werden nicht aufgeben, für unsere Rechte auch einzustehen.“

Die Demonstranten hielten Plakate mit Botschaften hoch.
Die Demonstranten hielten Plakate mit Botschaften hoch.

Die Teilnehmer wurden vor Beginn in Blöcke à 200 Personen aufgeteilt. Autofahrern war im Vorwege empfohlen worden, die City zu meiden und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Die Polizei war von einem ruhigen Verlauf ausgegangen – trotz dreier angemeldeter Gegen-Proteste. Jusos, die Grüne Jugend und Gruppen aus der linken Szene hatten zu Gegenkundgebungen aufgerufen. Laut Polizei kamen zu diesen Versammlungen deutlich weniger als die von den Veranstaltern erwarteten knapp 1000 Teilnehmer.

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Der Verfassungsschutz beobachtete die Lage rund um die Demo sehr genau – und richtete dabei sein Augenmerk auch auf die Teilnehmer: So liefen immer wieder „einzelne Personen aus der rechtsextremistischen Szene“ neben Familien, Jugendlichen und anderen, keiner Gruppe Zugehörigen, nur friedlich demonstrierenden Erwachsenen mit.

Bei der Demo hielten vereinzelnd Teilnehmer die Deutschlandflagge verkehrtherum – ein deutliches Bekenntnis zur Reichsbürger-Szene.
Bei der Demo hielten vereinzelt Teilnehmer die Deutschlandflagge verkehrtherum – ein deutliches Bekenntnis zur Reichsbürger-Szene.

Erneut waren bekannte Gesichter rechter Gruppierungen in Hamburg dabei. Vereinzelt hielten die Demo-Teilnehmer die Deutschlandflagge verkehrt herum in die Luft – ein klares Bekenntnis zur Reichsbürger-Szene.

Heiko Schöning von der umstrittenen Gruppe „Ärzte für Aufklärung“ trat als Redner auf.
Heiko Schöning von der umstrittenen Gruppe „Ärzte für Aufklärung“ trat als Redner auf.

Bei der Demonstration trat auch Heiko Schöning als Redner auf. Er ist zentrale Figur der Gruppe „Ärzte für Aufklärung“, die von Behörden beobachtet und von einigen Kritikern, darunter Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), als „gefährlich“ eingestuft wird. Diese Ärzte vertreten die Meinung, eine Impfung gegen Corona sei unnötig. Sie warnen sogar ausdrücklich davor. Die Impfung gegen Covid-19 sei eine „gentechnische Manipulation“.

Um kurz vor 19 Uhr erklärte die Veranstalterin den Aufzug für beendet. „Bis auf kleinere Vorkommnisse verlief die Demonstration aus Sicht der Polizei störungsfrei“, erklärte ein Sprecher gegenüber der MOPO. Am Jungfernstieg habe eine Gruppe von 15 bis 20 Personen Demonstranten angegriffen. Als die Angreifer flüchteten, wurde eine unbeteiligte Frau umgerannt. Sie stürzte und erlitt dabei offenbar einen Beinbruch. Es kam während der Demonstration außerdem zu zwei vorläufigen Festnahmen und zwei Ingewahrsamnahmen. Außerdem wurden sieben Platzverweise verteilt. Ein deutlich überwiegender Teil der Teilnehmer habe laut Polizei dem bürgerlichen Spektrum angehört.

Die nächste Corona-Demo soll am 8. Januar stattfinden.

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