Im Januar berichtete die MOPO über das Gebotsverfahren für eine Wohnung in einem SAGA-Haus am Rolandswoort (Ottensen).
  • Im Januar berichtete die MOPO über das Gebotsverfahren für eine Wohnung in einem SAGA-Haus am Rolandswoort (Ottensen).
  • Foto: Florian Quandt

Wo sie liegen, wer kaufen darf: SAGA will in Hamburg mehr als 1000 Wohnungen verkaufen

Die SAGA sieht sich selbst als Hamburgs „sozial verantwortlicher“ Wohnraum-Versorger. Tatsächlich bremst das Unternehmen mit seinen vielen günstigen Wohnungen den Mieten-Boom in unserer Stadt, weil dadurch der Mietenspiegel weniger rasant steigt. Umso irritierender, dass die SAGA nun mehr als 1000 Wohnungen verkaufen will!

Und das quasi so ziemlich überall in der Stadt. Allein in Billstedt befinden sich 164 Wohnungen oder Häuser im Verkaufsportfolio des städtischen Immobilienunternehmens. Aber auch in Bramfeld (105 Immobilien), Lurup (93) Langenhorn (90), Rahlstedt (85), Sülldorf (79) oder Farmsen-Berne (80) stehen zahlreiche Immobilien auf der Abgabenseite. Insgesamt sind es 1120 Wohneinheiten, wie aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage von Heike Sudmann (Linke) hervorgeht.

Hamburg: SAGA wollte Höchstbieterverfahren stoppen

Hintergrund ihrer Anfrage ist ein MOPO-Bericht aus dem Januar dieses Jahres. Damals wurde bekannt, dass die SAGA eine 56-Quadratmeter-Wohnung am Rolandswoort (Ottensen) für ein Mindestgebot von 311.600 Euro per Höchstbieterverfahren veräußern wollte. „Dieser stolze Preis von mehr als 5500 Euro je Quadratmeter führt alle Bekundungen einer sozialen Orientierung des städtischen Wohnungsunternehmens ad absurdum“, kommentiert Sudmann in ihrer Anfrage.

Linken-Poltikerin Heike Sudmann

Heike Sudmann

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dpa

Tatsächlich reagierte die SAGA auf den MOPO-Artikel – und entschied überraschend, die Praxis des Höchstgebotsverfahrens bei Wohnungsverkäufen zu stoppen. Das Unternehmen hatte offensichtlich erkannt, dass das Verfahren zu einer Preistreiberei beiträgt. Auf Anfrage hieß es damals, dass es „im Rahmen des Verkaufs im Höchstgebotsverfahren eine spekulative Kaufpreisentwicklung“ gebe, an der sich die SAGA nicht beteiligen wolle. Stattdessen wollte man Alternativen prüfen – und das ist in Absprache mit der Stadtentwicklungsbehörde inzwischen geschehen.

Hamburg: Kein SAGA-Verkauf in Szenevierteln

„Als Ergebnis dieser Prüfung wurde der Verkauf von Wohnungen in Gebieten mit einer Sozialen Erhaltungsverordnung und in sog. Szenevierteln grundsätzlich eingestellt“, heißt es in der Senatsantwort. Dort würden einzig in sehr wenigen  Anlagen, die bereits ganz überwiegend privatisiert sind und in denen der SAGA nur noch einzelne Wohnungen gehören, weiter Verkäufe an Mieter oder Selbstnutzer – also Dritte, die Wohnung selbst beziehen – statt.

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Außerhalb dieser Gebiete können Mieter und Selbstnutzer in überwiegend anprivatisierten Wohnanlagen – also Gebiete, in denen in der Vergangenheit bereits einzelne Wohnungen verkauft wurden – Wohneigentum erwerben. Die Linken-Abgeordnete kann da nur den Kopf schütteln. „Günstiger öffentlich Wohnraum wird privatisiert. Es sind nicht die Mieter, die diese Wohnungen kaufen“, sagt Sudmann zur MOPO. Sie plädiert dafür, dass SAGA-Wohnungen weiter vermietet werden. In den letzten beiden Jahren seien aber 80 Prozent der Wohnungen an Selbstnutzer verkauft worden.

Hamburg: SAGA setzt auf Verkehrsermittlungen

In der Tat: 2019 und 2020 sind 23 Wohneinheiten an Mieter zum Durchschnittspreis von 3128,44 Euro den Quadratmeter und 90 Wohneinheiten an Selbstnutzer zum Durchschnittspreis von 4340,23 Euro pro Quadratmeter verkauft worden, so der Senat. Die Bestimmung des Kaufpreises erfolge regelmäßig durch Verkehrswertermittlung.

Video: SAGA zieht Bilanz für das Jahr 2019

Klingt fair, wären da nicht die Bieterverfahren, die doch noch immer stattfinden, wie der Senat zugibt. „In solchen Anlagen, in denen die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt, werden durch Auszug freigewordene Objekte weiterhin im Rahmen eines notariellen Gebotsverfahrens an Selbstnutzer veräußert“, heißt es in der Antwort auf die Linken-Anfrage.

Hamburg: SAGA verkauft Wohnungen deutlich teurer

In den Jahren 2019 und 2020 wurden insgesamt 81 Wohneinheiten im Gebotsverfahren verkauft – und zwar deutlich über dem ursprünglich angedachten Preis! „Der Verkaufspreis lag im Durchschnitt 46.895,63 Euro und damit 20,5 Prozent über dem Aufrufpreis“, heißt es vom Senat. Sämtliche Käufer würden sich aber verpflichten, die Immobilie mindestens acht Jahre selbst zu nutzen. Für einen Zeitraum von insgesamt 30 Jahren ab Kauf könne außerdem ein Weiterverkauf des Objekts nicht ohne Zustimmung der SAGA erfolgen.

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„Das heißt nach acht Jahren können die Wohnungen teuer vermietet werden, nach 30 Jahren teuer verkauft“, kritisiert Sudmann. Sie fordert, dass das „Programm zur  Vernichtung preisgünstiger öffentlicher Wohnungen“ sofort beendet wird.

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