Die Hamburger Messehallen dienen als Impfzentrum.
  • Die Hamburger Messehallen dienen als Impfzentrum.
  • Foto: picture alliance/dpa

Streit um extra Impf-Shots: 40.000 Dosen weggeworfen – so redet sich der Senat raus

Streit um die extra Dosis Impfstoff: Viele Hersteller liefern pro Fläschchen eine sogenannte Überschussmenge mit. Bedeutet: aus einem Biontech-Fläschchen könnten anstatt sechs auch sieben Dosen entnommen werden. Im Hamburger Impfzentrum landen dieser Rest im Müll. Die Hamburger CDU ist deswegen sauer, der Senat will auf Nummer sicher gehen.

43.000 Dosen Impfstoff wurden nach Recherchen des NDR im Hamburger Impfzentrum seit der Eröffnung weggeworfen. Etwa eine Woche zuvor hatte sich in der MOPO die Vorsitzende des Hausärzteverbands Jana Husemann zur Verschwendung des Rest-Impfstoffs geäußert: „In der derzeitigen Situation können wir es uns einfach nicht leisten, Impfstoff zu vernichten. Wir müssen alles nutzen, was uns zur Verfügung steht.“ Nun mischt sich die Politik ein.

Hamburgs CDU-Chef spricht von „Wegwerfpraxis“

„43.000 ungenutzte Impf-Restdosen in Hamburgs Impfzentrum, damit hätte ein ganzer Stadtteil wie Langenhorn quasi einmal durchgeimpft werden können“, sagte Hamburgs CDU-Fraktionschef Dennis Thering. „Das ist nicht nur bedauerlich, das ist unfassbar.“

Hamburgs CDU-Fraktionschef Dennis Thering

Hamburgs CDU-Fraktionschef Dennis Thering

Foto:

dpa

Andere Bundesländer würden zeigen, wie es besser geht. Tatsächlich darf in Schleswig-Holstein und Niedersachsen die zusätzliche Dosis verimpft werden. Die „Wegwerfpraxis“ sollte laut Thering auch in Hamburg umgehend beendet werden.

Extra-Dosis Impfstoff: Senat geht auf Nummer sicher

Der rot-grüne Hamburger Senat wies die Forderung der CDU zurück. Der Senat halte sich an die rechtlichen Vorgaben, sagte die stellvertretende Sprecherin Julia Offen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) gibt pro Behältnis eine zugelassene Anzahl Impfeinheiten vor. „Das wird im Impfzentrum weiterhin so bleiben“, so Offen.

Das könnte Sie auch interessieren: So gut sind Geimpfte gegen Corona geschützt

Wenn ein Arzt mehr Dosen aus einem Fläschchen ziehe, liege die Verantwortung bei dem Arzt selbst. „Aber es ist natürlich nicht jedem gegeben handwerklich so geschickt und mit so viel Ruhe die Mengen aus den Fläschchen zu entnehmen“, so Offen. Es sei besser, sechs vernünftige Mengen an Impfstoff zu verimpfen anstatt bei einer siebten Dosis vielleicht nicht genug herausbekommen zu haben.

Hamburger SPD-Chef schießt gegen Thering

Hamburgs SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf nannte die Forderung von Thering „unverantwortlich“.  Sie offenbare erneut die „erschütternden Defizite der CDU, wirksame Lösungen zur Pandemiebekämpfung beizutragen.“ Die EMA hatte die mögliche Menge an Biontech-Impfstoff schon von fünf auf sechs Dosen pro Fläschchen erhöht.

In einer Hausarztpraxis wird Impfstoff aus einem Fläschchen gezogen. (Symbolbild)

In einer Hausarztpraxis wird Impfstoff aus einem Fläschchen gezogen. (Symbolbild)

Foto:

dpa/dpa-Zentralbild

„Nun auch noch eine vollständige siebte Dosis aus der Sicherheitsmenge zu entnehmen, ist äußerst schwierig“, so Kienscherf. Im übrigen bräuchte man für die Durchimpfung des Stadtteils Langenhorn sogar 92.000 Impfdosen, da zwei Impfdosen im Abstand von mehreren Wochen nötig seien.

Email
Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp