Wirtschaft: Loift
Wirtschaft: Loift
  • Bei den großen deutschen Konzernen herrscht derzeit offenbar eher Goldgräberstimmung als Existenzangst.
  • Foto: IMAGO / YAY Images

Krise? Welche Krise? Den Konzernen zumindest geht’s gut

Die Befürchtungen waren die schlimmsten. Von einer möglichen „Deindustrialisierung“ war sogar die Rede. Und nun? Verkündete das Statistische Bundesamt ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent für das Jahr 2022. Zwar kein Grund, in Jubelstürme auszubrechen – aber doch besser als manche schon prognostiziert hatten. Im Detail indes zeigt sich: Den kleinen und mittleren Unternehmen droht weiter Ungemach. Nur die Großen trotzen sicher der Krise – wegen diverser Vorteile.

Noch im Herbst vergangenen Jahres schien die Lage äußerst ernst. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnte vor einer „Deindustrialisierung“ Deutschlands wegen der Energiekrise. Schnelles Gegensteuern seitens der Ampel tue dringend Not. Und der Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, sprach von einer möglicherweise jahrelangen Wirtschaftskrise mit „Wohlstandsverlusten in bislang unvorstellbarem Ausmaß“.

Bruttoinlandsprodukt steigt um 1,9 Prozent

Umso mehr dürften Teile der Öffentlichkeit diese Nachricht verwundert aufgenommen haben: Ruth Brand, die Präsidentin des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden, teilte am Freitag mit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes nach ersten Schätzungen um 1,9 Prozent gestiegen sei – trotz Corona-Nachwirkungen, trotz Lieferketten-Problemen, trotz des Krieges, trotz der Energiekrise. Auch die von manchen erwartete Winter-Rezession dürfe ausbleiben. Man erwarte eher eine Stagnation, also eine etwa gleichbleibende Wirtschafts-Leistung.

Und sieht man sich die Gewinne der Top 10 der deutschen Unternehmen 2022 an, dann sieht es sogar noch besser aus: Überall prangt ein fettes Plus. Volkswagen machte 17,1 Milliarden Euro Gewinn, Mercedes-Benz 15,1 und Hapag-Lloyd 14,2 Milliarden Euro. Der „Spiegel“ berichtete von einem geradezu „euphorisierten“ Siemens-Chef Roland Busch, als der im November die Jahresbilanz präsentierte: Das Auftrags- und Umsatzwachstum sei „beeindruckend“, der Cashflow „überragend“, der Gewinn im industriellen Geschäft „historisch“.

Dennoch ist nicht alles gut

Also doch alles gut? Mitnichten. Erstens fiel das Wachstum der gesamten deutschen Wirtschaft weniger hoch aus als erhofft: „Ohne Energiepreisschock und hartnäckige Lieferengpässe wäre ein doppelt so kräftiger Anstieg der Wirtschaftsleistung möglich gewesen“, ordnete etwa der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel), Stefan Kooths, ein. Immerhin: Die von der Ampel geschnürten Hilfspakete haben Wirkung gezeigt.

Zweitens fällt aber auch auf: Die guten Zahlen der Top-Unternehmen haben offenbar mit großen strukturellen Vorteilen zu tun. Sie stellen sich international auf. Nutzen verschiedene Kapitalmärkte. Wenn ein Rohstoff fehlt, wird der eben woanders eingekauft, wird woanders produziert. Und: Dank Marktmacht konnten sie den Preisdruck häufig an die Kund:innen weitergeben.

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All dies ist kleineren und mittleren Unternehmen nicht so leicht möglich. Auch wenn der Gasmangel weniger schlimm wurde als erwartet oder die Lieferketten-Probleme sich entschärft haben: Vor allem energieintensive Betriebe dieser Größe werden weiter zittern müssen, warnt Siemens-Aufsichtsratschef Joe Kaeser. Die Folge: Wohlstand und sozialer Frieden wären akut „gefährdet“.

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