Eine Nutria frisst Wasserpflanzen am Ufer eines Gewässers.
Eine Nutria frisst Wasserpflanzen am Ufer eines Gewässers.
  • Das Vorkommen von Biberratten wird in Hamburg seit 2018 statistisch erfasst. (Archivbild)
  • Foto: Patrick Pleul/dpa

Nutria-Plage in Hamburg: Warum die Behörden „kein Problem“ sehen

In einigen Stadtteilen Hamburgs leben besonders viele Nutrias, auch Biberratten genannt. So manchen Menschen sind sie ein Dorn im Auge. Größeren Schaden haben die Tiere noch nicht angerichtet. Gejagt werden sie dennoch in großem Umfang.

In Hamburg breiten sich Nutrias immer weiter aus. „Eine Populationsschätzung für Hamburg ist mit den uns vorliegenden Daten nicht möglich. Man kann jedoch erkennen, dass die Nutriapopulation in den letzten Jahren in Hamburg zugenommen hat“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde. Konkretere Zahlen soll ein Gutachten ergeben, das kürzlich in Auftrag gegeben wurde. „Die ersten Ergebnisse dazu erwarten wir im Sommer 2023.“

Behörde warnt vor Plage: Nicht füttern und Abstand halten

Das Gutachten soll auch klären, welche Gefahren die wachsende Nutria-Population für das heimische Ökosystem bedeuten könnte. Bislang liegen der Behörde eigenen Angaben zufolge noch fast keine Schadensmeldungen vor. Zwar kämen Beschwerden von Hamburgerinnen und Hamburgern, die die Biberratten auf ihrem Grundstück, im Garten oder beim Spazierengehen als lästig empfinden. Doch: „Naturschutzfachlich stellen Nutrias bislang kein Problem dar. An Ufern können sie sogar für mehr Strukturreichtum sorgen.“

Auch Befürchtungen, dass die Nutrias Schäden an Hochwasserschutzanlagen oder in der Landwirtschaft verursachen könnten, konnte der Sprecher nicht bestätigen. „Schäden liegen der Umweltbehörde nicht vor.“ Er verwies darauf, dass auch die nicht in der Region heimischen Nutrias Wildtiere sind, zu denen Abstand gehalten werden sollte. Zudem sollten sie nicht gefüttert oder anderweitig gefördert werden, weil sich dadurch auch Ratten schneller vermehren könnten.

Biberratte: Besonders verbreitet in Harburg und Bergedorf

Ein Abschussprämie, die sogenannte Schwanzprämie, gibt es in Hamburg nicht mehr. Die Tiere dürfen aber dennoch bekämpft werden. Hamburgs Jägerinnen und Jäger haben im Jagdjahr 2021/2022 – also zwischen April 2021 und März 2022 – im Stadtgebiet fast 1200 Nutrias getötet. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es 1445 Exemplare, im Jagdjahr davor 550 Biberratten. Die Zahl der erlegten Nutrias ist 2018/2019 in der Hansestadt erstmals statistisch erfasst worden.

Die Biberratten stammen ursprünglich aus Südamerika, die europäische Population wiederum besteht zu großen Teilen aus von Pelztierfarmen entlaufenen Tieren. Sie sind kleiner als ein Biber und größer als eine Bisamratte.

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Die meisten Nutria-Familien leben den Angaben zufolge im Südosten der Stadt und sind vor allem in Bergedorf und Harburg beobachtet worden. Sie halten sich besonders gern in den Kanälen und Entwässerungsgräben der Bergedorfer Vier- und Marschlande auf. (dpa/mp)

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