Ärzte und Pflegekräfte betreuen einen Patienten bei einer Lungenspiegelung in einem der Behandlungszimmer auf der Intensivstation in der Universitätsmedizin Rostock.
  • Personalmangel: Viele Ärzte und Ärztinnen in Hamburger Kliniken sind am Limit (Symbolbild)
  • Foto: dpa

Düstere Prognose: Not und Frust unter Ärzten in Hamburg

Eine Ad-hoc-Umfrage des Marburger Bund Hamburg unter seinen Mitgliedern zeigt: Die Stimmung unter den angestellten Ärztinnen und Ärzten in Hamburg ist düster – und das nicht nur wegen Corona. Größtes Problem: der gravierende Personalmangel, der oft dazu führt, dass Kollegen selbst an ihren freien Tagen einspringen müssen.

„Die Situation ist auch in Hamburg weit schlimmer als vor einem Jahr, auch wenn bisher die Zahl der Covid-19-Patientinnen und -Patienten noch nicht so hoch ist“, kommentiert ein Mitglied die aktuelle Lage. Viele angestellte Ärztinnen und Ärzte, die der Marburger Bund als Gewerkschaft vertritt, arbeiten in Krankenhäusern.

Die Zukunftsprognosen der Mediziner sind besorgniserregend: „Nach der Pandemie wird es meines Erachtens einen flächendeckenden Exit bei Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegefachkräften geben“, schreibt einer der Befragten.

Hamburger Krankenhäuser: Ärzte stark überlastet

MB-Hamburg Geschäftsführerin Katharina von der Heyde bestätigt, dass der Druck auf die Ärztinnen und Ärzte weiter zugenommen hat. „Oft müssen Dienste aufgrund der ohnehin schon dünnen Personaldecke wegen nun häufigen Krankheitsausfällen spontan neu besetzt werden“, berichtet sie. „Die wenigen freien Tage, die Ärztinnen und Ärzte haben, können sie nicht zur Erholung nutzen, wenn sie ständig einspringen müssen. So wird medizinisches Personal verheizt.“

Verschiebung von planbaren Operationen in Hamburg

Auf die Frage, ob wegen Corona planbare Operationen verschoben werden müssen, antworten 32 Prozent der Teilnehmenden, dass dies – zum Zeitpunkt der Umfrage Ende November 2021 – nicht der Fall sei. 28 Prozent geben an, dass Operationen in geringem Umfang verschoben werden müssen. 13 Prozent der Teilnehmenden berichten von Operationsverschiebungen in größerem Umfang.

Pedram Emami
Dr. Pedram Emami ist Präsident der Ärztekammer Hamburg. 

Auswahl von Notfallpatienten in Hamburg

MB-Mitglieder wurden außerdem gefragt, ob sie wegen der Pandemie bei der Versorgung von Notfallpatienten eine Auswahl treffen müssen. 57 Prozent der Befragten verneinen dies. 17 Prozent geben allerdings an, dass eine solche Auswahl bereits stattfinde. Befragte ergänzen in den Kommentaren, dass es hauptsächlich aufgrund des massiven Personalmangels zu Bettensperrungen und somit zu einer eingeschränkten Patientenversorgung kommt.

Rund ein Drittel der Umfrage-Teilnehmenden erklärt, dass Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr als vier Wochen weiterarbeiten können.

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„Die Pandemie verstärkt die Missstände im Gesundheitswesen, die schon lange bestehen“, sagt Dr. Pedram Emami, 1. Vorsitzender des Marburger Bund Landesverbandes Hamburg: „Immer mehr Arbeit wird auf weniger Schultern verteilt – viele Kolleginnen und Kollegen sind am Limit.“

Die Befragung lief Ende November, es nahmen 216 Mitglieder teil.

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