Prof. Stefan Kluge ist Chef der Intensivmedizin am Hamburger UKE.
  • Prof. Stefan Kluge ist Chef der Intensivmedizin am Hamburger UKE.
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UKE-Direktor warnt vor Triage – so ist die Lage in Hamburgs Kliniken

Eine „Triage“, also wegen einer Überbelastung entscheiden zu müssen, welcher Patient behandelt wird, weil nicht alle versorgt werden können – das ist eine der größten Sorgen von Medizinern. In Bayern, Berlin, Sachsen und Thüringen geraten Intensivstationen wegen der Corona-Pandemie schon ans Limit. Operationen werden verschoben, in München warnen Klinikchefs vor einem Kollaps. Auch der Hamburger Chef der Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge, hat jetzt bei „RTL direkt“ vor einer „latenten Triage“ gewarnt.

Grund ist die zu niedrige Impfquote, zudem steigt die Inzidenz rasant.  Im Vergleich zum vergangenen Herbst und Winter können wegen weniger Pflegepersonals aber 4000 Intensivbetten weniger betreut werden, so Kluge, der auch Präsidiumsmitglied der Intensivmedizinervereinigung Divi ist. Er warnt, dass die Kliniken vielleicht schon bald nicht mehr alle Intensivpatienten aufnehmen können, denn Schlaganfallpatienten, Herzinfarkte, Unfallopfer und auch Tumor-Operationen bei Krebspatienten müssten ja weiter versorgt werden.

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„Ich habe insofern große Sorge davor, dass wir in eine Art auch latente Triage reinkommen“, sagt Kluge. „Dass wir dann wirklich genau schauen, wen können wir dann noch in welches Krankenhaus verlegen und wen können wir aufnehmen.“


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In Deutschland werden laut dem DIVI-Register 2739 Covid-Patienten intensivmedizinisch behandelt, insgesamt sind noch 2417 Intensivbetten frei. In Hamburg sind laut der Gesundheitsbehörde 175 Covid-19-Patienten in Kliniken (Stand: 10.11.), das sind 50 Menschen mehr als vergangene Woche. 43 von ihnen liegen auf Intensivstationen.

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Rund die Hälfte wird in Asklepios-Kliniken behandelt. Die Lage sei noch stabil, erklärt ein Asklepios-Sprecher der MOPO. „Aktuell werden keine Operationen verschoben, aber wir betrachten die hohe Inzidenz mit großer Sorge“, sagt er.

Das Problem: Covid-19-Patienten müssen teilweise wochenlang auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen – und binden damit auch lange personelle Ressourcen. „Wir haben in unseren Kliniken mindestens so viele Pfleger wie im vergangenen Jahr und sind insgesamt besser vorbereitet“, so der Sprecher. Doch wenn es unter den Pflegern zu Krankheitsfällen kommt, muss Personal von anderen Stationen einspringen – und schon könnten Lücken in der Gesamtversorgung entstehen. „Derzeit können die Kliniken die Lage aber noch stemmen“, sagt er.

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