Herrmann und weitere Personen jubeln auf dem Boot
  • Weltumsegler Boris Herrmann (l.) freut sich riesig auf sein neues Boot.
  • Foto: picture alliance/dpa/Daniel Bockwoldt

Neues „Biest“ für Boris Herrmann: Tausende sehen Taufe in Hamburg – mit einer Panne

Tausende Hamburgerinnen und Hamburger haben Segel-Star Boris Herrmann gestern einen triumphalen Empfang in seinem Heimathafen bereitet. Hauptdarstellerin des Spektakels in der HafenCity war aber die neue Hightech-Yacht des populären Hochsee-Helden, die am Sandtorkai, nur einen Spaziergang von seiner Wohnung entfernt, feierlich getauft wurde. Eine feucht-fröhliche Zeremonie – mit Hindernissen.

„Fünf, vier, drei, zwei, eins …“, zählte Skipper Herrmann, verbal begleitet von vielen der Schaulustigen, herunter. Dann zog eine Gruppe von ausgewählten Kindern an einem Seil und die Champagnerflasche sauste auf den knallroten Bugspriet der „Malizia – Seaexplorer“ nieder.

Champagnerflasche bleibt ganz – Boris Herrmann lächelt das Malheur weg

Klonk! Die Flasche blieb ganz. Ein Aufstöhnen. Die Segelkundigen unter den Zuschauenden, die mit Traditionen und Aberglauben vertraut sind, wussten: Nicht gut. Bringt Unglück. Oder nicht?

Herrmann steht auf dem Boot
Nanu, was ist da los? Die Champagnerflasche am Bugspriet wollte zunächst nicht kaputtgehen.

Herrmann lächelte das Malheur weg – er ist weitaus Schlimmeres gewohnt, dazu auf hoher See und bei Sturm. Kurzerhand wurde der Fehlschlag zur Generalprobe erklärt und der Käpt’n legte bei den erneuten Vorbereitungen selbst Hand an. Im zweiten Anlauf zogen die Kinder kräftiger am Seil und die Buddel zerschellte. Kollektives Aufatmen. Geht doch!

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Vielleicht hatte die „Malizia – Seaexplorer“, 18 Meter lang und mit einem 29 Meter hohen Mast, auch einfach öffentlichkeitswirksam ihre Robustheit unter Beweis stellen wollen, die es braucht, um den Naturgewalten auf See zu widerstehen. Stark ist sie. Und schnell. Noch schneller als erhofft.

Boris Herrmann: „Dieses Boot ist wirklich ein Biest“

„Dieses Boot ist wirklich ein Biest“, schwärmt Herrmann. „Es will nach vorne jagen.“ Das hätten die ersten Fahrten gezeigt. Mit 30 Knoten ist die Yacht bereits übers Meer gejagt, rund 60 km/h. Die sogenannten Foils an beiden Seiten, Unterwasser-Tragflügel, heben bei voller Fahrt den Rumpf empor. „Man kann übers Wasser fliegen.“

In Zeitlupentempo waren der 41-Jährige und seine Crew dagegen am Mittag in den Sandtorhafen geschippert, begleitet von Applaus, Gejohle und einem Meer aus winkenden Armen. Die Fahrt elbaufwärts bis in den Hamburger Hafen nach einer fünftägigen Reise, die im französischen Lorient begonnen hatte, war von rund 70 Booten begleitet worden.

Für den Wahl-Hamburger, der seit 2013 in der Hansestadt lebt – wenn er nicht gerade auf See ist – und mit Frau Birte, Tochter Marie-Louise (2) und Hund Lilli in der HafenCity am Lohsepark wohnt, ist die Bootstaufe vor der eigenen Haustür ein Meilenstein. „Hamburg ist mein Heimathafen und auch der Heimathafen der ,Malizia‘“, so Herrmann. „Wir Seeleute sind abergläubisch, deshalb ist es mir sehr wichtig, dass die Taufe hier stattfindet.“

Stapellauf der neuen Rennyacht von Boris Herrmann, die "Malizia - Seaexplorer".
Die neue Rennyacht „Malizia – Seaexplorer“

Herrmann über seinen Kontakt mit Greta Thunberg

Der große und warme Empfang dokumentiert eindrucksvoll die Bekanntheit und Beliebtheit des Profi-Seglers, der mit seinem abenteuerlichen Debüt bei der Vendée Globe 2020/21, der härtesten Round-the-World-Regatta für Solo-Segler, ebenso für Furore sorgte wie mit seiner „Chauffeur-Fahrt“ für Klimaaktivistin Greta Thunberg über den Atlantik nach New York. „Mit Greta sind wir vor allem noch in privatem Kontakt“, erzählt Herrmann. „Sie hat uns zum neuen Boot gratuliert. Vielleicht kommt sie ja noch mal an Bord.“

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Boris Herrmann ist in erster Linie Vollblut-Segler und will Regatten gewinnen, er hat sich aber auch dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben. „Climate Action Now!“ prangt in großen Lettern auf einem Segel der neuen Yacht, „A Race We Must Win“ auf einem zweiten. Ein Rennen gegen die Zeit – schwieriger als jede Regatta.

Bis Donnerstag liegt die millionenteure „Malizia“ noch im Sandtorhafen und kann bewundert werden. Dann heißt es „Leinen los!“ und es geht wieder auf See, zurück nach Lorient, wo Mitte September mit der Regattawoche Défi Azimut die erste echte Prüfung für das neue Boot ansteht, gefolgt von der Solo-Transatlantik-Regatta Route du Rhum (ab 6. November). Im Januar nimmt Herrmann mit seiner Crew das berühmte Ocean Race um die Welt in Angriff – und 2024/25 dann ein zweites Mal die Vendée Globe. Nur Boris und sein „Biest“.

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