Der Treppenaufgang zum Bergedorfer ZOB ist derzeit gesperrt.
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  • Foto: Florian Quandt

Nach Pfusch am Bau: Dieser Bahnhof ist endlich wieder einsatzbereit

Anstelle der täglich bis zu 2000 Linienbusse kurvten am Bergedorfer Busbahnhof zuletzt ein halbes Jahr lang die Baustellenfahrzeuge herum. Tiefe Schlaglöcher machten die Komplettsanierung der gesamten Fahrbahn erforderlich – und das, obwohl die Anlage erst 2011 feierlich eröffnet worden war. Die Gründe dafür waren Pfusch am Bau und ein daraus folgender jahrelanger Rechtsstreit. Wie soll das dieses Mal verhindert werden?

Endlich heißt es für die täglich circa 25.000 Fahrgäste Abschied nehmen von den kreuz und quer verteilten Ersatzhaltestellen rund um den Bergedorfer S-Bahnhof. Ab dem 11. Dezember werden die Busse wieder wie gewohnt am ZOB halten.

Das gilt auch für die Reisebusse, die ihre Passagiere in den vergangenen sechs Monaten am Friedrich-Frank-Bogen in Bergedorf-West und an der S-Bahn-Station Nettelnburg einsammeln mussten.

ZOB in Bergedorf war sechs Monate lang gesperrt

Eine katastrophale Situation für den Eigentümer, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, die ihr Bus-Prestigeprojekt inklusive der 5000 Quadratmeter großen Fahrbahn schließlich erst im September 2011 feierlich eröffneten.

Damals war der neue ZOB – nach dem Komplett-Abriss 2008, gefolgt von jahrelangem Busverkehr in den Fußgängerzonen, explodierten Kosten und dem zweimal verschobenen Eröffnungstermin – sehnsüchtig von den Bergedorfern erwartet worden.

Der Bergedorfer Busbahnhof musste ein halbes Jahr komplett saniert werden. Florian Quandt
Der Bergedorfer Busbahnhof musste ein halbes Jahr komplett saniert werden.
Der Bergedorfer Busbahnhof musste ein halbes Jahr komplett saniert werden.

Allerdings mussten sie nicht nur lange auf ihren neuen Busbahnhof warten, sie bekamen ihn auch noch richtig verpfuscht. „Die Fahrbahndecke der Anlage weist Risse und Löcher auf“, sagt VHH-Sprecherin Christina Sluga im Juni zur MOPO. „Wenn wir dies nicht sanieren würden, wären sowohl die Verkehrssicherheit auf der Anlage als auch die Bausubstanz des Gebäudes gefährdet.“

Besagte Risse und Löcher seien aber nicht etwa erst vor kurzem aufgefallen, sondern „bereits 2012, kurz nach der Eröffnung des ZOB“, so Sluga weiter.

ZOB Bergedorf wies nach Eröffnung erhebliche Mängel auf

Deswegen ging die VHH 2013 vor Gericht, ein Gutachter sollte die Ursache besagter Mängel herausfinden. Dieses sogeannte Beweissicherungsverfahren dauerte neun Jahre, im Januar 2021 wurde es mit einer Anhörung abgeschossen.

Es kam zu dem Ergebnis, „dass die Fugen nicht die für Brücken übliche Flexibilität aufwiesen, Wasser konnte so in die Zwischenräume der Fahrbahndecke laufen, bei niedriger Temperatur gefrieren und so Löcher in die Fahrbahnoberfläche sprengen“, sagte Sluga. „Demnach steht die Haftung im Grunde fest und die Verursacher müssen in der Konsequenz die Kosten tragen.

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Die Verursacher, damit sind die alten Bau- und Planungsfirmen gemeint. Die VHH sind weiterhin zuversichtlich, die 6,5 Millionen Euro Sanierungskosten von diesen einfordern zu können. Mit diesem Geld wurde die komplette Fahrbahn jetzt entfernt und mit einem Spezialbelag aus Asphalt und Harz, der sonst für Brücken genutzt wird, neu aufgebaut.

Spezieller Asphalt soll erneute Schlaglöcher verhindern

Aus Sicht von VHH-Projektleiter Sohail Popal sind die Bauarbeiten optimal verlaufen. „Bei der Sanierung musste eine Lösung gefunden werden, damit die Asphaltflächen dauerhaft tragfähig bleiben, um große Schlaglöcher und Rissbildungen zu vermeiden“, sagt er. „Dieses Verfahren ist allerdings sehr wetterabhängig. Doch wir hatten Glück, dank der gleichmäßig hohen Temperaturen und einer ausgereiften Planung konnten wir den Bauzeitplan sehr gut einhalten.“

Am 11. Dezember wird dann der erste Bus wieder die Rampe zum ZOB hochfahren. Diesmal haben die Bergedorfer hoffentlich länger etwas von ihrem Busbahnhof.

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